Die beiden Pastoren Susanne Nießner-Brose und Rob Cotton begleiteten das gemeinsame Gottesdienstprojekt.

Die beiden Pastoren Susanne Nießner-Brose und Rob Cotton begleiteten das gemeinsame Gottesdienstprojekt.

Weihnachten International

Wie aus Feinden Freunde wurden

Die Bremer EmK-Gemeinde begeht an Heilig Abend mit der methodistischen Gemeinde aus Knutsford in England den 100. Jahrestag des »Weihnachtsfriedens«.

Mit einem gemeinsamen Gottesdienstprojekt signalisieren zwei methodistische Gemeinden aus England und Deutschland, dass in der der heutigen, konfliktträchtigen Welt die Hoffnung auf Frieden möglich ist. Für die Heiligabend-Gottesdienste in der methodistischen Kirche Knutsford (Knutsford Methodist Church, KMC) in Cheshire (südlich von Manchester, England) und der Erlöserkirche der Evangelisch-methodistischen Kirche in Bremen haben beide Gemeinden eine gemeinsame Gottesdienstliturgie vereinbart mit der Einspielung von kurzen Vorstellungs-Videos über die jeweils andere Stadt und Gemeinde inklusive des englisch bzw. deutsch gesungenen Weihnachtslieds »Stille Nacht«. In Verbindung mit dem Projekt tauschten beide Gemeinden auch landestypische weihnachtliche Kuchen- und Keksspezialitäten aus. Hintergrund dieser Aktion ist der vor 100 Jahren spontan vereinbarte Weihnachtsfrieden. Deutsche und britische Soldaten hatten beim ersten Weihnachtsfest während des 1. Weltkriegs entlang der Westfront ihre Schützengräben verlassen, um die Toten begraben zu können. In einer spontanen Aktion sangen sie Lieder und Choräle, teilten miteinander Essen und Trinken und spielten miteinander Fußball, was in besonderer Weise zur legendenhaften Berühmtheit dieses Weihnachtsfriedens beitrug.

»Ein starkes Hoffnungszeichen«

Die Idee für einen gemeinsamen Gottesdienst entstand bei einem Gespräch zwischen Rob Cotton, dem Pastor der KMC, und Steve Benson, einem als TV-Produzenten arbeitenden anglikanischen Pfarrer, der in der dortigen Gemeinde regelmäßig aus- und eingeht. Darüber hinaus sind in der Gemeinde fernseherfahrene Personen und eine US-amerikanische EmK-Pastorin, die in England als Autorin und Produzentin arbeitet. Durch eine TV-Produktionsfirma, Freunde der Bremer EmK-Pastorin Susanne Nießner-Brose, kam der Kontakt zur Bremer EmK-Gemeinde zustande. Alle Beteiligten haben sich freiwillig für das Projekt engagiert und keinerlei Kosten in Rechnung gestellt. Beide Gemeinden waren vom Projekt sofort begeistert, wobei die älteren Gemeindeglieder den »Weihnachtsfrieden« noch aus Erzählungen kannten, während die Geschichte für die jüngeren völlig neu war. »In einer Welt von Hass und Krieg, ist dieser gemeinsame Gottesdienst ein starkes Hoffnungszeichen«, erklärt Nießner-Brose den Impuls, der von dieser gemeinsamen Aktion ausgeht. So heißt es auch in der gemeinsamen Liturgie: »Der inoffizielle Weihnachtsfrieden war ein Moment voller Licht und Hoffnung in der Dunkelheit von Kriegsangst und Zerstörung. Er erlaubte den Soldaten, ihre Waffen niederzulegen und Weihnachten ein wenig miteinander zu teilen – als Menschen, nicht als Feinde.«

Live-Schaltung nach Knutsford um Mitternacht

Tragendes Element des gemeinsamen Gottesdienstes ist ein gemeinsam erarbeitetes Gottesdienstprogramm und das Weihnachtslied »Stille Nacht, heilige Nacht«. Die Bremer Gemeinde wird die erste Strophe auf Deutsch singen, die auf Englisch gesungen von beiden Gemeinden wiederholt wird. Die zweite Strophe wird in deutscher Sprache gesungen werden und die letzte Strophe wird von der englischen Gemeinde auf Englisch und von der deutschen Gemeinde auf Deutsch gesungen. In Bremen wird zudem das Anspiel »Der kleine Frieden im großen Krieg« mit Originaltexten deutscher und britischer Soldaten von 1914 aufgeführt. In beiden Gemeinden wird darüber hinaus ein Kurzfilm über die jeweils andere Stadt und Gemeinde eingespielt. Da die Bremer Gemeinde ihren Gottesdienst bereits am Nachmittag feiert, wird die einzige Live-Schaltung im Mitternachts-Gottesdienst der englischen Gemeinde stattfinden. Dann führen die beiden Pastoren ein kurzes Gespräch per Internetvideoübertragung. Der Segen am Schluss der Gottesdienste wird per Video vom jeweils anderen Gemeindepastor gesprochen. Nach dem Gottesdienst ist in der Bremer Gemeinde eine Weihnachtsfeier geplant, die zusammen mit Menschen aus der Flüchtlingsarbeit der Gemeinde gestaltet wird. Ein junger Koch aus dem Iran werde Lasagne machen »und wir wollen singen und kleine Geschenke austauschen«, beschreibt Nießner-Brose die Planungen.

Der Kuchen ist schon aufgegessen

Beide Gemeinden tauschten vorab untereinander landestypische weihnachtliche Gebäcktraditionen aus. So brachte die Filmproduzentin Kathleen LaCamera im November anlässlich ihrer Dreharbeiten in Bremen einen englischen Weihnachtskuchen mit Trockenfrüchten und »königlicher Zuckerglasur« mit. Auf dem Rückflug nahm sie schätzungsweise 500 typisch deutsche Weihnachtskekse und einen deutschen Weihnachtskuchen aus der Bremer Gemeinde mit nach Knutsford. „Den sieben Kilo schweren Kuchen aus Knutsford haben wir bereits am dritten Advent bei unserer großen Adventsfeier verspeist“, erzählt Nießner-Brose und lacht herzlich über den kulinarischen Kulturaustausch, der auch ein Zeichen dafür sei wie aus ehemaligen Feinden Freunde wurden.

Klaus Ulrich Ruof

Film über Bremen und die Erlöserkirche, der in Knutsford gezeigt wird: Download
© 2014 Chris Loughlin und Kathleen LaCamera

Fotos: umc.org / Die beiden Pastoren Susanne Nießner-Brose und Rob Cotton begleiteten das gemeinsame Gottesdienstprojekt.