»Die Aussteiger erfahren unsere Solidarität«

Die Evangelisch-methodistische Kirche erklärt sich zu den Anfängen einer religiösen Sondergruppe aus Hanau bei Frankfurt am Main.

Zwei Pastoren verließen 1982 die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) und gründeten eine eigene Gruppe in Hanau. Durch Aussteiger kommen aktuell Informationen über deren sektiererische Struktur und Arbeitsweise ans Licht.

Unter dem Titel »Die Psychotricks der Gurus« befasste sich die ARD-Sendung »Menschen bei Maischberger« vom 3. März dieses Jahres mit dem Ausstieg aus Gruppierungen, in denen Menschen in Abhängigkeit gebracht werden. In dieser Sendung erzählte Sascha Erdmann, Sohn eines ehemaligen EmK-Pastors, von seinen Erfahrungen über den Ausstieg aus einer in Hanau bei Frankfurt am Main beheimateten Gruppe. Im Nachgang zu dieser Sendung wurden in der »Hessenschau« des Hessischen Rundfunks und einigen Zeitungen der Region Frankfurt die Hintergründe dieses Ausstiegs beleuchtet.

Da zwei Mitglieder der Hanauer Gruppe bis 1982 Pastoren der EmK waren und weitere Mitglieder ebenfalls dieser Kirche angehörten, nimmt die EmK dies zum Anlass, die damaligen Hintergründe darzulegen. Um die beiden damaligen Pastoren hatte sich eine Gruppe gebildet, in der Lehren von der Ehefrau eines der beiden als besondere göttliche Botschaft verbreitet wurden. Die damalige Kirchenleitung befasste sich im Mai und Juni 1982 mit dieser Angelegenheit und führte Gespräche mit den beiden Pastoren. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass diesen Lehren »eine nach der Heiligen Schrift unangemessene Schlüsselfunktion für das Heilwerden der Menschen zugeschrieben« werde, und dass die Haltung der beiden Pastoren »mit dem Zeugnis der Heiligen Schrift und mit dem Bekenntnis und der Verfassung unserer Kirche nicht zu vereinbaren ist«. Infolgedessen sollte eine Entlassung aus dem kirchlichen Dienst erwirkt werden. Indem sie auf eigenen Wunsch aus dem Dienst der Kirche ausschieden, kamen beide einer Entlassung zuvor.

Mit dem Ausscheiden beider Pastoren aus dem kirchlichen Dienst trennte sich die Gruppe von der EmK. Obwohl sich daraufhin nur wenige Personen der Gruppe fest anschlossen, entstanden durch den abrupten Abbruch aller formellen und informellen Beziehungen drastische Brüche in den davon betroffenen Familien und Gemeinden. Jetzt wurden Berichte von Aussteigern bekannt, in denen sie von massivem psychischem Druck berichten und schildern, wie sie ihre Kindheit in teilweise radikaler Abgrenzung und Abhängigkeit erlebten.

»Wir sind tief betroffen von den Erfahrungen, die Aussteiger jetzt schildern« sagt Rosemarie Wenner, die Bischöfin der EmK in Deutschland, und versichert ihnen »unsere Solidarität«. Zudem signalisiert sie seitens der EmK Bereitschaft und Mitwirkung zur Aufklärung über die Gruppe, »um zu verhindern, dass sich weitere Menschen der Gefahr der Abhängigkeit aussetzen«.

Klaus Ulrich Ruof
Referent für Öffentlichkeitsarbeit, Pressesprecher