Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Tropfen für Tropfen

Was hat Mission mit unseren Einkaufsgewohnheiten zu tun? Viel, sagt Bischöfin Rosemarie Wenner. Denn die Erlösung durch Jesus Christus gilt nicht nur uns Menschen, sondern der gesamten Schöpfung. Und sie zu bewahren, ist auch »Gottes Mission«.

Hat es etwas mit Mission zu tun, wenn wir Strom sparen, in der Region erzeugte Lebensmittel essen und möglichst wenig Auto fahren? Ja, sagt die Studie »Gemeinsam für das Leben – Mission und Evangelisation in sich wandelnden Kontexten«, verfasst von der Kommission für Mission und Evangelisation des Ökumenischen Rats der Kirchen. Das Gespräch über dieses Dokument verhalf uns bei der Tagung des Europäischen Rats Methodistischer Kirchen Mitte September in Dublin zu einigen Aha-Erlebnissen.

Mission, so heißt es in der Studie, ist Gottes Sache; und Gott will das Heil der ganzen Welt. »Gott sandte den Sohn, um nicht nur die Menschheit zu erlösen oder eine partielle Erlösung zu bringen. Das Evangelium ist vielmehr eine gute Nachricht für jeden Teil der Schöpfung und jeden Aspekt unseres Lebens und unserer Gesellschaft. Es ist daher entscheidend, Gottes Mission in einem kosmischen Sinne zu verstehen und zu bekräftigen, dass alles Leben, die ganze Oikumene, in Gottes Netzwerk des Lebens miteinander verbunden ist. Angesichts der offensichtlichen Bedrohungen für die Zukunft unseres Planeten müssen wir uns fragen, welche Bedeutung sie für unsere Teilnahme an Gottes Mission haben.«

Wenn wir die Schöpfung bewahren, wirken wir mit Gott zusammen, um Leben zu erhalten. Wir übernehmen unseren Part im Vertrauen darauf, dass Gott auch handelt. Unser Engagement verlangt Achtsamkeit und die Bereitschaft zum Verzicht. Kein Wunder, dass wir uns damit nicht leicht tun.

Kürzlich haben wir in meinem Büro die Zertifizierung nach dem Umweltmanagementkonzept des »Grünen Gockels« erhalten. Wir Bischöfe und Bischöfinnen der Evangelisch-methodistischen Kirche haben uns 2009 verpflichtet, den ökologischen Fußabdruck unserer Büros zu messen und Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Verbrauchs einzuleiten. Künftig werden wir in der Kirchenkanzlei noch konsequenter darauf achten, was wir einkaufen und verzehren. Bei Dienstreisen fahren wir so oft wie möglich mit dem Zug. Das wird nur kaum messbare Einsparungen bringen. Doch »Tropfen für Tropfen formt das Meer«, so sagt es ein polnisches Sprichwort. Außerdem drücken wir mit unserem Handeln unsere Hoffnung aus. Dies kann auch insofern missionarisch sein, als uns Mitmenschen als Agenten des Lebens wahrnehmen, denen es um gute Lebensbedingungen für alle und nicht nur um ihr persönliches Lebensglück geht.

In unseren Gemeinden und Konferenzen braucht es noch Motivationsschub für diesen Bereich christlicher Nachfolge. Viele meinen, es gebe Wichtigeres zu tun, als sich über alternative Energiegewinnung Gedanken zu machen. Und ob man Fleisch esse oder nicht, sei doch wohl jedem selbst überlassen.

In der Tat gibt es vieles, das in Gottes Mission bedeutsam ist. Wir können an verschiedenen Stellen beginnen, eine davon ist die Verantwortung für die Schöpfung. Dabei müssen wir nicht Gesetze erfüllen und Pflichten ableisten. Vielmehr will uns Gott, der in Christus den Tod überwand, für das Leben und seinen Schutz »begeistern«. Gottes Schöpfungshandeln geht weiter – und wir können mitmachen. Im Netzwerk alles Lebendigen empfangen wir, um unseren Platz einzunehmen und Mitmenschen und Mitwelt ihren Platz einzuräumen. Wie gut, dass dabei auch die kleinen Beiträge zählen, weil sie durch viele andere ergänzt werden. So wächst das Reich Gottes mitten unter uns.

Bischöfin Rosemarie Wenner

Beitrag erschien in »unterwegs« 20/2014