Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Ein segensreicher Weg

Die meisten Menschen mögen es, wenn alles so bleibt, wie es ist. Aber das ist in unserer rasant sich verändernden Welt keine Option – und schon gar nicht für Christen.

Bischöfin Rosemarie erinnert an Jesu Auftrag, das Kreuz auf sich zu nehmen und ihm nachzufolgen. Dabei geht es nicht nur um die persönliche Beziehung des Einzelnen zu Christus, sondern auch darum, die Welt zu verändern.

Ein wenig Abwechslung dann und wann ist belebend. Trotzdem schätze ich geregelte Abläufe. Im Leben der Gemeinden und der Kirche nehme ich ähnliche Wünsche wahr. »So haben wir das immer gemacht« – mit diesem Satz verweisen viele Menschen auf Traditionen, die ihnen vertraut sind und Geborgenheit schenken. Für manche Mitchristen wird es schon ungemütlich, wenn im Gottesdienst jemand auf ihrem Stammplatz sitzt.

Neulich war ich bei einer Tagung in Nashville, Tennessee. Leitende Mitarbeitende aus den Werken und Einrichtungen der Konferenzen der EmK in den Vereinigten Staaten waren zusammen, um über den Weg der Kirche in diesem Jahrviert nachzudenken. Im einleitenden Referat sprach Professor Philip Clayton von der Claremont School of Theology in Kalifornien davon, dass wir derzeit dramatische Veränderungen erleben. Der christliche Glaube ist nicht mehr selbstverständliches Allgemeingut in der westlichen Hemisphäre. Dazu kommen Herausforderungen durch die Globalisierung und ihre sozialen Folgen, Klimawandel und vieles mehr.

Es geht nicht alles einfach so weiter wie bisher. Für uns, die wir uns auf der sicheren Seite der Welt wähnen, ist dies eine beunruhigende Nachricht. Professor Clayton riet, sich den Ängsten zu stellen. Komplexe Herausforderungen können wir nicht mit altbekannten Lösungen in den Griff bekommen. Appelle allein helfen auch nicht weiter. In Predigten, die wir zumeist auf unserem Stammplatz in unserer Gemeinde anhören, wird uns gesagt, dass der Weg Jesus nach kein bequemer Spaziergang ist. Jesus spricht eine klare Sprache: »Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach« (Lukas 9,23). Wir nicken dazu und machen in der Regel weiter wie bisher.

Bei jener Tagung in Nashville betonte Professor Clayton, dass die methodistische Tradition besondere Schätze bereithält für eine Zeit wie diese. Wir schätzen Vielfalt. Wir wissen, dass Nachfolge ein Prozess ist und kein Zustand. John Wesley schuf Trainingsmöglichkeiten für Suchende und Glaubende, die Jesus folgen wollten. In kleinen Gruppen sprach man darüber, wie die großen Worte vom Aufbruch in konkrete Schritte umgesetzt werden können. Beim nächsten Treffen erzählte man sich, was gelang und was nicht. Dabei ging es nicht nur um die persönliche Beziehung des Einzelnen zu Christus, so wichtig diese ist. Man suchte auch Wege, um in die Gesellschaft hineinzuwirken.

Viele Christen werden die kommenden Wochen bis Ostern als besondere Zeit gestalten, in der sie auf Gewohntes verzichten und Neues wagen wollen. Wie wäre es, wenn wir dabei Gesprächspartner suchen würden, mit denen wir uns darüber austauschen, wie wir angesichts des gesellschaftlichen Wandels unser Christsein praktizieren? Wir lesen miteinander die Bibel, setzen unseren Verstand ein, lernen aus der Tradition, erzählen uns Erfahrungen mit Gott und fragen danach, wie in unserem Alltag der Glaube in der Liebe tätig werden kann. Das ist nicht bequem, aber es ist ein segensreicher Weg.

Bischöfin Rosemarie Wenner