EmK Plauen

Vor 25 Jahren: Erste Friedens-Demo in damaliger DDR

Am 7. Oktober 1989, hatte es in Plauen (Sachsen) die erste große öffentliche Demonstration in der damaligen DDR gegeben. Mit einem ökumenischen Gottesdienst gedachten über 800 Besucher in der Erlöserkirche der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) am vergangenen Sonntag an die auslösenden Ereignisse, die vor 25 Jahren zur Friedlichen Revolution führten.

Die Kirchen der Stadt, darunter auch die EmK-Erlöserkirche, hatten damals schon länger die Türen für regelmäßige Friedensgebete am Sonnabend geöffnet und den Menschen Raum und Stimme gegeben. »An jenem Sonnabend gingen wir das erste Mal auf die Straße« erinnert sich Klaus Straka an diesen Tag. Der heute im Ruhestand in Halle (Saale) lebende Pastor, war damals erst kurze Zeit in Plauen. »Wir waren Mitte September nach Plauen gezogen« erzählt er. Dass kurze Zeit später Geschichte geschrieben würde, konnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Der »9. Oktober« mit der Montagsdemonstration in Leipzig sei zwar in die deutsche Geschichte eingegangen, aber als Ausgangspunkt der Friedlichen Revolution müsse eigentlich die Demonstration in Plauen gelten, die dort zwei Tage zuvor stattfand. Das betont auch der amerikanische Historiker John Connelly, der »Plauen als die erste ostdeutsche Stadt, die einen geeinten Willen zur Wende ausdrückte« beschreibt. Die friedliche demonstrierende Menge mit über 15.000 Menschen sei das »Signal für Leipzig« gewesen, sagt Straka. Er selbst habe durch eine Art »Flüsterpropaganda« erfahren, dass sich da etwas ereigne. »Ich hörte im Haus, dass einer sagte ›um 15 Uhr treffen sich die Leute in der Stadt‹.« »Da muss ich hin« war seine sofortige Reaktion. Zu diesem Zeitpunkt habe sich schon »eine Völkerwanderung« auf der Straße zum Rathaus bewegt. Dem für Ruhe und friedliches Auftreten werbenden damaligen lutherischen Superintendenten Thomas Küttler sei es zu verdanken, dass die Demonstration friedlich blieb. Er hatte mit dem Oberbürgermeister verhandelt und erreicht, dass es zu Gesprächen mit ausgewählten Demonstranten kam. Aus den Teilnehmern dieser ersten Gespräche, zu denen auch Straka gehörte, entwickelte sich der spätere »Runde Tisch« und die weiteren friedlichen Umwälzungen in Plauen und Umgebung.

Neben vielen Christen hätten damals auch unzählige Menschen ohne kirchliche Erfahrungen an Friedensgebeten teilgenommen. »Das war daran zu erkennen, dass sie statt ›Amen‹ am Schluss eines Gebetes zu sagen immer applaudierten« erzählt er schmunzelnd. Eine besondere Erfahrung sei die ausdauernde Teilnahme an den Friedensgebeten gewesen. »Dass die Menschen über ein halbes Jahr lang jeden Samstag bis zu den Wahlen im darauffolgenden März zum Friedensgebet kamen, erstaunt mich immer noch«, sagt Straka und weiter: »Ich bin überzeugt, dass die Kirchen wesentlich dazu beigetragen haben, dass die Revolution stattfand und friedlich blieb«. Im Rückblick auf jene Ereignisse stellt er seiner Gemeinde ein großartiges Zeugnis aus: »Ich hatte eine prächtige Unterstützung durch meine Gemeinde.« Obwohl er durch die sich aus den Demonstrationen und der Teilnahme am Runden Tisch ergebenden öffentlichen Aufgaben in der Gemeinde nicht mehr so präsent sein konnte, habe ihn die Gemeinde ermutigt, die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen mitzugestalten. »Ich bin froh, dort gewesen zu sein« fasst er jene Zeit als prägenden Teil seiner persönlichen Erfahrungen ganz schlicht zusammen.

Klaus Ulrich Ruof, Redaktion emk.de

Auf YouTube - »40 Jahre sind genug - Friedliche Revolution in Plauen«