Von links John Wesley, Francis Asbury und Christoph Gottlob Müller (alle Bilder commons.wikimedia.de, CCAA 3.0)

Geschichte des Methodismus

Die Geschichte des Methodismus beginnt im 18. Jahrhundert in England. Einige junge Theologiestudenten suchten nach einem verbindlichen, im Lebensalltag sichtbar werdenden Glauben. Das führte zu einer Erweckungsbewegung, aus der die methodistische Kirchenfamilie hervorging.

Während ihres Studiums an der Universität Oxford gründen John und Charles Wesley zusammen mit anderen Studenten eine kleine Gruppe. Anfangs treffen sie sich unregelmäßig, um gemeinsam in der Bibel zu lesen und über den Glauben zu diskutieren. Dabei wird ihnen klar, dass ihr christlicher Glaube sichtbare Wirkung zeigen soll. Sie nennen das – wie schon andere vor ihnen – ein Leben in der »Heiligung«.
Aus dieser Überzeugung heraus beginnen sie, Armen zu helfen, Kranke und Gefangene zu besuchen und deren Kinder zu unterrichten. Dieses soziale Engagement wird zu einem wesentlichen Kennzeichen der methodistischen Bewegung.

Konsequente Lebensführung und soziales Engagement

Schon bald war John Wesley (1703-1791) der Leiter dieser kleinen Studentengruppe. Von den Mitstudenten werden sie als »Heiliger Club« und »Bibelmotten« verspottet. Weil sie sich Regeln (engl. »method« = Regel, Methode, bestimmte Weise) zur konsequenten Umsetzung ihres Glaubens gegeben hatten, werden sie in noch verletzenderer Weise als »Methodisten« beschimpft. So waren in England schon vor ihnen Christen bezeichnet worden, denen unterstellte wurde, sich bei Gott »etwas verdienen« zu wollen. Die konsequente Lebensführung oder das Engagement für andere sei dafür nur der Zweck. Die so Verspotteten drehten den Spieß um und nahmen diese angriffige Bezeichnung auf. Fortan trugen sie den Namen »Methodisten« sogar mit Stolz.
John Wesley und sein Bruder Charles (1707-1788) hielten den Kontakt zu ihren Studienkollegen über das Ende ihres Studiums hinaus aufrecht. Auch als Pfarrer der Kirche von England (Church of England, Anglikanische Kirche) hielten sie an ihrem Ziel eines Glaubens mit sichtbaren Konsequenzen fest. Dabei knüpften sie an die in England lebendigen Traditionen an, die den richtig gelebten Glauben in einer streng moralischen Lebensführung sahen. Zudem war John Wesley von den Schriften der mittelalterlichen Mystiker beeindruckt, denen christlicher Glaube vor allem liebende Hingabe an Gott war.

Fasziniert von Herrnhuter Pietisten

Entscheidend für die weitere Entwicklung des Glaubens von John Wesley und die Prägung der methodistischen Bewegung war die Begegnung mit deutschen Pietisten aus Herrnhut. Von deren Glaubensgewissheit war John fasziniert. Sie waren so gewiss, dass Gott sie liebt und annimmt. Ihre Vorstellung, als Christ in der Liebe vollkommen werden zu können, war geradezu herausfordernd. Die Herrnhuter nannten das »Heilsgewissheit« und »christliche Vollkommenheit«. Von den Erkenntnissen der Pietisten war John sehr beeindruckt. Gleichzeitig wurden dadurch bei ihm viele Fragen aufgeworfen. Er empfand sich Gott gegenüber oft als ungenügend. Würde sein unvollkommener, zweifelnder Glaube, sein schwaches Vertrauen je ausreichen? Wie kann er sich sicher sein, von Gott geliebt zu werden?

Bei einer Veranstaltung am 24. Mai 1738 machte John eine besondere Erfahrung. Martin Luthers Vorrede zum Römerbrief wurde dort verlesen und »plötzlich«, so berichtet er, wurde es ihm »seltsam warm ums Herz«. Ab diesem Moment war er sich sicher, dass Gott ihm alle Sünden vergeben hatte und ihn bedingungslos liebt.
Dieses Erlebnis war der einschneidende Wendepunkt in seinem Leben, von dem die weiteren Impulse der methodistischen Bewegung ihren Ausgang nahmen. Schon am nächsten Tag schreibt John in sein Tagebuch: »Wenn du glaubst, warum gibt es dann keine deutliche Veränderung?« Diese Frage war Ausdruck der drängenden Suche, wie der Glaube sichtbar werden kann und soll.

Predigt unter freiem Himmel

John und Charles Wesley, George Whitefield und andere Mitwirkende steuerten die erweckungsartig aufbrechende methodistische Bewegung in geradezu moderner Weise. Statt fertige Konzepte anzubieten, leiteten sie die Menschen flexibel an und entwickelten jeweils auf die Situation bezogene Arbeitsweisen. Ihr Leben lang blieben sie auf der Suche nach der bewegenden und überzeugenden Wahrheit des Glaubens und waren jederzeit bereit, ihren Glauben vorbildlich und verantwortlich zu praktizieren.
George Whitefield (1714-1770) war es, der anfing im Freien zu predigen. Mit der Zeit konnte er auch die anderen von dieser neuen Art der Predigt überzeugen, denn nur so erreichten sie die unzähligen Armen in den Arbeitersiedlungen der aufkommenden Industrialisierung.
Auch die Predigt durch Laienprediger, Männer und schon damals auch Frauen, half bei der Ausbreitung der methodistischen Erweckung. Einfache Leute, die Gottes Ruf spürten, durften ohne Theologiestudium oder Ordination predigen, was in den etablierten Kirchen undenkbar war. John Wesley schulte sie intensiv durch Schriften und viele Gespräche.
Die zahlenmäßig schnell wachsenden methodistischen Gemeinschaften wurden in Kleingruppen, sogenannte »Klassen«, eingeteilt. Diese Kleingruppen trafen sich regelmäßig um sich gegenseitig zu helfen, zu ermahnen und in schwierigen Situationen zu begleiten. Damit verbunden waren ein intensives soziales Engagement und Hilfen für die Arbeiter – heute würde man das als »Bildungsprogramme« bezeichnen.
Die Flexibilität der Laienpredigt und Kleingruppen gefährdeten jedoch auch die noch junge Bewegung durch auseinandertriftende Tendenzen. Dem wirkte John Wesley entgegen, indem er alle Pfarrer und Laienprediger der Bewegung zu »Konferenzen« zusammenrief. Dort wurde die methodistische Lehre diskutiert und alle wesentlichen Entscheidungen für die methodistische Bewegung wurden verbindlich geregelt.
Bis heute ist das System der »Konferenzen« (engl. conferencing: sich besprechen) eines der typischen Merkmale des Methodismus. Das biblische Vorbild für »gemeinsames Beraten und verbindliches Entscheiden« findet sich in Apostelgeschichte 15,6. Nach den ersten in der jungen christlichen Bewegung auftauchenden Konflikten waren die Apostel und die Ältesten damals zusammengekommen, »über diese Sache zu beraten«. In dieser lebendigen Einheit und gegenseitigen Verantwortung gestaltet sich die Vielfalt der methodistischen Gemeinden weltweit. Tragendes Element hierfür sind die »Konferenzen«. Sie finden auf allen Ebenen, lokal, regional, global, statt. Dort werden alle Fragen und anstehenden Entscheidungen besprochen und beschlossen.

Die erste methodistische Kirche in den USA wurde nach dem Unabhängigkeitskrieg an Weihnachten 1784 im an der Westküste der USA gelegenen Baltimore gegründet. Schnell wird sie zur drittgrößten christlichen Kirche der USA.

In den vierziger Jahren des 18. Jahrhunderts war es in den amerikanischen Kolonien zur sogenannten »Großen Erweckung« (Great Awakening) gekommen. Die meisten Siedler in den neuen Kolonien waren von Glaube und Kirche völlig entfremdet. Nun aber wollten viele ihr Leben ganz bewusst mit Gott gestalten. Vor allem der methodistische Prediger George Whitefield erreichte ihre Herzen. Außerdem brachten Einwanderer aus England und Irland ihre methodistischen Überzeugungen mit nach Amerika.

Die britische Konferenz der Methodisten schickte 1769 die ersten beiden Prediger nach Nordamerika. Schon vier Jahre später, 1773, wurde in Amerika die erste Jährliche Konferenz abgehalten. Damals gab es offiziell 1160 Methodisten in den Kolonien.
Reiseprediger ritten von Gemeinde zu Gemeinde, um dort zu predigen. Jedem dieser Prediger war ein Kirchenbezirk zugewiesen, den sie innerhalb von zwei bis sechs Wochen mit dem Pferd bereisen konnten. In den Wochen dazwischen predigten Laienprediger in den Gemeinden.

Unabhängigkeit von England

Unter den ersten Reisepredigern aus England war auch Francis Asbury (1745-1816). Als in Nordamerika der Unabhängigkeitskrieg ausbrach, war er der letzte noch aus England gesandte Reiseprediger, der in Amerika seinen Dienst tat. Ansonsten hatten in Amerika geborene Prediger den Dienst übernommen. Diese wollten von der Kirche von England, zu der die Methodisten offiziell noch immer gehörten, unabhängig werden, um selbst taufen und das Abendmahl feiern zu können. John Wesley und Francis Asbury waren zunächst noch gegen eine Trennung von der Kirche von England. Aber nachdem England 1787 die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten anerkannte, wurde Weihnachten 1784 in Baltimore die methodistische Kirche in den USA gegründet. Zuvor hatte John Wesley Francis Asbury und Thomas Coke (1747-1814) zu Superintendenten für die neue Kirche ordiniert. 1786 beschloss die Konferenz die beiden »Bischöfe« zu nennen. Damit wurde die Kirche zur »Bischöflichen Methodistenkirche« (Methodist Episcopal Church).

In Deutschland wurde die methodistische Kirche durch Rückwanderer aus England und den USA gegründet. Impulse von England aus gibt es ab 1831, aus den USA kommend ab 1848.

Bereits seit 1831 waren aus England kommend die »Wesleyanischen Methodisten« in Württemberg tätig; zuerst durch Christoph Gottlob Müller (1785-1858). Auswanderer, die in den USA Kontakt zu methodistischen Kirchen gefunden hatten, wurden ab 1848 als Rückkehrer in Deutschland missionarisch tätig. Sie wollten ihre Landsleute an ihren geistlichen Erfahrungen teilhaben lassen. Ludwig Sigismund Jacoby (1813-1874) arbeitete ab 1849 in Bremen für die amerikanische »Bischöfliche Methodistenkirche«. Ab 1850 war Johann Conrad Link für die »Evangelische Gemeinschaft« (»United Brethren Church«, ebenfalls eine methodistische Kirche) in Stuttgart tätig. Im Jahr 1897 vereinigten sich schließlich die Wesleyanischen Methodisten aus England und die Bischöflichen Methodisten aus den USA zur »Methodistenkirche«. Ein weiterer Zusammenschluss fand 1905 statt. In jenem Jahr schlossen sich der Methodistenkirche weitere Gemeinden an, die aufgrund der Arbeit von Christan Bischoff 1829-1885) entstanden waren. Aus seiner Arbeit war die »Kirche der Vereinigten Brüder in Christo« in Oberfranken, Thüringen und Westpreußen als deutscher Zweig der »United Brethren of Christ« hervorgegangen. Die Schwerpunkte methodistischer Arbeit in Deutschland lagen außer in Württemberg und Bremen auch in Sachsen, wo der aus Amerika zurückgekehrte Erhardt Wunderlich (1830-1895) für die Bischöfliche Methodistenkirche wirkte. Die Begegnung der unabhängigen Freikirchen mit den Staatskirchen brachte eine Fülle von Problemen mit sich. Trotz schwierigen Situationen und mancherlei Auseinandersetzungen und Anfeindungen, entstanden durch methodistische Evangelisation Gemeinden in fast allen deutschen Staaten. Zudem war ab 1919 die von der Weimarer Verfassung erstmals in Deutschland garantierte Religionsfreiheit für die Ausbreitung der Methodistenkirche und der Evangelischen Gemeinschaft förderlich.

Geschichte des deutschsprachigen Methodismus – eine Übersicht

Wirren der Geschichte

Die beiden Weltkriege und das sogenannte Dritte Reich brachten für die Methodistenkirche und die Evangelische Gemeinschaft schwere Belastungen und Einschnitte. Teilweise stockte die Arbeit. Kirchenmitglieder sowie Pastoren wurden Opfer der Kriege. In beiden Vorgängerkirchen der Evangelisch-methodistischen Kirche gab es keinen nennenswerten Widerstand gegen das Nazi-Regime. Parallel zur Vereinigung der beiden methodistischen Kirchenzweige in den USA zur United Methodist Church vereinigten sich 1968 auch in Deutschland beide Kirchen methodistischer Prägung zur Evangelisch-methodistischen Kirche. Die deutsche Teilung führte dazu, dass zwei eigenständige methodistische Kirchen in Deutschland als sogenannte Zentralkonferenzen mit jeweils einem eigenen Bischof in der Deutschen Demokratischen Republik und in der Bundesrepublik Deutschland entstanden. Auf offizieller Ebene versuchte die Evangelisch-methodistische Kirche den Zusammenhalt über verschiedene Gremien und auf Gemeindeebene durch zahlreiche Gemeindepartnerschaften zu bewahren. Das Ende der DDR im Jahr 1989 führte zur staatlichen Wiedervereinigung. Dadurch wurde auch der Weg zur Vereinigung der beiden deutschen Zentralkonferenzen zur Zentralkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland, die bei der Zentralkonferenz im Oktober 1992 vollzogen wurde.

Von Beginn an sind die »Konferenzen« für den Methodismus prägend. Dort werden auch schwierige Fragen diskutiert. Diese Offenheit und Gesprächskultur methodistischer Lehre und Praxis fördert zwar auch Spannungen zutage, dient aber auch der Versöhnung und Vereinigung.

In der jeweiligen Zeit aufkommende Fragen und deren Bedeutung für einen gelebten Glauben wurden in den »Konferenzen« intensiv diskutiert. Dazu gehörten beispielsweise der Sklavenhandel, mit dem in England viel Geld verdient wurde, die Rechte von Afroamerikanern oder die Umsetzung der Demokratie in der eigenen Kirche. Diese und andere Themen führten auch zu Konflikten und unüberbrückbaren Spannungen, die auch zu Spaltungen in der methodistischen Bewegung führten. Das konsequent auf Entscheidungsfindung im Gespräch aufbauende Konferenzsystem der Methodisten zielt aber auch bei unterschiedlichen Sichtweisen immer auf Lösungsfindung und Versöhnung. Daher ist das Finden einer Einigung, oder bei vorheriger Trennung oder Spaltung das Erreichen einer Wiedervereinigung in methodistischer Praxis immer im Blick. Im englischen Namen der seit 1968 weltweit vereinigten Kirche schlägt sich das sogar wörtlich nieder: »United Methodist Church«.

Eine bewegte kirchliche Geschichte – Meinungsverschiedenheiten, Trennungen, Vereinigungen

Über der Frage, ob außer den ordinierten Reisepredigern auch die Laien an den Entscheidungen der Kirche zu beteiligen sind, kam es 1830 zur Spaltung. Die »Methodist Protestant Church« führte als erste die heute für völlig selbstverständlich erachtete, gleichberechtigte Beteiligung der Laien bei den Konferenzen ein.

Die Bischöfliche Methodistenkirche der Südstaaten der USA spaltete sich 1844 als »Methodist Episcopal Church South« ab. Anlass hierfür war die in den Nordstaaten beschlossene Forderung an die Kirchenglieder, die Sklavenhaltung aufzugeben. Dazu waren die Sklavenbesitzer in den Südstaaten nicht bereit.

Rund hundert Jahre hatten diese Trennungen bestand, bis sich 1939 diese drei Kirchen zur »Methodist Church« vereinigten.

Daneben entstanden in den USA aufgrund der Rassenfrage einige afroamerikanische methodistische Kirchen: die »African Methodist Episcopal Church« (1816), die »African Methodist Episcopal Zion Church« (1821), die »Colored Methodist Episcopal Church« (1870; 1954 in »Christian Methodist Episcopal Church« umbenannt).

Auch Sprache war ein Anlass für unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten. So fanden deutschsprechende Amerikaner zunächst keine Heimat in der Bischöflichen Methodistenkirche. Deshalb entstanden in den USA zwei deutschsprachige Kirchen methodistischer Prägung: Zum einen die »Kirche der Vereinigten Brüder in Christo«, gegründet 1800 durch Philip William Otterbein (1726-1813) und Martin Böhm (1725-1812). Daneben eine andere deutschsprachige Arbeit von Jakob Albrecht (1759-1808), der 1809 die »Neuformierte Methodistenkonferenz« gegründete, die ab 1816 dann den Namen »Evangelische Gemeinschaft« trug. Beide deutschsprachigen Arbeitszweige vereinigten sich 1946 unter dem Namen »Evangelischen Gemeinschaft« (Evangelical United Brethren Church).

Am 23. April 1968 vereinigten sich die »Methodistenkirche« und die »Evangelische Gemeinschaft« zur »Evangelisch-methodistischen Kirche«. Der englische Name »United Methodist Church« (united = vereinigt) drückt die Dankbarkeit über die Versöhnung und Vereinigung nach all diesen Trennungen aus. Dies kommt auch in einem Gebet zum Ausdruck, mit dem die Vereinigung vollzogen wurde: »Herr der Kirche, in Dir sind wir vereint, in Deiner Kirche und nun in der Vereinigten Methodistischen Kirche«.