Nelson Mandela

Nelson Mandela

Nelson Mandela

Ein Unruhestifter für den Frieden

Menschen auf der ganzen Welt richten ihre Blicke nach Südafrika, wo Nelson Mandela am gestrigen Abend (5. Dezember) im Alter von 95 Jahren starb.

Als ehemaliger Gefangener war Nelson Mandela der erste schwarze Präsident der Republik Südafrika und führte sein Land aus jahrzehntelanger Apartheid heraus. Mit seinem Tod verliert die Welt einen hochgeachteten Staatsmann, der in großer Besonnenheit und persönlich gelebter Vergebungsbereitschaft sein Land aus großer Zerrüttung herausführte und vor einem Bürgerkrieg bewahrte. In seinem Bemühen um Ausgleich und Versöhnung wird er oft in einem Atemzug mit Mahatma Gandhi erwähnt.

Während seines ganzen Lebens hatte Nelson Mandela viele Verbindungen zum Methodismus. Nelson Mandela wurde am 18. Juli 1918 im Dorf Mvezo in der Nähe von Umtata, der Hauptstadt der Transkei (östliche Kap-Region), geboren. Nelson, sein britischer Vorname, wurde ihm erst von einer Lehrerin in der Grundschule gegeben. Sein ursprünglicher Rufname lautet Rolihlala, was netterweise mit »einen Ast vom Baum abbrechen« übersetzt werden kann. Hinter der netten Übersetzung verbirgt sich aber vielmehr ein »Unruhestifter« oder »Einer, der Ärger macht«. Als Jugendlicher wurde er in einer methodistischen Kirche getauft und besuchte ein methodistisches Internat, in dem viele spätere afrikanische Führungspersönlichkeiten ausgebildet wurden. Als gut ausgebildeter junger Mann und Jurist schloss er sich früh der Anti-Apartheids-Bewegung an, in der er unter anderem auch von methodistischen Pastoren und Pädagogen begleitet und beraten wurde. 1963 wurde er als einer der Führer im Anti-Apartheids-Kampf zu lebenslanger Haft auf der gefürchteten Gefängnisinsel Robben Island verurteilt. Der methodistische Pastor Peter Storey war dort Gefängnispastor und hatte dadurch einen intensiven seelsorgerlichen Kontakt mit Nelson Mandela und den mit Mandela einsitzenden politischen Gefangenen.
Vier Jahre nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis im Februar 1990, wurde Mandela 1994 zum Präsidenten Südafrikas gewählt. Als Präsident arbeitete Mandela eng mit Kirchenführern zusammen, um die Neugestaltung der Nation unter den Zeichen wirksamer Versöhnung und Vergebung auf den Weg zu bringen. So berief er neben anderen auch Peter Storey, seinen ehemaligen Gefängnisseelsorger, in die Wahrheits-und Versöhnungskommission, die im Jahr 1995 gegründet wurde. Die Arbeit dieser Kommission gilt weltweit als Vorbild, wie nationale Heilung und Vergebung aus vorher scheinbar unüberwindbaren und feindlichen Gegensätzen möglich werden kann. »Wir wussten, dass Wahrheit die Voraussetzung ist, um eine neue Nation aufzubauen« sagte Storey im Rückblick auf diese Ereignisse. »Ohne Wahrheit keine Heilung. Ohne Vergebung keine Zukunft.«

In dritter Ehe heiratete er 1998 die Methodistin Graça Machel, Witwe des früheren Präsidenten von Mosambik. Das Paar machte im November 2006 eine überraschende Aufwartung bei der Ratstagung des Internationalen Bischofsrats der Evangelisch-methodistischen Kirche in Maputo, Mosambik. »Wir hatten das Vorrecht der Begegnung mit einem Heiligen und sind dafür sehr dankbar« beschrieb Bischöfin Janice Huie, damals Ratspräsidentin, die eindrückliche Begegnung. Der Weltrat Methodistischer Kirchen ehrte Mandela als »Symbol für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden« und sprach ihm den Methodistischen Friedenspreis im Jahr 2000 zu. Seine »bemerkenswerte Freiheit von Bitterkeit und sein ganzes Leben spiegeln Qualitäten, die für den Methodistischen Friedenspreis ausschlaggebend sind« sagte Frances Alguire, Vorsitzende des Rats, bei der Preisvergabe.

Im Jahr 1999 zog sich Mandela aus seiner politischen Verantwortung als Präsident Südafrikas zurück, hatte aber weiterhin großen Einfluss sowohl weltweit als auch auf dem afrikanischen Kontinent. Seinen letzten vielumjubelten Auftritt hatte Mandela 2010 bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Zuletzt war es ruhig um ihn geworden. Sein Gesundheitszustand hatte sich drastisch verschlechtert. Jetzt nimmt die Welt Abschied von einem ganz Großen – dem Unruhestifter zum Frieden.

Klaus Ulrich Ruof
Medienwerk der EmK

Foto: umc.org / Wikimedia Commons