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»unterwegs« 5/2010
Wie Geld und Glauben zusammenpassen - Gott segnet solidarisches Teilen
Als im Sommer und Herbst des Jahres 1941 der vom nationalsozialistischen Deutschland durchgeführte Vernichtungsfeldzug im Osten Europas tobte, schrieb Dietrich Bonhoeffer ein umfassendes Schuldbekenntnis stellvertretend für seine Kirche.
Kirche ist schuldig geworden
Dieses Schuldbekenntnis der Kirche, welches sich an den zehn Geboten orientiert, formuliert konkret und in aller Deutlichkeit, wofür die Kirche laut Bonhoeffer angesichts der unzähligen Schreckenstaten einzustehen hatte: »Die Kirche hat ihr Wächteramt und ihr Trostamt oftmals verleugnet. Sie hat dadurch den Ausgestoßenen und Verachteten die schuldige Barmherzigkeit oftmals verweigert. Sie war stumm, wo sie hätte schreien müssen, weil das Blut der Unschuldigen zum Himmel schrie. (...) Die Kirche bekennt, Beraubung und Ausbeutung der Armen, Bereicherung und Korruption der Starken stumm mitangesehen zu haben. (...) Die Kirche bekennt sich schuldig aller zehn Gebote, sie bekennt darin den Abfall von Christus.« Das Schweigen, das Nichtstun oder gar die Partizipation der Kirche an den Grausamkeiten des Nationalsozialismus waren für Bonhoeffer nicht lediglich moralische Fragen, sondern vielmehr ein »Abfall von Christus.«
Es ging für ihn um nichts weniger als den grundsätzlichen Glauben an Gott und um das, was die Kirche in ihrem Sein und Handeln ausmacht: die hoffnungsvolle Orientierung an der Wahrheit Gottes, der Gerechtigkeit Gottes und der lebensfördernden Fürsorge Gottes.
In der Extremsituation des Nationalsozialismus wird für Bonhoeffer etwas deutlich, was wir fest in den biblischen Schriften verankert finden: Die lebendige Beziehung zu Gott ist nicht zu trennen von der aktiven Suche nach und Mitgestaltung von gerechtem gemeinschaftlichen Leben. Vielmehr begründet sie diese.
Gottes Gerechtigkeit befreit Leben
Besonders das 5. Buch Mose entwirft eine auf den Glauben an den einen Gott beruhende soziale und politische Gesetzgebung der Teilhabe. Deutlich wird dies an der Regel des Erlassjahres, in dessen Zusammenhang der Monatsspruch für den Februar zu finden ist. Das regelmäßige Erlassjahr stellt die Befreiung aus dem Kreislauf der Verschuldung dar (5. Mose 15,1-11). Nicht die Ökonomie und die Politik sollen nach dieser Vorstellung die unkontrollierbare Vorherrschaft genießen, sondern im Zentrum steht das von Gott geschenkte und durch seine Gerechtigkeit befreite Leben.
Armut ist auch in Deutschland eine immer größer werdende Realität. Aus dem biblischen Text erfahren wir: Im solidarischen Teilen mit in Armut und Not lebenden Menschen liegt der Segen Gottes, im Verzicht und in der Befreiung aus Verschuldung: »Du sollst ihm etwas geben, und wenn du ihm gibst, soll auch dein Herz nicht böse darüber sein; denn wegen dieser Tat wird dich der Herr, dein Gott, segnen in allem, was du arbeitest, und in allem, was deine Hände schaffen« (Vers 10). Auf diesen Segen Gottes, in dem Lebenskraft und Lebensfülle liegen, dürfen wir vertrauen. In diesem Segen wird neues, gemeinschaftliches und befreites Leben möglich - denn »eigentlich sollte es bei dir gar keine Armen geben« (Vers 4). In diesem Segen Gottes sind wir herausgefordert, eine Alternative zu leben und für eine gerechte Wirtschaft im Dienst für das Leben aller Menschen einzustehen.
Stephan von Twardowski
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