Naturwissenschaft und Glaube

Thementag Willensfreiheit

Ein Blick auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse, philosophische und theologische Überlegungen zur Hirnforschung

Die Konsequenzen der Erforschung des menschlichen Gehirns beschäftigen offenbar viele Zeitgenossen aller Altersgruppen. Denn am Samstag, dem 18. Januar drängten sich weit über 120 Zuhörer in den Saal der EmK in Würzburg.

Der Arbeitskreis »Naturwissenschaft und Glaube« der EmK hatte dazu eingeladen, sich dem Thema Willensfreiheit aus dem Blickwinkel der Hirnforschung, der Philosophie und der Theologie zu stellen. Organisatorisch unterstützt wurde die Veranstaltung durch die EmK-Gemeinde vor Ort. Fast zwanzig Gemeindeglieder waren an der Organisation beteiligt, von der Verpflegung über die Präsentationstechnik bis hin zur Raumausstattung; als Ansprechpartner, als Fahrer für Teilnehmer und Referenten.

Die Vortragsreihe steht in der Tradition mehrerer Angebote des Arbeitskreises. Sie sind einerseits darauf angelegt, Andersdenkenden eine Gesprächsplattform zu bieten und Herausforderungen und Chancen christlichen Glaubens zu erläutern. Andererseits soll Christen die Möglichkeit geboten werden, in Auseinandersetzung mit Erkenntnissen heutiger Forschung ihren eigenen Glauben reifen zu lassen.

Sachkundig und humorvoll gewährte der in Zürich praktizierende Psychotherapeut und Hirnforscher Frank Rodden einen kleinen Überblick über die Geschichte der Hirnforschung. Er verwies auf die enge Abhängigkeit all unseres Denkens, Empfindens und Wesens von physikalisch-chemischen Aktivitäten des Gehirns. In der Diskussion erinnerte der an der Theologischen Hochschule Reutlingen lehrende Philosoph Christoph Voigt daran, dass »Ich« und »Gehirn« Begriffe sind, die unterschiedlichen Ebenen entstammen, die auseinander gehalten werden sollten.

Der Biochemiker Andreas Beyer (Westfälische Hochschule) erläuterte Tücken und Unstimmigkeiten verschiedener Vorstellungen von Willensfreiheit. Die Vorstellung einer »absolute Freiheit« sei weder sinnvoll noch wünschenswert. Trotz aller Begrenzungen gebe es für Menschen noch eine »bedingte Freiheit«.

Der systematische Theologe Wilfried Härle (Heidelberg) ergänzte theologische Aspekte zum Begriff der Freiheit. Er machte darauf aufmerksam, dass beispielsweise bereits Luther sich massiver Einschränkungen menschlicher Freiheit bewusst war. Der Theologe betonte, Handlungsspielräume sollten für ein verantwortliches Leben eingesetzt werden – seien sie vermeintlich noch so klein.
Nach jedem Vortrag gab es eine Zeit zur Diskussion, die reichlich genutzt wurde und noch großzügiger hätte bemessen sein können. Die Mitarbeiter der örtlichen EmK luden ihre Gäste zu Kaffee und Kuchen ein, damit die Konzentration angesichts des anspruchsvollen Programms nicht erlahmte. Der Arbeitskreis »Naturwissenschaft und Glaube« wird am 17. Januar 2015 wieder zu einem Brennpunktthema im Bereich Naturwissenschaft und Glaube einladen. Mit allen Interessierten wird das offene Gespräch gesucht.

Klaus Bratengeier

www.emk-naturwissenschaften.de

Fotos: Roland Dietsch, Grafik: Alisa von Postel