Weihnachten

Weihnachten: Ein Geschenk für Ausgegrenzte

Lebkuchen, Weihnachtsmänner und Schnee: Das kommt den meisten Menschen in den Sinn, wenn sie an Weihnachten denken. Dass dabei die wahre Bedeutung von Weihnachten aus dem Blick gerät, bedauert nicht nur Barry Sloan.

Allerdings sieht der Evangelisationssekretär der EmK genau darin eine Chance für die Kirche, das Geschenk Gottes an die Menschen deutlicher zu betonen. Volker Kiemle hat mit Sloan gesprochen.

Was bedeutet Weihnachten für Sie persönlich?

Barry Sloan: Für mich ist Weihnachten eine Zeit des Schenkens und Beschenktwerdens. Das erinnert mich an das größte Geschenk, das wir Menschen bekommen haben in der Geburt Jesu. Die Freude über dieses Geschenk gebe ich zu Weihnachten an andere Menschen über Geschenke weiter. Ein Geschenk ist auch, wenn die Familie zusammen ist oder wir andere Menschen besuchen. Dabei steht die Freude am Geschenk im Vordergrund!

... und als Pastor und Evangelist?

Barry Sloan: Die Fleischwerdung Gottes, die Inkarnation, ist für mich das Faszinierendste an Weihnachten: Dass Gott sich kleinmacht, ein Niemand wird und in einem schmutzigen Stall in einer unbedeutenden Stadt geboren wird. Dass Hirten, die absoluten Außenseiter der damaligen Gesellschaft, ihn als Erste besuchen. Das sind Zeichen für mich, dass Jesus immer für die Außenseiter da ist, für die Niedrigen, für die Benachteiligten. Das ist für mich auch die entscheidende Botschaft in meiner Arbeit als Evangelisationssekretär: Gott kommt zu den Niedrigen, in ihre Welt.

Wie feiert man richtig Weihnachten?

Barry Sloan: Durch Teilen und Zeit füreinander haben. Wir sind alle sehr beschäftigt, und da ist es etwas Besonderes, Zeit zu teilen. Der Gottesdienstbesuch gehört für mich unbedingt dazu. Hier kann man sich über die wahre Bedeutung von Weihnachten Gedanken machen.

Weihnachten ist ein lautes Fest, obwohl sich die meisten Menschen nach einer ruhigen Feier sehnen. Wie können wir im Festtrubel zur Ruhe kommen?

Barry Sloan: Ich lebe in Sachsen, wo Advent und Weihnachten sehr groß gefeiert werden – die Krippen, die Kerzen, die Bräuche. Das gefällt mir sehr – auch wenn es natürlich auch hier den Einkaufswahn gibt. In Irland, wo ich herkomme, haben wir einen Weihnachtsbaum aufgebaut, und das war es. Dabei ist der Weihnachtsbaum nichts Christliches, er erinnert einen nicht daran, worum es an Weihnachten geht. Hierzulande ist er bei aller Unruhe doch viel besinnlicher. Durch meine neue Aufgabe als Evangelisationssekretär ist die Adventszeit für mich entspannter als zu der Zeit, als ich Gemeindepastor war. Im Dezember bin ich weniger unterwegs und habe mehr Zeit für mich und meine Familie.

Viele Menschen gehen nur an Weihnachten in die Kirche. Wie denken Sie darüber?

Barry Sloan: Ich finde es schön, dass Leute in dieser Zeit tief in sich die Sehnsucht spüren, in die Kirche zu gehen. Das ist natürlich Teil der Kultur, aber für uns ist es eine Chance, den Segen Gottes weiterzugeben und Leute einzuladen. Denn für mich gehört der Gottesdienst zu den Gnadenmitteln.

Für viele Menschen gehören Dinge zu Weihnachten, die im Neuen Testament gar nicht auftauchen – wie Ochs und Esel oder Weihnachtsmann, Plätzchen ... Sehen Sie das kritisch?

Barry Sloan: Wenn es nur um Kommerz und Geld geht, macht mich das traurig. Es frustriert mich, dass viele die wahre Bedeutung von Weihnachten gar nicht mehr beachten. Gerade deshalb haben wir als Pastoren und Gemeinden die Möglichkeit, im Weihnachtsgottesdienst über das wirkliche Weihnachten zu reden.

Wie sieht ein guter Weihnachtsgottesdienst aus?

Barry Sloan: Da kann ich nur für mich reden: Zu einem Weihnachtsgottesdienst gehören ein Weihnachtsspiel und traditionelle Weihnachtslieder – am besten natürlich eines in Englisch.

Welcher Weihnachtsgottesdienst war für Sie der eindrücklichste?

Barry Sloan: Tief beeindruckt hat mich zum Beispiel ein Gottesdienst, zu dem 30 Männer aus der Klinik für Alkoholkranke, die in der Nähe unserer Kirche liegt, kamen. Diese Männer, die kein einfaches Leben hatten, in der Kirche zu sehen, das hat mich sehr berührt. Gerade für diese Menschen ist Gott in die Welt gekommen!

Nicht alle Menschen wissen das Geschenk Gottes an Weihnachten zu schätzen. Wie gehen Sie damit um?

Barry Sloan: Ich lade sie einfach ein, indem ich von diesem Geschenk rede. Wenn sie es nicht hören wollen, dränge ich mich nicht auf – und versuche doch, mit ihnen unterwegs zu sein. Leider haben viele Christen und Gemeinden verlernt, dieses Geschenk anzubieten. Das ist ein großes Problem! Ich sehe eine der Hauptaufgaben von Gemeinden darin, von diesem Geschenk zu reden.

Foto: MEV