Konnexio - Kirche im Netzwerk
Konnexio - Kirche im Netzwerk

Die Evangelisch-methodistische Kirche – Kirche als weltweites Netzwerk

Eines der typischen Kennzeichen für die Evangelisch-methodistische Kirche ist ihr weltweites Verbundsystem. Das dafür gebräuchliche Fachwort ist »Konnexionalismus«. Der Begriff beruht auf dem englischen Wort »connexionalism«, das seine Wurzel im englischen Wort »to connect« (verbinden«) hat.

Die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland ist Teil der weltweit strukturierten »United Methodist Church«. Von der örtlichen Gemeinde bis zum obersten Leitungsgremium ist die Evangelisch-methodistische Kirche weltweit in einem Verbundsystem organisiert. Das dafür kennzeichnende Fachwort ist »Konnexionalismus«. Dieser Begriff beruht auf dem englischen Wort »connexionalism« (englisch von »to connect«: verbinden«). Weil dieses Verbundsystem so »typisch methodistisch« ist, hat es sogar in manchen Lexika Eingang gefunden und wir dort mit »das System des methodistischen Verbunds in Theorie und Praxis« erklärt. (Zum Beispiel im »The Oxford English Dictionary« von Simpson/Weiner.) Diese konnexionale Struktur ermöglicht ein Miteinander, das von der Bereitschaft zur Mitverantwortung, Mitarbeit und Beteiligung der Kirchenglieder lebt. Im politischen Sprachgebrauch ließe sich das einfach mit »demokratisch« wiedergeben, was die geistliche Dimension des gemeinsamen Ringens um Lösungen aber nur unzutreffend beschreibt.

Organisatorischer Aufbau der EmK


Die biblische Verwurzelung des Konnexionalismus

Biblisch betrachtet gründet diese Struktur der »Verbundenheit und gegenseitigen Verantwortlichkeit« im sogenannten »Apostelkonzil«, das in der Apostelgeschichte in Kapitel 15 beschrieben ist. Dort wird ungeschönt und ganz menschlich von den Auseinandersetzungen zwischen Christen aus heidnischer und jüdischer Herkunft in der noch jungen christlichen Missionsbewegung erzählt. Der zunächst unlösbar erscheinende Konflikt und Richtungsstreit wird an die »Apostel und Ältesten in Jerusalem« herangetragen (Apg 15,2), um von dort Weisung zu erhalten. Nach heftigen Auseinandersetzungen (Apg 15,7) ergeht aus Diskussion, Gesprächsbeiträgen und Beratung ein wegweisender Beschluss (Apg 15,19-21). – Diese Begebenheit beschreibt das zutiefst geistliche Ringen um Lösungen angesichts von Herausforderungen und Fragestellungen, mit denen die Kirche Jesu Christi in ihrer jeweiligen Zeit konfrontiert ist.


Das methodistische Konferenzsystem

Von Anfang an ist diese Art von Gespräch und Ringen um gemeinsam getragene Entscheidungen und gemeinsam verantwortete Wege Grundlage der methodistischen Bewegung. Die im Englischen »conference« genannten Begegnungen wurden daher zum Strukturmerkmal des Methodismus. Die Evangelisch-methodistische Kirche ist von der Gemeindeebene bis zum obersten weltweiten Leitungsgremium in »Konferenzen« organisiert. Dort werden Glaubensfragen und Verwaltungsdinge, Fragen zur Verfassung und Ordnung der Kirche und Schwerpunkte der regionalen und überregionalen kirchlichen Arbeit besprochen und entscheiden. Das Wort »Konferenz« steht dabei im eigentlichen Wortsinn für das Besprechen von Angelegenheiten, aber auch für das entsprechende regelmäßig tagende Leitungsgremium. Darüber hinaus kann »Konferenz« auch die räumliche Ausdehnung einer Konferenzregion beschreiben.


Generalkonferenz – Zentralkonferenz – Jährliche Konferenz – Bezirkskonferenz

Das weltweit oberste Leitungsgremium ist die alle vier Jahre tagende »Generalkonferenz«. Sie ist für die gesamtkirchlichen Angelegenheiten und alle Regelungen in der Verfassung und Ordnung der Kirche zuständig. Die »Zentralkonferenzen« umfassen meistens das Gebiet mehrerer Jährlicher Konferenzen. Sie haben das Recht, die im Ordnungsteil befindlichen Regeln der »Verfassung, Lehre und Ordnung der Evangelisch-methodistischen Kirche« in einem gewissen Rahmen an regionale oder lokale Anforderungen anzupassen. In den USA sind die Jährlichen Konferenzen in Jurisdiktionalkonferenzen zusammengefasst, die auf der gleichen Ebene wie die Zentralkonferenzen stehen. Die geographische Zusammenfassung von Regionen, Ländern oder Gebieten in Zentralkonferenzen und Jurisdiktionalkonferenzen ist historisch gewachsen.

Die »Jährlichen Konferenzen« umfassen regional oder territorial zusammenhängende Gebiete mit jeweils einer größeren Anzahl von Bezirken und Gemeinden. In Deutschland gibt es drei Jährliche Konferenzen: die Norddeutsche, die Ostdeutsche und die Süddeutsche Jährliche Konferenz. Diese Jährlichen Konferenzen sind die grundlegenden Leitungsgremien der Evangelisch-methodistischen Kirche. Dort finden die maßgeblichen Gespräche und Entscheidungen statt, die für die Kirche in einer zusammenhängenden Region inhaltlich und organisatorisch bedeutsam sind.

Die »unterste« strukturelle Einheit bilden die »Bezirkskonferenzen«. Sie sind das Leitungsgremium für eine oder mehrere Gemeinden und verantworten die kirchliche Arbeit und die Zusammenarbeit von Gruppen und Gemeinden innerhalb eines Bezirks. Alle vier Jahre wird die Zusammensetzung der Bezirkskonferenz gewählt. Zu ihr gehören die Pastoren und Pastorinnen des Bezirks, gewählte Vertreter der Gemeinden und Vertreter der verschiedenen Arbeitsbereiche des Bezirks: von der Arbeit mit Kindern bis zu den Senioren. Auch alle Laienprediger sind Mitglied der Bezirkskonferenz. Die Bezirkskonferenzen wählen entsprechend der Anzahl ihrer Hauptamtlichen die sogenannten »Laienmitglieder«, die den Bezirk bei den Tagungen der Jährlichen Konferenzen vertreten.

Alle Konferenzen außer den Bezirkskonferenzen sind paritätisch besetzt, bestehen als Leitungsgremien also immer in gleicher Anzahl aus Laiendelegierten und hauptamtlichen Geistlichen.


Weltweit verbundene methodistische Kirchen

Die Evangelisch-methodistische Kirche gehört zusammen mit rund 80 Kirchen zum Weltrat methodistischer Kirchen (World Methodist Council). Dieser Weltrat umfasst verschiedene Kirchen methodistischer Tradition sowie mit ihnen verbundener unierter und vereinigter Kirchen.