EmK Erfurt

Kleine Gemeinde – weiter Horizont

Bereits zum vierten Mal gab es in der Erfurter Ägidienkirche ein Fest zur Interkulturellen Woche. Über 100 Menschen aus mehr als zehn Ländern feierten gemeinsam.

Bereits zum vierten Mal fanden über 100 Menschen aus mehr als zehn Ländern am 25. September zueinander, um – unterstützt von der Gemeinde und in Verantwortung der Ausländerberatung des evangelischen Kirchenkreises – miteinander zu feiern. »Vielfalt erleben« sollte nicht nur ein schönes Motto bleiben. Integrationskurs-Teilnehmer stellten Collagen ihrer Herkunftsländer vor. Für Spaß und Spannung sorgte ein Theaterworkshop, in dem Heranwachsende mit und ohne Migrationshintergrund einen Krimi darboten. Schülerinnen und Schüler des katholischen Edith-Stein-Gymnasiums gestalteten den musikalischen Rahmen.

Meditatives Essen

Während eines »meditativen Essens« mit Gebäck aus den verschiedenen Ländern erinnerten wir an Landsleute und Angehörige unserer ausländischen Mitmenschen. Sie erleiden daheim schreckliche Not, Krieg, Verfolgung, Dürre- und Überflutungskatastrophen. Die Ebola-Seuche in Westafrika zerstört ihr Leben und reißt Familien auseinander. Wir gedachten der Verzweifelten in Flüchtlingslagern und Abschiebegefängnissen, auch hier in Deutschland. Die Flüchtlingsströme durch die Gräueltaten der Terrormiliz IS lassen uns fassungslos vor dem Bildschirm sitzen. So bekamen unzählige Schicksale Gesicht und Stimme. Nur solidarisch können wir in einer Welt leben und überleben.

Die Vielfalt der Gesellschaft und der Religionen hat in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur Faszination, sondern auch Ängste und Furcht ausgelöst. Aber die Grundlagen einer Gesellschaft dürfen nicht zur Disposition gestellt werden. Die Kirchen betonten gemeinsam: »Die Verpflichtung der Menschenrechte ist eine der entscheidenden Grundlagen unserer Gesellschaft ... Neben den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes muss in unserem reichen Land immer auch Platz für diejenigen sein, die unserer Fürsorge und Zuwendung bedürfen.«

Vor allem ihrem christlichen Glauben verpflichtet haben die Schwestern und Brüder der Ägidien-Kirchgemeinde keinerlei Berührungsängste – nicht erst, seit sie einen Pastor aus USA haben. Jedes Jahr besuchen Tausende Touristen aus aller Welt die historische Ägidienkirche auf der Krämerbrücke, einige von ihnen feiern auch die sonntäglichen Gottesdienste mit. »Eine große Herausforderung der Gemeinde war das Kirchenasyl einer kurdischen Familie mit drei kleinen Kindern von 1997 bis 2001«, erinnert sich Eva Fritzsch, Laiendelegierte an die Ost-JK. Ohne ökumenische Hilfe wäre das kaum möglich gewesen. Bereits Anfang der 90iger Jahre fanden in der Ägidienkirche bosnische Serben muslimischen Glaubens aus dem Bürgerkrieg des zerfallenden Jugoslawiens einen Schutzraum. Das hat Ängste abgebaut und bis heute die Herzen offen gehalten.

Viele aber in unserem Land haben nicht die Möglichkeit der Begegnung mit ausländischen Mitmenschen und Flüchtlingen, manchen machen sogar negative Erfahrungen. Ihnen fällt es schwer, Vorurteile in Akzeptanz und Wertschätzung zu verwandeln. Fern aller Stammtischparolen jedoch können sich alle informieren. Ein Satz der Interkulturellen Woche 2013 kann zum Übungsfeld werden: »Rassismus entsteht im Kopf. Offenheit auch.« Oder biblisch ausgedrückt: »… ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen.« (Matthäus 25,35).

Johanna und Sebastian Ringeis, Ägidien-Kirchgemeinde Erfurt