Bischöfin Rosemarie Wenner

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Grußwort zu Weihnachten

Weihnachtsgruß von Bischöfin Rosemarie Wenner

Kürzlich bei einer Flugreise: Eine Familie ist mit einem Kleinkind unterwegs. Süß ist er, der Junge! Mindestens wenn er alle anlacht, weil seine Mutter ihn durch den Flieger trägt. Als die Eltern allerdings schlafen wollen (wie die meisten Mitreisenden auch), fängt der Kleine lauthals zu schreien an. Kinder sind wunderbar, sie gewinnen die Herzen, sie locken Liebe aus uns heraus. Und sie sind anstrengend in ihrer Bedürftigkeit. Sie stören. Und zwar nicht nur die Nachtruhe, sondern auch Tagesabläufe, Karrierechancen und wirtschaftlichen Erfolg (in Deutschland sind Kinder ein Armutsrisiko), ja sogar Gemeindeplanungen, zum Beispiel, wenn ein Pastor Elternzeit nimmt, wozu ich alle Väter ermutige!

Die Botschaft von Weihnachten heißt: »Gott wird ein Kind!«

Wir können also all dies auch auf Gott beziehen: Gott lockt Liebe aus uns heraus, macht uns mitfühlend, fröhlich und hilfsbereit. Und Gott stört unsere Planungen und durchkreuzt unser Streben nach einem Wohlstand, der exklusiv uns zugute kommt, während andere darben. Wenn wir dem Kind in der Krippe unser Herz schenken, lassen wir unsere Perspektiven zurechtrücken und üben uns in Solidarität. Denn Gott, unser Heiland »stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen« (Lukas 1, 52-53). So wird Weihnachten – auch für diejenigen, die menschlich betrachtet wenig Grund zum Jubeln haben.

Mit den Worten von Gerhard Tersteegen (1731) lade ich ein: »Sehet dies Wunder, wie tief sich der Höchste hier beuget; / sehet die Liebe, die endlich als Liebe sich zeiget. / Gott wird ein Kind, / träget und hebet die Sünd. / Alles anbetet und schweiget.« (EM 182,3)

Bischöfin Rosemarie Wenner