Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Eine Patchworkfamilie

Zur weltweiten methodistischen Bewegung gehören viele einzelne Kirchen mit einer großen theologischen und kulturellen Bandbreite. Das vereint, bringt aber auch Spannungen mit sich.

Und doch eint uns der methodistische Auftrag. Das wurde auch bei zwei großen Treffen methodistischer Kirchen deutlich, von denen Bischöfin Rosemarie Wenner berichtet.

Wir sind Geschwister von unterschiedlichen Müttern!« Dieser Satz aus der Predigt von Bischöfin Teresa Snorton von der Christlich Methodistischen Bischöflichen Kirche in Birmingham, USA, wurde oft zitiert bei der Tagung des Methodistischen Weltrats, die vom 10. bis 14. September 2013 in London stattfand. In der 1778 von Wesley erbauten Kapelle wurden wir alle begrüßt mit: »Ihr kommt nach Hause!« Das war zu erleben.

Gleichzeitig war aber auch die Vielfalt spürbar, die Bischöfin Snorton zu dem interessanten Bild der Patchworkfamilie veranlasste. Bischöfin Snorton vertritt eine der Kirchen, die aufgrund der Ausgrenzung schwarzer Kirchenglieder in den USA im 19. Jahrhundert entstanden. Inzwischen gab es viele Schritte zur Versöhnung, doch die Wunden, die der Rassismus Menschen zufügt, schmerzen noch immer. Neben ethnischen, kulturellen und theologischen Unterschieden waren bei der Ratstagung in London auch Spannungen zwischen der größten und reichsten Mitgliedskirche, der Evangelisch-methodistischen Kirche (englisch: United Methodist Church) und den vielen kleineren Kirchen spürbar.

Das Bild der versammelten Geschwister, die sich auf Vater Wesley berufen und unterschiedliche Mütter haben, half, das Zusammensein in Wesleys Kapelle mit Realismus zu betrachten und sich dennoch darauf zu besinnen, dass uns ein Auftrag eint. Mit Wesleys Worten ist er so beschrieben: »Seelen retten und Heiligung über die Lande verbreiten!« Wir hörten, wie dieser Auftrag in den verschiedenen Erdteilen gelebt wird. Aktuell verpflichteten wir uns zum Gebet und zu politischer Einflussnahme, um die Gewalt in Syrien möglichst bald zu beenden. Berichte aus den ökumenischen Dialogen verdeutlichten, dass es nicht nur um Gemeinschaft in der methodistischen Familie geht, sondern um die Einheit des Leibes Christi und um ein friedliches Miteinander aller Geschöpfe Gottes auf dieser Welt.

Unmittelbar nach Abschluss der Weltratstagung fand sich der Europäische Methodistische Rat in Wuppertal zu seiner jährlich stattfindenden Tagung ein. »Seelen retten und Heiligung über die Lande verbreiten «, da sind wir wenigen Methodisten in Europa miteinander dran. Bei dieser Tagung setzten wir uns mit den Folgen der Eurokrise auseinander. Wie können wir arbeitslose Jugendliche unterstützen? Erleben junge und ältere Menschen in unseren Gemeinden, dass ihr Wert nicht von der Tatsache abhängt, dass sie einen gut bezahlten Job haben? Können wir Einfluss auf Politik und Wirtschaft nehmen, damit es solidarischer zugeht in Europa und auf dieser Welt?

Menschen in Jesu Nachfolge einladen und für bessere Lebensbedingungen aller eintreten, dazu sind auch die örtlichen Gemeinden gerufen. Oft geht auch hier Energie verloren, weil Konflikte zu klären sind. Man spürt – im Bild gesprochen – Einflüsse von unterschiedlichen Müttern: Alteingesessene Methodisten, Leute, die von anderen Kirchen zur Gemeinde kamen, und junge Christen, die voller Begeisterung alles anders machen wollen, streiten um den rechten Weg.

Ob uns der Glaube an den einen Vater im Himmel, der uns in Jesus Christus an seinen Tisch ruft und mit sich versöhnt, befähigt, in die Welt hineinzuwirken, in die wir gesandt sind? Schließlich eint uns mehr als Vater Wesley!

Foto : Gottfried Hamp / Medienwerk der EmK