Jubiläen

Musikalische Doppelfeier

Anlässlich zweier Jubiläen bringen die EmK Stuttgart-Feuerbach und der Neckarverband im Bund Christlicher Posaunenchöre Deutschlands (bcpd) ein musikalisches Theaterstück über John Wesley auf die Bühne.

Der Blick in den Terminkalender zeigte Monika und Reinhard Herrmann schon vor zwei Jahren, dass zwei bedeutende Ereignisse anstehen: Die EmK in Feuerbach, der beide angehören, wird in diesem Jahr 150 Jahre alt, der Neckarverband des »Bundes Christlicher Posaunenchöre Deutschlands«, dessen stellvertretender Verbandsvorsitzender Reinhard Herrmann ist, wird 100. »Uns war gleich klar, das wollen wir zusammen feiern«, erzählt Monika Herrmann, die in der Feuerbacher Gemeinde groß geworden ist.

Was so spontan begann, kommt am 19. Oktober als historisches Schauspiel um Kirchengründer John Wesley auf die Bühne der Feuerbacher Festhalle – mit einem eigens dafür geschriebenen Stück, eigener Musik und einer großen musikalischen Besetzung: »Die Anmeldungen laufen noch«, sagt Reinhard Herrmann, doch er rechnet mit regem Zuspruch auch von Seiten seiner Musiker: Rund 400 Bläser umfasse der Neckarverband, mit 200 aktiv teilnehmenden Bläsern rechnet der Verbandsvorstand – das würde einen beeindruckenden Rahmen ergeben.

Den anfänglichen Gedanken, ein Musical aufzuführen, verwarf das Organisatorenteam schnell wieder: »Das wäre eine Nummer zu groß gewesen«, sagt Monika Herrmann. Also entschloss man sich zu einem Theaterstück mit musikalischem, vom Neckarverband beigesteuertem Rahmen. Das ist praktisch, weil Bläser und Schauspieler so separat proben können. Zudem muss man keine ausgebildeten Musical-Sänger »einkaufen«, die gesamte Produktion liegt ganz in der Hand der Gemeindeglieder. Weil sich kein passendes Theaterstück fand, wurde man selbst aktiv: Gemeinsam mit Ruhestandspastor Hartmut Handt machte Monika Herrmann aus dem Buch »Lösegeld für einen kleinen Kaminkehrer« von Dave und Neta Jackson eine Bühnenfassung. Kantor Hartmut Finkbeiner komponierte die Musik, die moderne Anklänge mit den Chorälen von Charles Wesley verbindet.

Das Stück beschreibt die Lebenswirklichkeit der Bergarbeiter in der englischen Stadt Newcastle upon Tyne um das Jahr 1750, und auch John Wesley spielt eine Rolle. Hauptperson ist ein 13-jähriger Junge, der darum kämpft, seinen kleinen Bruder freizukaufen, der von seinen Eltern an einen Schornsteinfeger verkauft wird. Reinhard Herrmann spielt den Vater. Der Titel »Raus aus dem Kamin« soll dabei den Kampf gegen Armut und Kinderarbeit verdeutlichen, ist aber auch als zeitgemäße Aufforderung an uns alle zu verstehen, erzählt Monika Herrmann: »Auch wir müssen raus aus der Enge unserer Konventionen.«

»Etwas zusammen bewirken«

Aus der spontanen Idee ist längst ein großes Theaterprojekt geworden. Erste Fotos zeigen eindrucksvolle Kostüme wie aus einem Historienfilm, die Männer tragen Zopf und Dreispitz und Gehrock, die Frauen Hauben und Schürze. »Ehrgeizig« beschreibe es aber nicht recht, sagt Monika Herrmann: »Natürlich wollen wir, dass es gut wird, aber vor allem sollen die Gemeindeglieder etwas zusammen bewirken«. Viele hätten sich für das Projekt begeistern lassen, und das Gemeinschaftsgefühl sei gewachsen.

Susanne Müller-Baji