Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Einladung zum Teilen

Grußwort von Bischöfin Rosemarie zum Erntedankfest

Als Kind liebte ich das Erntedankfest. Es gab etwas zu sehen, weil der Abendmahlstisch mit reichlich Obst, Gemüse und Herbstblumen geschmückt war. Und der Duft nach Äpfeln, Kohl und Blumen erfüllte die Kapelle, in der die evangelisch-methodistische Gemeinde in meiner Heimatstadt Eppingen damals zusammenkam.

Heute beschränken sich die meisten Gemeinden darauf, mit wenigen Erntegaben an Gottes Geschenke zu erinnern. Es gibt gute Gründe für diese Art von Sparsamkeit, mindestens in den städtischen Regionen, wo niemand die Ernte aus der eigenen Landwirtschaft beisteuern kann. Ob es uns trotzdem gelingt, mit allen Sinnen wahrzunehmen, wie reich Gott uns beschenkt und wie kostbar Gottes Gaben sind?

Viele Zeitgenossen haben kein Problem damit, Lebensmittel wegzuwerfen. Wir mögen Säen und Ernten gar nur noch als Teil eines Geschäftes ansehen, das hoffentlich Gewinn einbringt. Doch während wir im Überfluss leben, kämpfen andere um ihr tägliches Brot. Menschen in Westafrika, die wegen der Ebola-Epidemie ihre Felder nicht bewirtschaften können, sowie viele Flüchtlinge, manche sind in unserer Nachbarschaft, sehnen sich danach, sich satt essen zu können. Wir Christen lassen uns an Erntedank daran erinnern: An einem reich gedeckten Tisch zu sitzen, ist ein Geschenk. Wir haben es nicht verdient, dass es uns so gut geht und die Hungernden haben ihr Elend nicht selbst verschuldet. Wir Menschen sind Teil der Schöpfung. Die Erde bringt genug hervor, damit alle in Fülle leben können. Ob ich einen geschmückten Gabentisch sehe oder mich auf andere Weise an den Kreislauf von Saat und Ernte erinnern lasse, Erntedank lädt mich zum Teilen ein.

Rosemarie Wenner