Methodistische Vermittlung in Belfast

Methodistische Vermittlung in Belfast

Methodismus International

Methodistische Vermittlung in Belfast

39 Organisationen haben an die Bewohner Belfasts appelliert, die Gewalt zu beenden. Der methodistische Pastor Gary Mason spielte dabei eine wichtige Rolle.

Mit einem dringenden Appell haben sich 39 Organisationen an die Einwohner der nordirischen Hauptstadt Belfast gewandt. »Wir bitten darum, dass die Gewalt in Ost-Belfast beendet wird«, betonte der methodistische Pastor Gary Mason vor Pressevertretern im methodistischen Skainos-Zentrum. Die Pressekonferenz am 17. Januar markierte den Schlusspunkt von Verhandlungen nach sechswöchigen Unruhen in der Hauptstadt Nordirlands. Der Appell wurde auf einem Faltblatt gedruckt und in Briefkästen geworfen.

Streit um die Fahne

Die Gewaltwelle begann in der Nacht vom 3. auf 4. Dezember: Der Stadtrat von Belfast hatte am 3. Dezember 2012 mehrheitlich beschlossen, die britische Fahne auf dem Rathaus nur noch an bestimmten Tagen im Jahr zu hissen. Pro-britische Loyalisten nahmen dies zum Anlass für Krawall und Gewalt auf den Straßen. Bereits in der ersten Nacht wurden 18 Menschen verletzt, meist Polizisten. Gewalttätige Demonstranten warfen Flaschen, Steine, Feuerwerkskörper und anderes auf Polizisten. Die Polizei nahm drei junge Leute fest. Ähnlich setzte sich das bis Mitte Januar fort.

Die East Belfast Mission

Die Methodistische Kirche in Irland betreibt seit mehr als 100 Jahren soziale Arbeit in Belfast. Zu ihr gehört die »East Belfast Mission« (EBM, Ost-Belfast-Mission). Die EBM hat ihre Wurzeln Anfang des 19. Jahrhunderts in einer Kapelle, die in derselben Straße errichtet wurde, in der heute noch die EBM zu finden ist. Später wurde die zu klein gewordene Kapelle ersetzt durch eine Kirche mit 1500 Sitzplätzen. Im Zweiten Weltkrieg wurden diese Kirche und weitere Gebäude der Gemeinde für soziale Arbeit durch deutsche Luftangriffe zerstört. Einen Ersatz gab es erst reichlich zehn Jahre später.
Heute gehört der EBM ein größerer Gebäudekomplex, zu dem US-Glieder der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) finanziell beigetragen haben. Er liegt ganz in der Nähe der Ausschreitungen. Als bislang letzter Teil des Komplexes wurde im November 2012 das Skainos-Zentrum eingeweiht. Dort finden Menschen Hilfe bei Arbeits- oder Obdachlosigkeit sowie bei gesundheitlichen Problemen. Menschen können dorthin gehen, um Gottesdienst zu feiern, gemeinsam zu essen oder um sich seelsorgerlich beraten zu lassen. Darüber hinaus gibt es Einrichtungen für Kinder.

Bei der East Belfast Mission arbeiten etwa 60 Personen. Darunter ist auch das Ehepaar Gilmore, das durch die Missionsbehörde der EmK in New York dorthin gesandt wurde. Gilmores berichten auf ihrer Website über den Flaggenstreit: »Nur ein Bruchteil der Protestierenden war gewalttätig – und zu dieser Gruppe gehörten viele Teenager und Kinder bis herab zu einem Alter von zehn Jahren.« Diese verstünden wohl nur zum Teil, um was es genau gehe.

Pastor Gary Mason leitet die Arbeit der East Belfast Mission. Er ist in der Unterstützung zur Beilegung von Konflikten erfahren. Für seine zwei Jahrzehnte langen Bemühungen zur Befriedung des Nordirland-Konflikts erhielt Mason im Herbst 2007 von Königin Elisabeth II. eine Auszeichnung. Jetzt griff der methodistische Pastor wieder ein und vermittelte eine Übereinkunft mit den pro-britischen Loyalisten: Demonstrationen bleiben erlaubt. Die Gewalt wird beendet.

Reinhold Parrinello

BU: Skainos-Center in Belfast
Foto: skainos.org