»Soest-Geburt-Christi«. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons

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Weihnachten

Mittendrin: Die Nebenfiguren der Weihnachtsgeschichte

Zwei Paare rahmen die Geschichte der Geburt Jesu im Lukasevangelium ein. In beiden ergänzen sich Männer und Frauen. Alle sind getragen von der Hoffnung, dass Gott eingreift in ihre Geschichte und die ihres Volkes. Lukas beschreibt sie als Vorbilder des Glaubens: Sie erwarten etwas von Gott und sind doch überrascht, als er in ihr Leben tritt.

Sie haben gewartet und gehofft. Jahre vergingen. Nichts ist geschehen. Sie haben nie aufgehört zu beten, aber irgendwann haben sie dieses Kapitel ihres Lebens abschließen müssen. Kinder werden sie keine mehr haben. Ihren Glauben aber hat dies nicht erschüttert. An ihm hielten sie fest. Zacharias und Elisabeth waren »beide fromm vor Gott und lebten in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig« (Lukas 1,6). Beide stammen aus einem priesterlichen Geschlecht.

Die Not ist groß

Lukas beginnt die Vorgeschichte von der Geburt Jesu am Tempel in Jerusalem. Dieser Ort ist das sichtbare Zeichen der Gegenwart Gottes unter seinem Volk. Hier beginnt das Wunder, dass Gott erneut eingreift und seine Verheißungen wahr werden lässt. Die Not des Volkes beschreibt der Evangelist in der Kinderlosigkeit von Zacharias und Elisabeth. Damit greift er ein Motiv auf, das sich durch das Alte Testament hindurch zieht. Sofort steht den Lesern die Geschichte von Abraham und Sara vor Augen (1.Mose 16–18), die Verzweiflung der Hanna, die im Heiligtum um Kinder fleht (1.Samuel 1).

Oder wie Rahel ihren Mann Jakob bedrängt: »Verschaff mir Kinder, sonst sterbe ich« (1.Mose 30,1). Sie spricht aus, was Kinderlosigkeit damals bedeutete: Kinderlose Frauen waren im Alter allein, sie wurden nicht versorgt und waren rechtlos. Eine Familie hatte ohne Kinder keine Zukunft.

Ein Volk gibt die Hoffnung nicht auf

Kinderlosigkeit war nicht nur ein persönliches Drama – sie wird im Alten Testament zum Bild für die Not des ganzen Volkes. Israel erlebt das Exil wie eine kinderlose Frau: »Ich war unfruchtbar, einsam, vertrieben und verstoßen« (Jesaja 49,21). Aber dann greift Gott letztlich doch ein: »Dann werden sie deine Söhne in den Armen herbringen und deine Töchter auf der Schulter hertragen« (Vers 22). Der Prophet macht den Menschen Mut. Es lohnt sich, trotz aller schweren Erfahrungen auf die Zusagen Gottes zu vertrauen: »Dann wirst du erfahren, dass ich der Herr bin, an dem nicht zuschanden werden, die auf mich harren« (Vers 23).

Lukas greift in seiner Vorgeschichte zur Geburt Jesu diese Hoffnung wieder auf: Wie Gott im Alten Testament sich auf die Seite der kinderlosen Frauen stellt und sich ihrer erbarmt, so ist er auch jetzt bei seinem unterdrückten Volk und wird es retten. Das Kind in der Krippe bringt die Wende.

Glauben wie Abraham und Sara

Die Reaktion auf die Ankündigung des Heils fällt in der Weihnachtsgeschichte unterschiedlich aus. Maria antwortet dem Verkündigungsengel gerade heraus mit einem Bekenntnis: »Siehe, ich bin des Herrn Magd, mir geschehe, wie du gesagt hast« (Lukas 1,38). Zacharias wird im Tempelgottesdienst vom Engel Gabriel überrascht, als er das Räucheropfer darbringt. Er werde einen Sohn bekommen, den er Johannes nennen soll.

Zacharias aber kann den Worten des Engels so schnell keinen Glauben schenken. Schon Abraham musste darüber lachen, dass er, alt geworden doch noch Vater werden soll: »Soll mir mit hundert Jahren ein Kind geboren werden ... ?« (1.Mose 17,17) Genauso fragt Zacharias zurück: »Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin alt, und meine Frau ist betagt« (Lukas 1,18). Der Engel lässt Zacharias daraufhin verstummen.

Viele Ausleger bringt dies dazu, die Geschichte so zu deuten, dass Lukas den Glauben der Frauen Maria und Elisabeth hervorheben wolle. Erst nach der Geburt seines Sohnes findet Zacharias seine Stimme wieder. Er setzt gegen die Familientradition den Namen durch, der ihm vom Engel Gabriel genannt wurde: Johannes. Dieser Name an sich ist ein Glaubenssatz: »Gott ist gnädig«. Zacharias wird vom Heiligen Geist erfüllt und stimmt ein Loblied an: »Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk« (Lukas 1,68).

Auch die Geschichte von Simeon und Hanna nach der Geburtsgeschichte Jesu hat ihren Ort im Tempel (Lukas 2,22–40). Dort begegnen sie den Eltern Jesu, die für ihren erstgeborenen Sohn ein Opfer bringen wollen, wie die Gebote des Alten Testamentes dies verlangen. Lukas beschreibt Maria und Josef als Menschen, die grundsätzlich dem Gesetz folgen. Alle männliche Erstgeburt, sei es Mensch oder Tier, galt als Besitz Gottes (2.Mose 13,2.11–16). In der Regel nahm ein Priester das zu Gott gehörende Kind in seine Arme und weihte es Gott, sofern die Eltern dem zustimmten.

Mehr als der Augenschein

Zeitgleich führt der Heilige Geist Simeon in den Tempel. Lukas beschreibt ihn als »fromm und gottesfürchtig «. Der Heilige Geist hatte ihm offenbart, dass er noch vor seinem Tod den Messias sehen würde. Nun nimmt Simeon das Kind wie ein Priester auf seine Arme. Er spricht weder das Kind noch seine Eltern an. Er wendet sich zuerst an Gott. Mitten unter den vielen anderen Menschen im Tempel kann Simeon das unscheinbare Kind deuten als Zeichen Gottes: »Herr nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen « (Lukas 2,29+30).

Er sieht in dem Kind mehr als dessen Eltern bis dahin sehen und verstehen können. Neben Simeon tritt Hanna. Die Witwe wird beschrieben als eine Frau, deren ganzer Lebensinhalt der Glaube an Gott war. Sie wartete fastend und betend auf das Eingreifen Gottes. Wie Simeon erkennt sie das Besondere dieses Kindes und lobt Gott dafür. Beide, Simeon und Hanna, werden gemeinsam zu Vorbildern im Glauben. Sie sind fromm, gehen in den Tempel und sehen durch das Wirken des Heiligen Geistes mehr als den Augenschein.

Gesetz und Heiliger Geist wirken zusammen

Der Evangelist Lukas rahmt die Erzählung von der Geburt Jesu durch zwei ungewöhnliche Paare. Der Priester Zacharias und seine Frau Elisabeth erleben vor der Geburt Jesu das Eingreifen Gottes. Wie Simeon und die Witwe Hanna sind sie Menschen, die ganz in der Tradition des jüdischen Glaubens leben, das Eingreifen Gottes erwarten und vom Heiligen Geist berührt werden. »Gesetzestreue im Alltag und außergewöhnliche Geisteinwirkung: Durch beides wirkt Gott sein Heil«, hält der katholische Theologe Egbert Ballhorn fest. »Hier wirkt beides zusammen, um Jesus als den Auserwählten Gottes für sein Volk Israel und die Heiden zu offenbaren.«

Michael Putzke

Foto: »Soest-Geburt-Christi«. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons

Beitrag entnommen aus »unterwegs« 25/2014