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»unterwegs« 2/2010

Robert Schnase hatte nicht vor, eine Bewegung zu gründen.

Aber der amerikanische Bischof und sein Buch »Fruchtbare Gemeinden und was sie auszeichnet« bilden die Spitze einer wachsenden Bewegung, die Christen auf der ganzen Welt erfasst hat. Fred Koenig, Journalist der amerikanischen EmK, hat ihn für uns porträtiert.

Nein, wie einer, der die Massen mobilisieren will, wirkt Robert Schnase (sprich »Schneisi«) auf den ersten Blick nicht. Auch stellt man sich einen Bischof anders vor als diesen Mann mit der sanften Stimme, der gerne Vögel in freier Wildbahn beobachtet, Kajak fährt und Marathon läuft und außerdem ab und zu etwas in sein Online-Tagebuch schreibt. Und trotzdem hat er, quasi nebenbei, einen Bestseller geschrieben, der inzwischen viele Christen auf der ganzen Welt begeistert und für Aufbrüche in Gemeinden gesorgt hat. »Five Practices of Fruitful Congregations «, heißt das Buch, auf Deutsch ist es unter dem Titel »Fruchtbare Gemeinden und was sie auszeichnet« erschienen. Schnase selbst hängt den Erfolg des Buches nicht so hoch: Die fünf Kennzeichen fruchtbarer Gemeinden sind für ihn schlicht »die Grundlage des christlichen Glaubens seit den Anfängen der Kirche«.

Das Buch wurde in den USA schon mehr als 100.000 mal verkauft, inzwischen sind Ausgaben in Australien, Deutschland, England, Russland und sogar in Indonesien erschienen. Und nicht nur innerhalb der EmK wird es gelesen, sondern auch in vielen anderen Kirchen in den USA, wie der Evangelisch-lutherischen, der Presbyterianischen und der Episkopalkirche.

Es ist nicht zuletzt deswegen erfolgreich, weil sich Schnases Ansatz von gängigen Gemeindeerneuerungs-Konzepten grundlegend unterscheidet. Der Bischof ist theologisch eher gemäßigt, aber er zeigt in fünf Kennzeichen einen klaren, nachvollziehbaren Weg auf, wie Kirchen und Gemeinden wachsen und blühen können: bedingungslose Gasfreundschaft, leidenschaftlicher Gottesdienst, zielgerichtete Glaubensentwicklung, risikobereite Mission und außerordentliche Großzügigkeit. Das Evangelium auf diese Art und Weise ernst zu nehmen, ist heutzutage eine mutige Forderung - verlangt Schnase doch nichts anderes, als dass Christen, Gemeinden und Kirchen aus ihrer passiven Glaubenshaltung herauskommen und ihren Glauben offensiv leben und verbreiten.

Tief beeindruckt

Der gebürtige Texaner Schnase wurde 1981 Pastor der EmK. Ein Jahr arbeitete er in England, danach leitete er verschiedene Gemeinden in Texas an der Grenze zu Mexiko. Wo er war, wuchsen die Gemeinden. 2004, als er Pastor der Gemeinde McAllen (Texas) war, wurde er zum Bischof der Konferenz von Missouri gewählt. Sein Sprengel umfasst 850 Gemeinden mit rund 175.000 Mitgliedern. Die Idee zu seinem Buch entstand während seines ersten Treffens mit EmK-Bischöfen aus aller Welt: In einem Workshop sprach ein Bischof über die Kennzeichen von gut funktionierenden, blühenden Gemeinden. »Bedingungslose (radikale) Gastfreundschaft« gehörte dazu. »Die Vorstellung von ›radikaler Gastfreundschaft‹ hat mich tief beeindruckt und von dem Moment nicht mehr losgelassen«, erzählt Schnase. Der Bischof nahm die auf der Tagung erwähnten Kennzeichen blühender Gemeinden mit nach Missouri und probierte sie mit Pastoren und Gemeindeleitern aus. Er ergänzte sie mit eigenen Ideen und formulierte schließlich fünf. Er entwickelte die einzelnen Schritte mit einer starken Betonung auf Wachstum. Während der Ausarbeitung entstand das Buch, mit dem Gemeinden die fünf Kennzeichen praktisch umsetzen können. »Die einzelnen Begriffe graben sich in die Vorstellung der Menschen ein und machen klar, wie die Kirche ihren Auftrag, Menschen zu Jüngern zu machen, erfüllen kann«, berichtet Schnase. Dabei seien sie im Grunde nicht neu. »Sie sind abgeleitet von dem, was die ersten christlichen Gemeinden gemacht haben und was seit der Apostelgeschichte zum Kern der christlichen Mission gehört.« Auch wenn das Buch nicht ausdrücklich wesleyanisch ist, so gibt es doch Parallelen: Persönliches und planvolles Handeln habe zum Methodismus von Anfang an dazu gehört, betont Schnase. Die frühe methodistische Bewegung habe außerordentlich viel Wert auf das persönliche Verhalten gelegt. So sollten Methodisten die Armen unterstützen, Gefangene besuchen und mit ihnen beten, fasten und die Sakramente feiern.