Hilfe fängt beim gemeinsamen Essen an – Tagungsgäste im Gespräch mit einem Asylsuchenden aus dem Senegal.

Hilfe fängt beim gemeinsamen Essen an – Tagungsgäste im Gespräch mit einem Asylsuchenden aus dem Senegal.

Methodismus International

Hilfe fängt beim gemeinsamem Essen an

Weltweit sind über 220 Millionen Menschen von Migration betroffen. Das bedeutet, dass jeder 35. Mensch ein Migrant ist.

Unter den größten Staaten der Welt würde ein aus allen Migranten gebildeter Staat die Position fünf einnehmen. Angesichts solcher Zahlen »müssen wir Menschen, die fremd in unserem Land sind, eine neue geistliche Heimat anbieten«, sagte Rosemarie Wenner (Frankfurt am Main), die Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Als Gastgeberin und Mitveranstalterin hatte sie eine Tagung der Internationalen EmK-Kommission für Mission nach Freudenstadt eingeladen. Thema der Tagung waren die Herausforderungen für die Kirchen durch die Migrationsströme in vielen Regionen der Welt. Im Wesentlichen ging es dabei um die Frage, wie die Hilfe für Migranten unter theologischen und geistlichen Gesichtspunkten noch konkreter ausgerichtet werden kann. 40 Teilnehmer, darunter vier Bischöfe, waren dazu aus Afrika, Asien, Nord- und Mittelamerika und aus ganz Europa angereist. Die meisten der Teilnehmer sind entweder selbst Migranten oder arbeiten in ihren Herkunftsländern unter Migranten. Dadurch war garantiert, dass Erfahrungen aus ganz unterschiedlichen Situationen direkt von der Basis her zusammenfließen.

Miteinander essen

In der umfangreichen Ergebnisliste der Tagung ragt ein Punkt über alle anderen hinaus: die Ideensammlung »Miteinander essen«. Die Teilnehmer berichteten übereinstimmend, dass die Begegnung beim gemeinsamen Essen oft der einfachste Einstieg zu Begleitung und Hilfe ist. Die Menschen hätten aber nicht nur Hunger nach Essbarem, sondern vor allem nach Gemeinschaft, Achtung und Anerkennung. Die Geschichten von Menschen, die in der Begegnung mit Jesus beim gemeinsamen Essen lebensverändernde Erfahrungen machten, bestätigte diese Erkenntnis. Aus den weltweiten Erfahrungen aus EmK-Migrantenprojekten soll jetzt eine Ideensammlung zusammengetragen werden, die als Anregung für andere Orte und Projekte dienen soll.

Die vergessene zweite und dritte Generation

Weiter solle besonderes Augenmerk auf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gelegt werden, die bereits in zweiter oder dritter Generation im jeweiligen Land seien. Obwohl diese zwar schon länger im Land lebten, würden deren Probleme oft gar nicht mehr wahrgenommen. Auch dafür sollen modellhafte Angebote zusammengetragen und für die Arbeit an anderen Orten nutzbar gemacht werden. Um die Arbeit mit Migranten in der EmK international stärker in den Fokus zu rücken, solle zudem der dritte Sonntag im Februar als »Tag der Migranten« im methodistischen Kirchenkalender besonders begangen werden. Dieser »Tag der Migranten« wird in der EmK in Mexiko bereits seit einigen Jahren mit positiven Auswirkungen begangen. Damit könne in den Gemeinden das Bewusstsein für »die Fremden unter uns« stärker bewusst gemacht werden. Desweiteren solle zur besseren Orientierung für Gemeinden eine Arbeitshilfe erstellt werden, die ausführlich über Möglichkeiten, Risiken, Rechte und den Ertrag für die Gemeindearbeit informiert. Länderspezifisch solle zusätzlich eine Art Lexikon erstellt werden, das die Gesetzeslage und die Abläufe von Anerkennungsverfahren aufführt, sowie die Möglichkeiten aufzeigt, wie kompetente ehrenamtliche Begleitung möglich ist.

Flüchtlinge und Migranten sind »ein geistlicher Segen«

»Wie man auch mit kleinen Kräften viel bewegen kann, hat uns diese Tagung gezeigt«, zieht Thomas Kemper, Generalsekretär der in New York ansässigen internationalen EmK-Kommission für Mission, ein Fazit dieser Tagung. Für die EmK in Deutschland könne das eine Ermutigung sein, »nach draußen zu gehen« und Migranten eine neue Heimat zu bieten. »Das ist eine direkte Aufgabe für unsere Gemeinden«, so Kemper, der aus Deutschland stammt und selbst lange Jahre als Missionar im Ausland lebte. Nach Aussage von Bischöfin Wenner sind »Flüchtlinge und Migranten, wenn wir die biblische Botschaft richtig verstehen, für die Emk ein geistlicher Segen.« Angesichts der großen Herausforderungen durch Migration ermutigte sie die Kirchengemeinden, dass sie »hinausgehen und sich für Gerechtigkeit einsetzen und den Menschen mit Gnade und Barmherzigkeit begegnen.«

Freudenstädter »Freundeskreis ASYL e.V.« zu Gast

Zu einer Auseinandersetzung mit den aktuellen Chancen und Problemen der Begleitung von Asylsuchenden in Deutschland war am Sonntagnachmittag der Freudenstädter »Freundeskreis ASYL e.V.« unter der Leitung von Pastor Werner Hoffmann zur Tagung eingeladen. Beim gemeinsamen Kaffeetrinken mit den internationalen Tagungsteilnehmern zeigten sich die Asylsuchenden sehr dankbar für die Aufnahme in Deutschland. Schwierigkeiten bereiteten ihnen die trotz erlernter deutscher Sprache langwierigen Formalitäten, die ohne Vereinsunterstützung schwer verständlich seien. In vorsichtigen Zwischentönen war hörbar, wie die teilweise sehr beengten Wohnverhältnisse eine große Belastung für traumatisierte Menschen seien. Für seine Aktivitäten ist der Verein ausschließlich auf Beiträge und Spenden angewiesen, die teilweise durch Benefizkonzerte eingeworben werden. Da sei der »Helferherzen«-Preis der Drogeriemarktkette dm für Hoffmanns Ehefrau Waltraud eine willkommene Hilfe in der Vereinskasse gewesen. Waltraud Hoffmann hatte ihren Anfang September mit 1000 Euro dotierten Preis für ihr Engagement in der Flüchtlingshilfe komplett der Vereinskasse gestiftet. »Wir haben in unserem Alter noch einmal eine ganz neue Berufung erfahren«, sagten die beiden 76jährigen angesichts der oft unter schwierigen Bedingungen stattfindenden Arbeit. »Unsere Gruppe wird nicht müde, um den oft traumatisierten Menschen hier in Freudenstadt eine neue Heimat und ein neues Leben unter würdigen Umständen ermöglichen zu können.«

Highlights: Hotel Teuchelwald und Freudenstädter Weihnachtsmarkt

Die Tagung fand in Freudenstadt im zum Martha-Maria Gesundheitspark Hohenfreudenstadt gehörenden Hotel Teuchelwald statt. Walther Seiler, Direktor im Hotel Teuchelwald, zeigte sich erfreut, dass Gäste aus der ganzen Welt für die Tagung nach Freudenstadt kamen. »Es war uns eine Ehre, diese internationale Konferenz in unser schönes Freudenstadt holen zu können.« Die Teilnehmer zeigten sich beeindruckt von der Gastfreundschaft der Menschen und vom guten Service im Hotel. Besonderes Highlight für die Teilnehmer aus Übersee sei der Besuch des Freudenstädter Weihnachtsmarkts gewesen.

Klaus Ulrich Ruof

Foto: Klaus Ulrich Ruof, Öffentlichkeitsarbeit der EmK