John Wesley 1703-1791
John Wesley 1703-1791

Typisch methodistisch

»Denken und denken lassen« ist Leitlinie für Methodisten, um über den Glauben, über das Leben, über Gott und die Welt zu reden. Auch Gespräche mit Menschen anderen Glaubens und über deren Glaubensüberzeugung sollen selbstverständlich und respektvoll geführt werden.

Für Methodisten ist – wie für alle Christen – die Bibel Grundlage ihres Glaubens und damit Ausgangspunkt des Nachdenkens und der offenen und weitherzigen Begegnung mit anderen Menschen. Die Botschaft der Bibel, die in einem Zeitraum von etwa tausend Jahren von vielen Menschen aus verschiedenen Völkern, Kulturen und Epochen geschrieben worden ist, muss für die jeweilige Zeit neu erschlossen werden. Im Prozess der theologischen Arbeit zum Verstehen der Bibel und der christlichen Überlieferung gibt es immer wieder unterschiedliche Auffassungen. Sie werden diskutiert und führen oft zum besseren Verstehen der biblischen Aussagen. Wir vertrauen darauf, dass Gott denen, die ihn bitten und sich ihm öffnen, seinen Geist schenkt, durch den sie Gottes Wort verstehen können. Darum ist Theologie keine Aufgabe nur für Fachleute, sondern für alle Christen.

Evangelium für die Menschen in ihrer jeweiligen Zeit

Die wichtigste Person der Bibel ist Jesus von Nazareth. Er hat von Gott nicht nur gesprochen. Sein Handeln und die Hingabe seines Lebens am Kreuz bezeugen die Liebe und Nähe Gottes zu allen Menschen. Hier schlägt das Herz des christlichen Glaubens. Das Evangelium, die gute Nachricht von Jesus Christus, ist seitdem in alle Länder der Welt getragen worden. Damit Menschen in anderen Ländern, Kulturen und Epochen die biblische Botschaft verstehen können, muss der Text übersetzt und für die Leser und Hörer ausgelegt werden. Den Menschen in ihrer jeweiligen Zeit diese alte Botschaft aufzuschließen, darin besteht ein wichtiger Teil der theologischen Arbeit.

Gott in unserer Welt, in unserem Leben

Die Evangelisch-methodistische Kirche entwickelt ihre Theologie und Lehre durch Gespräche weiter. Ein weltweites Netz von Konferenzen dient dem Austausch und der Entscheidung über das, was in der Kirche als offizielle Lehre gelten soll. Die Einsichten aus solchen Begegnungen werden von Theologen in ihre Arbeit mit aufgenommen, in Hochschulen und Gemeinden erörtert und in die Praxis umgesetzt. Das Besondere der Theologie besteht darin, alte Einsichten und Überlieferungen mit gegenwärtigen Erfahrungen und Erkenntnissen in Verbindung zu bringen. Dazu fragen wir: Wo ist Gott in unserer Welt, in unserem Leben? Wie können wir ihn erfahren und erkennen – gerade auch durch das Studium der Bibel in Verbindung mit unserem Leben? Was heißt es für uns, in Beziehung mit Gott zu leben? Was wir dann erkennen, können wir unserem Verständnis entsprechend formulieren und umzusetzen versuchen. Diese Aufgabe ist nie endgültig abgeschlossen.

Theologie beginnt, wo Leben gelebt wird

Neue Einsichten und Erfahrungen können dazu führen, das Evangelium mit anderen Worten und Bildern zur Sprache zu bringen. Damit kommt die theologische Arbeit ihrem Ziel näher: die Botschaft von der Liebe Gottes, von ihrer befreienden und heilenden Kraft verständlich und überzeugend weiterzugeben. Theologie beginnt, wo Leben gelebt wird: wo Menschen lachen oder klagen, in Beziehungen leben oder Einsamkeit ertragen müssen. Manchmal haben wir den Eindruck, dass Gott schweigt oder gar nicht da ist. Darum muss Theologie offen dafür sein, dass und wie Gott heute zu Menschen spricht. Ihre Aufgabe ist das Hören auf Gottes Stimme in der Bibel und in unserer Lebenswelt. Theologie will das Verstehen erleichtern, damit Menschen Gott erkennen, sich ihm anvertrauen und mit ihm leben.

Aus einer Pionierkirche auf Pferderücken war nach und nach eine Mittelstandskirche geworden. Das soziale Engagement war zeitweise stark in Vergessenheit geraten. Anfang des 20. Jahrhunderts schrieben sich die Methodisten das soziale Gewissen selbst ins Stammbuch.

Die von England ausgehende »industrielle Revolution« erreichte Mitte des 19. Jahrhunderts auch die USA. Die neu entstehenden Fabriken, Stahlhütten und Bergwerke hatten einen Riesenbedarf an Arbeitskräften – eine enorme Flucht vom Land in die Industriezentren setzte ein. Binnen kurzer Zeit fanden sich die Arbeitermassen in auswegloser Verelendung. Drei große Streiks 1877, 1886 und 1894, in denen es um Lohnerhöhungen und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen ging, wurden blutig niedergeschlagen. Obwohl die sozialen Initiativen John Wesleys als Vorbild hätten dienen können und müssen tat die schon damals große Methodistische Kirche in den USA angesichts dieses Elends zunächst einmal gar nichts.

Not erkennen und handeln

Aufbrüche in der Kirche gehen oft von »Querdenkern« aus, die eine Not erkennen und daraufhin handeln. Der methodistische Pastor Frank Mason North gründete 1907 mit vier Kollegen die »Methodist Federation for Social Service«. Zur Generalkonferenz 1908 reichten sie einen Antrag ein für ein »Soziales Bekenntnis der Bischöflichen Methodistenkirche«. Völlig überraschend nahmen die Delegierten der Generalkonferenz den Antrag an! Zum ersten Mal in der Kirchengeschichte hatte eine christliche Kirche ein »Soziales Bekenntnis« beschlossen.
Dieses Soziale Bekenntnis zeigte Wirkung auch in anderen protestantischen Kirchen, die es – in teils veränderter Form – übernahmen. Für die Arbeit des »Federal Council of the Churches of Christ in America« (Nationaler Kirchenrat der USA) diente es als wichtiger Impuls.

Soziales Bekenntnis und Soziale Grundsätze

Bei der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche im Jahr 1972 erfolgte eine grundlegende Neuformulierung und eine Umbenennung. Innerkirchlich war am Begriff »Bekenntnis« schon mehrfach Anstoß genommen worden, weil darunter im Allgemeinen die altkirchlichen Bekenntnissen und die der Reformation verbunden wurden. Im Sinne dieser Bekenntnistradition wurde das kurze »Soziales Bekenntnis« formuliert. Es ist eine bekennende Selbstverpflichtung in liturgischer Form, die in methodistischen Gottesdiensten und bei besonderen liturgischen Feiern eingesetzt wird. Das ursprüngliche Soziale Bekenntnis wurde weiterentwickelt zu ausführlicheren »Sozialen Grundsätzen«. In sechs Haupt- und rund 60 Unterkapiteln wird Stellung bezogen zu brennenden sozialen Fragen. Im vierjährigen Rhythmus der Generalkonferenztagungen werden die Sozialen Grundsätze überarbeitet. Zu neu aufkommenden Entwicklungen im gesellschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Bereich wird Stellung bezogen. So kamen über die Jahre hinweg Äußerungen zu militärischen Einsätzen als Mittel der Politik, zur Verantwortung überregional oder global agierender Konzerne, zur Informations- und Gentechnologie und anderer Themen hinzu.
Die Sozialen Grundsätze sind Leitlinien, die zu verantwortlichem sozialem Handeln auf der Basis biblischer Grundlagen ermuntern. Methodistische Grundüberzeugungen und gesellschaftliche Wirklichkeit werden miteinander ins Gespräch gebracht – ganz im Sinne Jesu Christi, der Menschen in seine Nachfolge rief und ihnen zutraute, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein.

»Das Soziale Bekenntnis« (liturgischer Bekenntnistext)

Wir glauben an Gott, den Schöpfer der Welt,
und an Jesus Christus, den Erlöser alles Erschaffenen,
und an den Heiligen Geist, durch den wir Gottes Gaben erkennen.
Wir bekennen, diese Gaben oft missbraucht zu haben,
und bereuen unsere Schuld.
Wir bezeugen, dass die natürliche Welt Gottes Schöpfungswerk ist.
Wir wollen sie schützen und verantwortungsvoll nutzen.
Wir nehmen dankbar die Möglichkeiten menschlicher Gemeinschaft an.
Wir setzen uns ein für das Recht jedes Einzelnen
auf sinnvolle Entfaltung in der Gesellschaft.
Wir stehen ein für das Recht und die Pflicht aller Menschen,
zum Wohl des Einzelnen und der Gesellschaft beizutragen.
Wir stehen ein für die Überwindung von Ungerechtigkeit und Not.
Wir verpflichten uns zur Mitarbeit am weltweiten Frieden
und treten ein für Recht und Gerechtigkeit unter den Nationen.
Wir sind bereit, mit den Benachteiligten unsere Lebensmöglichkeiten zu teilen.
Wir sehen darin eine Antwort auf Gottes Liebe.

Wir anerkennen Gottes Wort
als Maßstab in allen menschlichen Belangen
jetzt und in der Zukunft.
Wir glauben an den gegenwärtigen und endgültigen Sieg Gottes.
Wir nehmen seinen Auftrag an, das Evangelium in unserer Welt zu leben.
Amen.


Veröffentlichungen zum Thema

Das Soziale Bekenntnis der Evangelisch-methodistischen Kirche
Geschichte, aktuelle Bedeutung, Impulse für die Gemeinde.

Herausgegeben von Lothar Elsner, Ulrich Jahreiß u. a.
110 Seiten, Hardcover, 2008
Edition Ruprecht, ISBN 3-7675-7099-3
Zu bestellen im EmK-Shop oder im Buchhandel.

Soziale Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche
Fassung 2008/2010. EmK-Forum 36
60 Seiten, Broschur, 2010
Medienwerk der Evangelisch-methodistischen Kirche, ISBN 978-3-940463-15-9
Zu bestellen im EmK-Shop oder im Buchhandel. Oder hier herunterladen.

»Meine Pfarrei ist die Welt«, betonte der Gründer der methodistischen Bewegung John Wesley (1703-1791). In seiner Missionsarbeit wollte er sich nicht auf Pfarrei-Grenzen, eine Region und nicht einmal auf ein Land oder einen Staat beschränken lassen.

Bis heute ist dieser weltweite Blick auf der einen Seite und die enge Verbundenheit der Kirchengemeinden auf der anderen Seite eines der besonderen Merkmale der Evangelisch-methodistischen Kirche. Die Kirchenordnung, offiziell »Verfassung, Lehre und Ordnung der Evangelisch-methodistischen Kirche« gilt weltweit für alle Gemeinden gleichermaßen. Es gibt in Detailfragen zwar regionale Anpassungen, aber die Lehr- und Ordnungs-Grundlagen gelten für alle gleich. »Konnexio« nennt die Evangelisch-methodistische Kirche diese Verbundenheit – ganz im Sinne von John Wesley und seiner Aussage »Meine Pfarrei ist die Welt«.

Siehe auch: Konnexio - Kirche im Netzwerk

Wer dazugehört, gehört überall dazu

Kirchenglieder gehören in der Evangelisch-methodistischen Kirche immer zur weltweit organisierten Evangelisch-methodistischen Kirche. Die Aufnahme geschieht zwar in einer konkreten Ortsgemeinde, bedeutet aber immer eine Zugehörigkeit zur weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche. Wer umzieht, auch über Landesgrenzen hinweg, tritt nicht aus und dann wieder ein, sondern wird überwiesen, bei Bedarf eben auch weltweit.
Das Gleiche gilt auch für Pastorinnen und Pastoren. Auch wenn Deutschland in drei Konferenzgebiete unterteilt ist, kann ein Pastor von Ostfriesland in den Schwarzwald wechseln. Selbst ein pastoraler Umzug nach Nigeria oder auf die Philippinen ist zumindest kirchenrechtlich ohne Probleme. Alle Bischöfe und Bischöfinnen der Kirche treffen sich zweimal im Jahr zum Bischofsrat. Dort informieren sie sich gegenseitig und beraten über geistliche Aspekte und missionarische Aufgaben. Sie erarbeiten Richtlinien, geben Empfehlungen und bringen so missionarische Aktionen und geistliche Impulse in der ganzen Welt auf den Weg.

Weltweite Zusammenarbeit

Viele Aufgaben der Kirche wären von methodistischen Kirchen in den einzelnen Ländern nicht zu leisten. Hier ist die weltweite Zusammenarbeit eine große Hilfe. In Atlanta, im US-Bundesstaat Georgia, hat das weltweite Missionswerk (General Board of Global Ministries) seinen Sitz und koordiniert von dort aus die weltweite Arbeit. Ihr Hilfswerk UMCOR unterstützt bei gesundheitlichen und wirtschaftlichen Krisen weltweit im Auftrag der Evangelisch-methodistischen Kirche hilfebedürftige Menschen, Kirchen und Staaten in den jeweiligen Gebieten.

Geben und Nehmen

Weltweit verbindet die Evangelisch-methodistischen Kirchen ein Netz aus Partnerschaften. So hat die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland unter anderem Partnerschaften mit Mosambik, Liberia, Simbabwe und Brasilien. Partnerschaft bedeutet hierbei ein gegenseitiges Geben und Nehmen. So kann ein deutscher Arzt in Mosambik arbeiten und ein Pastor aus Brasilien in einer deutschen Gemeinde. Ein hervorragendes Beispiel für Partnerschaft ist auch das 2016 in Deutschland entstandene »Netzwerk TRAMPOLIN« für sozialdiakonische Kinder- und Jugendprojekte in Gemeinden der Evangelisch-methodistischen Kirche. Dieses Netzwerk war inspiriert von einem schon seit Jahren funktionierenden Projekt in der Methodistischen Kirche in Brasilien. Dort sind Basisprojekte für Kinder und Jugendliche in methodistischen Gemeinden unter dem Namen »Schatten und frisches Wasser« vernetzt. Die Methodistische Kirche in Brasilien ist verständlicherweise stolz darauf, dass »Mission« in dieser Weise einmal eine umgekehrte Richtung genommen hat.

Ausbildung vernetzt

Für Methodisten war es schon immer wichtig, Menschen eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Weltweit gibt es mehr als 2.000 Einrichtungen der Evangelisch-methodistischen Kirche, von Grundschulen bis hin zu Universitäten. In der internationalen Vereinigung von methodistischen Schulen, Colleges und Universitäten (IAMSCU) sind weltweit 775 Bildungseinrichtungen verbunden und kooperieren miteinander.
Durch diese weltweite Zusammenarbeit ist es möglich, Projekte ins Leben zu rufen, die nicht auf ein Land beschränkt sind. So wurde 1992 im südlichen Afrika die Afrika-Universität (Africa University) in Mutare in Simbabwe eröffnet. Heute studieren dort mehr als 1.300 Menschen aus 22 Ländern in sieben Fakultäten.

»Kommt alle, kommt zu Gottes Fest!« Das Abendmahl in der Evangelisch-methodistischen Kirche wird als offenes Abendmahl gefeiert. Eingeladen sind Glaubende und Suchende, Erwachsene wie Kinder.

Das Abendmahl ist die Mitte christlicher Gemeinschaft. Jesus teilte Brot und Wein mit Ausgegrenzten und Sündern, ohne von ihnen ein Bekenntnis ihres Glaubens zu verlangen. Er lädt sie alle ein, um an seinem Tisch zu zeigen: Gott geht in Vorlage, er kommt uns entgegen und gibt, was uns satt machen kann. So wie Jesus mit seinen Jüngern beim Abendmahl aß und trank, lädt er auch heute Menschen in die Gemeinschaft an seinen Tisch. Daher ist in der Evangelisch-methodistischen Kirche vom »Tisch des Herrn« bzw. vom »Abendmahlstisch« die Rede und nicht von einem »Altar«. Damit wird das Abendmahl als Zentrum der Gemeinschaft mit Christus betont.

»Zum Mahl des Herrn kann jeder gehn«

Für den Begründer der methodistischen Bewegung, John Wesley, hatte das Beispiel Jesu Konsequenzen: Zum Abendmahl waren von Anfang an nicht nur Christen zugelassen, also nicht nur Menschen, die fest im Glauben standen oder bewährte Glieder der Kirche waren. Jeder Mensch, der Sehnsucht nach Gott hat, war eingeladen. Alle sollen »schmecken und sehen, wie freundlich der Herr ist«. Das kommt auch in vielen methodistischen Liedern zum Abendmahl zum Ausdruck: »Kommt alle, kommt zu Gottes Fest, zu dem er euch jetzt laden lässt«, dichtete Charles Wesley, der Bruder von John und Liederdichter der methodistischen Bewegung. »Kein Mensch soll nun noch draußen stehn, zum Mahl des Herrn kann jeder gehn.« Bis heute wird daher in der Evangelisch-methodistischen Kirche das offene Abendmahl.

Der Wunsch, Gott zu begegnen, genügt

John Wesley erkannte, dass Jesus Christus zum Abendmahl einlädt, nicht etwa die Gemeinde. Christus lädt jeden an seinen Tisch: Kinder und Erwachsene, Frauen und Männer, getauft oder nicht. Zum Empfang des Abendmahl würdig zu sein, liegt weder im tiefen Glauben noch in moralischer Fehlerlosigkeit oder im rechten Verständnis des Abendmahls. Sie liegt darin, sich bedürftig zu wissen und den Wunsch zu haben, Gott zu begegnen. Das ist genug.

Es bleibt allein die Frage der Sehnsucht nach Gott: »Will ich Gemeinschaft mit Jesus Christus? Suche ich nach Stärkung meines Glaubens?« Wer diese Fragen mit »Ja« beantworten kann, ist am Tisch des Herrn willkommen.

Die Evangelisch-methodistische Kirche praktiziert die Kinder- und die Erwachsenentaufe. Taufe und die Aufnahme in die Gliedschaft der Kirche sind wie zwei Seiten einer Medaille.

Christlicher Glaube ist seinem Wesen nach auf Beziehung angelegt, in besonderer Weise auf die heilende Wiederherstellung von Beziehungen. Es geht dabei um die geheilte Beziehung zu Gott, zu anderen und zu mir selbst. In der Evangelisch-methodistischen Kirche wird darum bei der Taufe immer Gottes gnädiges Wirken betont, durch das Beziehungen heil werden können, ob nun kleine Kinder, Jugendliche oder Erwachsene getauft werden. In der Bibel ist die Taufe stets das Symbol für die wiederhergestellte Beziehung zu Gott und die Abkehr aus Beziehungen, durch die sich Menschen von Gott entfernt haben. Menschen erleben dies wie eine »geistliche Geburt«. Etwas Neues fängt an.

Taufe von Kindern und von Erwachsenen

Werden Säuglinge oder kleine Kinder getauft, dann werden sie als Kirchenangehörige in die Gemeinschaft von Kirche und Gemeinde aufgenommen. Aber für den Schritt in die volle Gliedschaft wird von ihnen später ein persönliches Ja zum Glauben an Jesus Christus und zur Kirche erwartet. Werden Menschen als Jugendliche oder Erwachsene getauft, dann ist mit der Taufe gleichzeitig die Aufnahme in die Gliedschaft der Kirche verbunden. Denn in der Taufe bekennen diese Menschen ihren Glauben, der sie mit der Gemeinschaft der Glaubenden verbindet. Der Schritt in die Gliedschaft ist verbunden mit der öffentlichen Beantwortung mehrerer Fragen. Wer ein Ja auf diese Fragen spricht, verpflichtet sich, als Glied der Kirche Jesu Christi auf das Handeln Gottes mit dem eigenen Leben zu antworten.

Wie zwei Seiten einer Medaille

Auch wenn heute die Taufe im Kindesalter und die Aufnahme in die Gliedschaft der Kirche bei vielen Menschen zeitlich etliche Jahre auseinander liegen, gehören sie doch zusammen. Sie sind wie die Prägungen auf beiden Seiten einer Medaille. In der Taufe als Kind und in der Aufnahme in die Gliedschaft der Kirche werden jeweils beide Seiten betont, jedoch mit unterschiedlicher Gewichtung. In der Taufe eines Kindes wird vor allem Gottes Handeln für uns und an uns deutlich. In der Aufnahme in die Gliedschaft wird vorwiegend unsere menschliche Antwort und unser Handeln Gott gegenüber betont. Erst wenn die Medaille auf beiden Seiten Prägungen aufweist, ist sie vollständig und gültig. Erst wenn der Mensch auf die in der Taufe angebotene Zuwendung Gottes mit der Hinwendung seines eigenen Lebens unter die Leitung Gottes antwortet, kommt die Taufe zum Ziel.

Fragen zur Aufnahme in die Gliedschaft der Kirche (PDF|39 KB)


»Ein Ja finden«

Unter diesem Titel werden in sieben Kapiteln die Fragen zur Aufnahme in die Kirchengliedschaft auf jeweils zwei Seiten behandelt. Ein ausführlicher Text gibt Informationen zum Thema des Kapitels (Vertrauen, Umkehr, Nachfolge, Bibel usw.). Weitere Elemente dienen der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema und zur ergänzenden Information oder Weiterführung. Im Anhang finden sich die Lebensläufe von John und Charles Wesley, eine Übersicht zur Ausbreitung des Methodismus in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die Beschreibung der Organisationsstruktur der EmK und eine Weltkarte mit Informationen über die Ausbreitung methodistischer Kirchen. Obwohl das Heft speziell für die Anleitung von Gruppen zur Vorbereitung der Aufnahme in die Kirchengliedschaft entwickelt wurde, ist es auch zum Selbststudium und zur persönlichen Information gut geeignet

Ein JA finden. Aufnahme in die Evangelisch-methodistische Kirche
32 Seiten, Broschur, 2013
Medienwerk der Evangelisch-methodistischen Kirche, ISBN 978-3-940463-25-8
Bestellung im EmK-Shop oder im Buchhandel
Auszugsweise Ansicht (PDF|9 MB)

An Schule und Ausbildung war Mitte des 18. Jahrhunderts in England für viele Kinder nicht zu denken. Sie mussten zum Lebensunterhalt ihrer Familien beitragen.

Viele Arbeiterkinder in England sind Mitte des 18. Jahrhunderts in den Bergwerken ihrer geringen Größe wegen in den niedrigen Stollen willkommene Arbeitskräfte. Dagegen werden sie wegen ihrer kleinen und geschickten Finger in den vielen Webereien der beginnenden Industrialisierung gebraucht. Viele der Kinder arbeiten und schlafen sechs Tage die Woche in den Fabriken – an Schule und Ausbildung war da nicht zu denken.

Die »kleine, wilde Gesellschaft«

An die Not der Kinder hatten sich die Menschen gewöhnt – nicht so Hannah Ball (1734-1792). Sie will die Kinder wenigstens an deren freiem Tag, dem Sonntag, von der Straße holen und sie im Lesen und Schreiben unterrichten: So entsteht ihre erste »Sonntagsschule«. Hannah Ball ist eine zupackende Frau. Sie hatte einige Predigten des aus Irland stammenden methodistischen Predigers Thomas Walsh gelesen. Danach erlebte sie John Wesley bei einer Predigt in ihrem Dorf. Von der Botschaft dieser beiden beeindruckt, suchte und fand sie im Alter von 32 Jahren ihren »Frieden mit Gott«. Wie schon andere, die »bei den Methodisten« eine lebendige Beziehung zu Christus fanden, will auch sie ihren Glauben ganz praktisch leben. In ihren armseligen Hütten sucht sie Kranke auf, die keine medizinische Versorgung kannten. Ebenso kümmert sie sich um inhaftierte Kriegsgefangene, die damals in den Gefängnissen oft nur dahinvegetierten. Fünf Jahre lebt sie auf diese Weise schon ihren Glauben, als ihr – die Geschichte schreibt das Jahr 1770 – die vielen Kinder auffallen, um die sich niemand kümmert. Als unverheiratete Frau fängt Hannah Ball an, diese »kleine, wilde Gesellschaft«, wie sie sie liebevoll bezeichnet, an jedem Sonntag und Montag in ihr Haus einzuladen.

Der Zeit voraus

Hannah Ball bringt diesen Kindern nicht nur Liebe entgegen, sondern unterrichtet sie auch im Lesen und Schreiben. Mittels des damals häufig einzig verfügbaren Buches, der Bibel, führt sie diesen Plan aus. So erhalten diese Kinder erstmalig Grundlagen einer Schulbildung und werden »nebenbei« gleich noch im Glauben unterwiesen. Das ist damals völlig neu. Im ganzen Land gibt es kein bekanntes Vorbild für diese »Sonntags- und Montagsschule«. Zehn Jahre später, im Jahr 1780, regt der Zeitungsverleger Robert Raikes (1735-1811) die Gründung von sogenannten »Sonntagsschulen« in großem Stil an. Er finanziert diese Arbeit und macht die Idee mit seinem »Gloucester Journal« im Land publik. Später wird er »Vater der Sonntagsschule« genannt werden. Die Geschichte der schon vor ihm tätigen »Mutter der Sonntagsschule«, Hannah Ball, wird erst durch die 39 überlieferten Briefe widerentdeckt, die sie seinerzeit an John Wesley schrieb.

Sonntagsschule und Kindergottesdienst

Prinzipiell wird bis heute in allen methodistischen Gemeinden und der verschiedenen methodistischen Kirchen weltweit die Sonntagsschularbeit gepflegt und weiterentwickelt. Mehr und mehr setzt sich in Deutschland statt des sehr nach »Schule« klingenden Sonntagsschul-Angebots für Kinder der Begriff »Kindergottesdienst« für das sonntägliche Angebot für Kinder parallel zum Gottesdienst für die Erwachsenen durch.

Kinderwerk der EmK

In der Evangelisch-methodistischen Kirche gibt es einen kirchlichen Unterricht für Jugendliche, vergleichbar dem biblischen Unterricht in anderen Freikirchen oder dem Konfirmandenunterricht der evangelischen Kirchen.

Der Kirchliche Unterricht dauert in der Regel zwei Jahre und ist auf Jugendliche im Alter zwischen 12 und 14 Jahren ausgerichtet. Als Abschluss des Unterrichts wird ein festlicher Gottesdienst gefeiert, in dem die Jugendlichen für ihren weiteren Lebensweg gesegnet werden. Deshalb wird der Gottesdienst oft als »Einsegnung« bezeichnet. Ein persönliches Glaubensbekenntnis wird von den Jugendlichen dabei nicht erwartet.

 

Die Antwort auf Gottes Handeln in Form eines persönlichen Glaubensbekenntnisses, wird in der Evangelisch-methodistischen Kirche erst bei der Aufnahme in die Gliedschaft der Kirche öffentlich vor der Gemeinde ausgesprochen. Mit der landeskirchlichen Konfirmation ist unter formalen Gesichtspunkten daher nicht der Gottesdienst zum Abschluss des Kirchlichen Unterrichts vergleichbar, sondern der Gottesdienst zur Aufnahme in die Gliedschaft der Kirche.

Weitere Informationen: www.emk-ku.de

»Ist dein Herz aufrichtig gegen mich wie mein Herz gegen dein Herz, dann gib mir deine Hand!« – Mit dieser Aussage John Wesleys ist Methodisten die ökumenische Offenheit in die Wiege gelegt.

Schon seit den frühesten Tagen der methodistischen Bewegung war das achtungsvolle Miteinander und die aufrichtige Begegnung mit Menschen anderer geistlicher oder kirchlicher Gesinnung selbstverständlich. Die Liebe zu Gott und der Respekt voreinander genügen, um ein solches Miteinander zu ermöglichen. Es gehört zum Erbe der Evangelisch-methodistischen Kirche, dass sie den Dialog mit allen Christen sucht, egal welcher Kirche oder Glaubensrichtung sie angehören. Methodisten zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich nicht durch Formen ihres Glaubens und ihrer Lehre von anderen abgrenzen, sondern Wege zueinander und miteinander suchen. Dabei müssen die Gesprächspartner nicht in allen Fragen biblischer Lehre und praktischer Frömmigkeit übereinstimmen. Wo die Liebe zu Gott und das »aufrichtige Herz« Orientierung geben, sind Grenzen überbrückbar. Deshalb reichen Methodisten immer die Hand zum ökumenischen Miteinander und waren und sind in vielen ökumenischen Prozessen engagiert.

Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft

Mit den evangelischen Landeskirchen in Deutschland ist die Evangelisch-methodistische Kirche seit 1987 durch eine Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft verbunden. Darüber hinaus ist es in einigen Gebieten Deutschlands möglich, zwischen den evangelischen Landeskirchen und der Evangelisch-methodistischen Kirche in Form eines Übertritts zu wechseln, was keinen Austritt mehr erfordert. Darin drückt sich gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung aus, die das Miteinander betont und nicht mehr Konkurrenz oder gar Abgrenzung Vorschub leistet.

Über den Weltrat Methodistischer Kirchen nimmt die Evangelisch-methodistische Kirche an allen ökumenischen Dialogen teil. Ebenso ist sie Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen. Im Jahr 2006 unterzeichnete der Weltrat Methodistischer Kirchen die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre mit der Römisch-katholischen Kirche und dem Lutherischen Weltbund.

Auf europäischer Ebene hat die Evangelisch-methodistische Kirche die Charta Oecumenica unterzeichnet und ist als Kirche evangelischer Prägung Mitglied in der »Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa« (GEKE, früher »Leuenberger Konkordie«).

Die Evangelisch-methodistische Kirche ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland sowie der Vereinigung Evangelischer Freikirchen und arbeitet in der Evangelischen Allianz mit.

Ökumenische Links

Methodistische Gemeindehäuser und Kirchen bieten Raum zum Glauben und Leben. In ihnen werden am Sonntag Gottesdienste gefeiert, es gibt Kirchenkaffee oder Gemeindemittagessen nach dem Gottesdienst und während der Woche treffen sich dort die verschiedenen Gruppen der Gemeinde.

»Zur Kirche einen Stock höher«, auf so ein Schild kann man in manchen Gemeinden der Evangelisch-methodistischen Kirche stoßen. Gottesdienste werden dort im ersten Stockwerk des Gemeindezentrums gefeiert. Im Erdgeschoss befinden sich Gruppenräume, Gemeindeküche oder ein Gemeinschaftssaal.

In den Anfängen der methodistischen Bewegung baute man zweckmäßig, oder es waren bestimmte Bauauflagen zu erfüllen. Die ersten Gemeinden durften meist keine »Kirchen« im herkömmlichen Sinn bauen, sondern nur Kapellen. An Kirchtürme mit Glockengeläut war schon gar nicht zu denken. Das blieb den beiden etablierten Kirchen vorbehalten. In manchen Städten bauten die Gemeinden in Hinterhöfe und in Häuserzeilen, weil es anders nicht erlaubt war. Andernorts waren solche Bauten nur außerhalb der bisherigen Stadtbebauung zulässig.

Kirchen als Räume zum Leben

Nach 1945 mussten viele im Krieg zerstörte Kirchen neu aufgebaut werden. Beim Wiederaufbau und bei Neubauten achteten die Methodisten auf das, was sie zum Gemeindeleben brauchten. Eine der freilich ungeschriebenen Bauregeln ließe sich so fassen: »Kirche mit Küche«. Das spiegelt wider wie Methodisten ihren Glauben verstehen: Im Gottesdienst kommen sie zusammen, um Gott zu loben und mit ihm zu feiern. Diese Gemeinschaft mit Gott führt zu einer tragfähigen Gemeinschaft untereinander, die sich bewusst auch für Außenstehende öffnet. Dazu braucht es geeignete Räume für unterschiedlichste Zwecke: um Musik zu machen, für soziales Engagement, für Kinder- und Jugendgruppen, Frauen- und Männerkreise, Gesprächskreise rund um die Bibel und andere Angebote. Eine Küche für die Bewirtung von Menschen zum Feiern von Festen und zur Linderung von Not ist dabei unverzichtbar. So bieten viele methodistische Kirchen und Gemeindehäuser heute Raum für Gottesdienst, aber ebenso für ein aktives und buntes Leben der vielen Gemeindegruppen und Generationen.

Jeder Besitz ist eine von Gott anvertraute Gabe. Zugleich verbindet sich damit die Aufgabe, diesen sinnvoll einzusetzen.

Jede Gemeinschaft, jeder Verein, auch jede Kirche muss sich Gedanken darüber machen, wie die mit der jeweiligen Zielsetzung verbundenen Aufgaben finanziert werden können. In Deutschland hat die Evangelisch-methodistische Kirche die Rechtsform einer Körperschaft öffentlichen Rechts. Das berechtigt sie auch, den Staat um den Einzug der Kirchensteuer von den eigenen Kirchengliedern zu bitten. Allerdings verzichtet die Evangelisch-methodistische Kirche ganz bewusst auf dieses ihr zustehende Recht. Bei der Aufnahme in die Kirche verpflichten sich die Kirchenglieder, ihre Gemeinde und die Kirche mit regelmäßigen Gaben zu fördern. Üblicherweise geschieht dies durch einen monatlichen Beitrag. Die Höhe dieses Beitrags kann nach eigenem Ermessen festgelegt werden. John Wesley (1703-1791) legte jedoch Wert darauf, dass die alttestamentliche Forderung des Zehnten (zehn Prozent der Einnahmen) auch für heutige Christen zur Orientierung dient.

Großzügigkeit ist das Maß

Sich selbst hat John Wesley darüber genau Rechenschaft abgelegt, was er für sich und was er für Gottes Werk ausgab. Aus seinen Aufzeichnungen geht hervor, dass er bei seiner ersten Jahreseinnahme von 30 Pfund für seinen persönlichen Bedarf 28 Pfund brauchte. Zwei Pfund verschenkte er. In einer Zeit ohne Inflation behielt er den Betrag bei, den er für seinen persönlichen Bedarf benötigte. Als sich seine Einnahmen auf 60 Pfund gesteigert hatten, verschenkte er 32 Pfund; als er 90 Pfund erhielt, verschenkte er 62 Pfund. Diesen Grundsatz befolgte er bis zum seinem Lebensende. Er verausgabte nie mehr als 28 Pfund für seine eigene Person. In späteren Jahren erzielte er jedes Jahr aus dem Verkauf seiner Bücher einen Erlös von über 1.000 Pfund, doch verschenkte er diese ganze Summe. Nur seine Reisekosten zog er ab. Er hat in seinem Leben mehr als 30.000 Pfund für Wohltätigkeitszwecke ausgegeben.

Verantwortung ist die Leitlinie

Ein wichtiges Kennzeichen erlösten Lebens war für John Wesley die Unabhängigkeit von materiellem und finanziellem Besitz. Gleichzeitig wusste er es zu schätzen, wenn Menschen mit ihrem Besitz verantwortlich und großzügig umgehen und damit das Werk Gottes unterstützen und die Not von Menschen lindern helfen. Deshalb konnte John Wesley sagen: »Du bekommst keine Belohnung im Himmel für das, was du zurücklegst, sondern für das, was du austeilst. Jedes Pfund, das du auf der irdischen Bank anlegst, ist verloren, es bringt oben keine Zinsen. Aber jedes Pfund, das du den Armen gibst, ist in der himmlischen Bank angelegt. Es wird großartige Zinsen bringen, die sich in der Ewigkeit vermehren.« In einer Predigt über den rechten Gebrauch des Geldes formulierte er die Leitlinie »Erwirb so viel du kannst, spar so viel du kannst, gib so viel du kannst«. Also: Ohne Berührungsängste die Chancen und Möglichkeiten von Besitz und Geld erkennen und wahrnehmen und verantwortungsbewusst und großzügig damit umgehen. Eine Leitlinie, die auch heute noch aktuell ist und eine geistliche Perspektive vermittelt.

Aus einer Idee des methodistischen Laienpredigers Georg Kropp entsteht die erste Bausparkasse des europäischen Kontinents – lange Zeit der Inbegriff des Bausparens überhaupt.

Der gelernte Drogist und engagierte Methodist Georg Kropp (1865-1943) entwickelte die Idee des Bausparens. Am 15. Januar 1921 erwarb ein sonderbarer auswärtiger Kauz mit den Ersparnissen seiner schwäbischen Frau kurz vor der großen Geldentwertung der 20er-Jahre, im baden-württembergischen Wüstenrot ein primitives Bauernhäuschen. So wollte sich die naturliebende Kleinfamilie endlich eine eigene Heimstätte schaffen. Niemand ahnte, dass dadurch in Wüstenrot ein neues Kapitel europäischer Sozial- und Wirtschaftsgeschichte aufgeschlagen würde, denn daraus entwickelte Georg Kropp seine Bausparidee.

Gemeinsam sparen, gemeinsam bauen

Kropps Grundidee war, Menschen mit geringem Einkommen zu Wohneigentum zu verhelfen. Dazu diente die einfache Überlegung, dass eine Familie, die ein Haus bauen möchte und dafür jedes Jahr 1.000 Mark spart, etwa zehn Jahre sparen muss, ehe sie mit dem Bau beginnen kann. Damals, in den 20er-Jahren kostete der Bau eines Einfamilienhauses etwa 10.000 Mark. Sparen aber zehn Familien als Gemeinschaft, kann der erste bereits nach einem Jahr bauen, der zweite nach zwei Jahren und so weiter. So kommen neun Familien eher zu einem Haus als ihnen das allein möglich gewesen wäre. Wenn zwischenzeitlich zu den zehn Familien noch weitere zu dieser Gemeinschaft stoßen, muss keiner allzu lange auf sein eigenes Haus warten. Damit war der Bauspargedanke als Kollektivsparsystem geboren. Im Laufe der Jahre breitete sich diese Idee weltweit rasant aus. Georg Kropp wird deshalb als Vater der Bausparbewegung bezeichnet.

Als Methodist sozial engagiert

Georg Kropp war methodistischer Laienprediger und seine christliche Grundeinstellung prägte ihn auch im Hinblick auf seine soziale Verantwortung. Als begnadeter Redner konnte er die Menschen seiner Zeit für seine Bausparidee begeistern. Unter seiner Führung begann 1920 die Arbeit des Vereins »Gemeinschaft der Freunde Wüstenrot e. V.« (GdF), aus dem 1926 die erste Bausparkasse in Deutschland hervorging.
Die seit 1930 in Ludwigsburg ansässige und heute zum W&W-Konzern (Wüstenrot und Württembergische) gehörende Bausparkasse, wie auch ihre europäischen Schwesterinstitute haben den Namen der Gemeinde Wüstenrot über Deutschland und Österreich hinaus in ganz Europa bekanntgemacht. Bis heute weiß sich die Bausparkasse Wüstenrot ihrem Gründer verbunden und hat im rund 50 Kilometer nördlich von Stuttgart gelegenen Wüstenrot ein Bauspar-Museum mit sieben Ausstellungsräumen eingerichtet.
Zwei weitere Methodisten prägten die Bausparidee wesentlich mit. Johannes Lubahn (1879-1969) brachte die beamteneigene Bausparkasse »Heimstättengesellschaft« der deutschen Beamtenschaft mbH, das heutige BHW, mit auf den Weg. Er und Georg Kropp trafen sich mehrfach und tauschten ihre teilweise auch unterschiedlichen Vorstellungen aus. Auch Erwin Boesler, Ehemann von Charlotte Kropp war der Bausparidee seines Schwiegervaters Georg Kropp verpflichtet. Er prägte nach dem Krieg wesentlich die Entwicklung der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Von 1946 bis 1972 war er dort im Vorstand und ab 1965 Vorstandsvorsitzender.