Wort auf den Weg

Hoffen auf die Wiederkunft Christi

Wort auf den Weg von Diederich Lüken zu einem Vers aus Hebräer 13: »Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.«

Die Adventszeit lässt uns in zwei Richtungen schauen. Zum einen weist sie hin auf Weihnachten. Die Bräuche, die damit verbunden sind, enthalten hauptsächlich das Symbol des Lichtes: den Adventskranz mit seinen vier Kerzen, die nach und nach entzündet werden. Aus dem Erzgebirge kennen wir den beleuchteten Schwibbogen, der die Sehnsucht nach dem Licht darstellt. Die Bergleute fuhren in der morgendlichen Dunkelheit in den dunklen Schacht; und wenn sie abends nach Hause kamen, war es wieder dunkel. Jedes Licht stellte ursprünglich eine aus dem Berg zurückgebrachte Grubenlaterne dar. Ein ganz erleuchteter Lichtbogen am Haus bedeutete, dass alle Arbeiter dieses Hauses wohlbehalten aus der Grube zurückgekommen waren.

Der weihnachtliche Christbaum mit seinen vielen Lichtern ist der Höhepunkt des Lichterbrauches und gleichzeitig sein Ende – wenn die Weihnachtszeit vorüber ist, werden alle Lichtsymbole wieder verpackt und warten auf den nächsten Winter. Der Sinn der Adventszeit ist die innere Vorbereitung auf das Fest, das die Ankunft Jesu in Bethlehem feiert. So gesehen erinnern wir uns im Advent an die Menschwerdung Gottes im Kind in der Krippe.

Hoffen auf die Wiederkunft Christi

Dazu kommt ein Zweites: Im Advent erwarten wir die Wiederkunft Jesu Christi. Der Gedanke wird wachgehalten, dass derselbe Herr, der damals unter den Menschen geboren wurde, in Zukunft wiederkommen wird. Die Vorstellung, dass Jesus wiederkommt, ist für viele Menschen heute eher befremdlich. Denn sie ist verbunden mit dem Gedanken des Gerichtes Gottes am Ende der Zeit. »Jüngstes Gericht«, dieser Begriff ist zwar vielen Menschen geläufig, die dem christlichen Glauben fremd gegenüber stehen. Das Gericht aber löst Herzklopfen aus: Wie werde ich dastehen, wenn vor Christus als Richter das Ganze meines Lebens zur Sprache kommt? Und dann fällt mir so manches ein, was ich gern vergessen wollte, das aber nicht zu vergessen ist. Wie soll ich dem Urteil Gottes standhalten? Viele Menschen beruhigen ihr schlechtes Gewissen damit, dass sie das Gericht Gottes leugnen.

Doch ist das nicht die Lösung. Man entgeht dem Gericht nicht dadurch, dass man es für nicht existent erklärt. Von entscheidender Bedeutung ist vielmehr, dass der kommende Herr derselbe ist, dessen Ankunft in Bethlehem wir feiern. Wir erwarten keinen Herrn, der teilnahmslos und objektiv die Welt richtet, sozusagen von oben herab. Wir erwarten Jesus. Wir erwarten den, der uns in unserer menschlichen Schwäche kennt und uns liebt. Der, auf den wir warten, hat aus dieser Liebe heraus das Gericht, vor dem wir zu stehen haben, auf sich gezogen und wurde an unserer Stelle verurteilt. Das Gericht trifft uns nicht mehr. Jesus hat es für uns erlitten.

So stärkt die Adventszeit zweifach unseren Glauben: Was in Bethlehem begonnen wurde, wird am jüngsten Tag vollendet. Die Zukunft löst ein, was in der Vergangenheit verheißen wurde. Am Ende stehen wir vor dem Kind in der Krippe. Und dieses Ende ist wiederum ein Anfang.

Diederich Lüken

Beitrag entnommen aus »unterwegs« 24/2014
Foto: wimimedia.org / Pim Zeekoers / CC BY-SA 3.0