EMC in Wuppertal

»Klare Worte und Orte der Hoffnung«

Die Herausforderungen der aktuellen Wirtschaftskrise standen auf der Tagesordnung des Europäischen Rats methodistischer Kirchen.

Unter dem Thema »Verantwortungsbewusste Nachfolge in einer Zeit wirtschaftlicher Herausforderungen« tagte der Europäische Rat methodistischer Kirchen (European Methodist Council, EMC) vom 14. bis 17. September in Wuppertal. Annähernd alle Regionen Europas waren in den Beratungen vertreten und berichteten über sehr unterschiedliche Erfahrungen in der derzeitigen wirtschaftlichen Krise Europas.

Ein Schwerpunkt war dabei die Jugendarbeitslosigkeit, die zurzeit fast flächendeckend großen Teilen der Jugend Europas jegliche Perspektive für das eigene Leben nimmt. In den südeuropäischen Ländern sind derzeit teilweise fast 40 Prozent der Jugendlichen arbeitslos, in Spanien und Griechenland sogar 55 beziehungsweise 58 Prozent. Aber auch die anderen europäischen Länder stehen meist ratlos vor diesem Problem. Die Wanderbewegung vor allem der jungen Menschen zu Ausbildungs-und Arbeitsplätzen erfasst mittlerweile ganz Europa.

Der EMC beschloss, gezielt Hilfen zu entwickeln, um jungen Menschen Begleitung auf diesen schwierigen Wanderungen bieten. Vor allem müsse aber den Vielen, die in ihrem Heimatland bleiben, eine Perspektive gegeben werden. Darin, so der Rat, liege der eigentliche Auftrag der Kirche: den Menschen auch inmitten der verheerenden Krise den Wert ihres Lebens zu vermitteln und Räume der Hoffnung zu eröffnen.

Mehr als Not lindern

Deutlich wurde in den Diskussionen auch, dass die Aufgabe der Kirche Jesu Christi nicht allein darin bestehen kann, die Not zu lindern. Vielmehr muss sie Gründe und heillose Strukturen beim Namen nennen. Ihr Bekenntnis zu Jesus Christus als Herrn der Welt bedeutet auch, dass Denk- und Handlungsmuster verworfen werden, die das Leben der Menschen zerstören.

Diese Konsequenz wurde nicht zuletzt angeregt durch eine Begegnung in der Gemarker Kirche in Wuppertal-Barmen, in der 1934 von der Bekennenden Kirche die Barmer Erklärung verabschiedet wurde. Die Verfasser der Barmer Erklärung fügten damals den Thesen des Bekenntnisses zu Jesus Christus zugleich auch Sätze hinzu, die mit den Worten »Wir verwerfen…« unmissverständliche Abgrenzungen formulierten.

Bischof Eduard Kheygay (Russland) brachte in seiner Predigt über die Geschichte vom reichen Jüngling die Alternative zur Sprache: Nicht, was wir haben könnten, darf uns beschäftigen, sondern, was wir und unsere Nächsten zum Leben benötigen. Superintendent Oyvind Helliesen (Norwegen) beklagte die auf Sicherung und Steigerung des Lebensstandards fokussierten Wahlkämpfe in den reichen Ländern Europas. Das »Teilen« habe nach wie vor keine Lobby. Das Wort der Kirche Jesus Christi sei deshalb jenseits aller politischen Grabenkämpfe unverzichtbar. Die Vermehrung des Besitzes, die nach wie vor ungebremsten Mechanismen des Geldmarktes und ein Wirtschaftssystem, das mehr und mehr ganze Länder und Bevölkerungen ausgrenze und damit ihre Entwürdigung in Kauf nimmt, dürften nicht das letzte Wort sein.

Stärken und unterstützen

Im EMC arbeiten die methodistischen Kirchen in Europa zusammen, um sich gegenseitig zu stärken und zu unterstützen Die Vereinigte Kirche von Schweden wurde im Rat erstmals begrüßt. Sie ist 2011 aus dem Zusammenschluss Jahr von Baptisten-, Methodisten und Missionskirche entstanden. Sie ist zunächst Beobachter, aber mit dem Ziel, dass die Vereinigte Kirche von Schweden bald zur 11. Mitgliedskirche methodistischer Tradition des EMC wird. Der Rat wird sich im September 2014 zu seiner Tagung in Dublin (Irland) versammeln.

Stephan Ringeis/Volker Kiemle

Foto: v.l. Donald Ker (Irish Methodist Church, Co-Vorsitzender), Bischof Dr. Patrick Streiff (Schweiz, Co-Vorsitzender),  Elaine Robinson (EMC-Sekratärin, British Methodist Church)