Die EmK-Beobachter im Plenum während der Verhandlungen: (von links) Jennifer Ferariza Meneses von den Philippinen, Lisa Garvin aus den USA und Daniel Obergfell aus Calw (Deutschland)

Die EmK-Beobachter im Plenum während der Verhandlungen: (von links) Jennifer Ferariza Meneses von den Philippinen, Lisa Garvin aus den USA und Daniel Obergfell aus Calw (Deutschland)

Klimakonferenz

Die »Ethik des Genug« vorantreiben

Bei der Klimakonferenz in Paris ging es um den Erhalt der Lebensgrundlagen für künftige Generationen. Die EmK war mit zwei Teams »vor Ort«.

Bei der Klimakonferenz in Paris haben am 12. Dezember fast 200 Länder das erste umfassende Weltklimaabkommen der Geschichte unterschrieben. Darin wird mit der wünschenswerten Grenze für die Klimaerwärmung von maximal 1,5 Grad die Zahl erwähnt, die das Untergehen vieler Inselstaaten verhindern kann. Außerdem vereinbarten die Länder, dass die nationalen Klimaziele aller Staaten alle fünf Jahre überprüft werden. Auch wenn das Wort »Dekarbonisierung« im Vertragstext nicht vorkommt, sollen die fossilen Energieträger wie Kohle, Öl und Gas spätestens nach 2050 kaum noch verwendet werden, was für das Erreichen der 1,5-Grad-Grenze eine wichtige Voraussetzung ist. Aus Deutschland war der angehende Gymnasiallehrer Daniel Obergfell aus Calw dabei. Er ist Mitglied der am Rande des Schwarzwalds gelegenen EmK-Gemeinde in Calw und ehrenamtlicher Referent für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung im Kinder- und Jugendwerk Süd der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK).

Die EmK war mit zwei international besetzten Teams in Paris dabei. Das »Creation Care Team« (Fürsorge für die Schöpfung) des Internationalen Missionswerks der EmK (General Board of Global Ministries, GBGM) war außerhalb des Verhandlungszentrums aktiv. Dort setzten sich die Teammitglieder für ein Abkommen ein, das die Bedürfnisse der Einwohner der verwundbarsten Länder berücksichtigt. Das Team von der Internationalen EmK-Kommission für Kirche und Gesellschaft (General Board of Church and Society, GBCS) verfolgte direkt vor Ort als Beobachter zusammen mit anderen Vertretern von Religionsgemeinschaften und der Zivilgesellschaft die Verhandlungen. Wichtig war dabei der Zusammenschluss in Allianzen, »weil eine gemeinsame Botschaft eher gehört wird, als viele einzelne«, erklärt Daniel Obergfell. »Unsere Aufgabe ist, zu verhindern, dass wichtige Themen untergehen«, beschreibt er die Rolle der Beobachter und betont, »dass Religionsgemeinschaften quasi als moralischer Kompass wahrgenommen werden«. Gerade für Kirchen gehe es bei den Klimavertragsverhandlungen nicht nur um Umweltschutz. Die Bewahrung der Schöpfung beinhalte vielmehr auch die moralische Komponente anderen Menschen gegenüber. »Wenn durch meinen Lebensstil die Lebensgrundlage eines anderen Menschen zerstört wird, dann ist es meine moralische Pflicht etwas zu ändern«, so Obergfell. Und weiter: »Mein Nächster im biblischen Sinne ist in dem Fall der Einwohner von Malawi, der unter immer intensiveren Dürreperioden leidet, oder der Bewohner von Bangladesch, dem der Anstieg des Meeresspiegels seine Lebensgrundlage wegspült.« Allerdings habe der Klimavertrag von Paris einen großen Haken: »Es wurden kaum Wege vereinbart, wie die genannten Ziele erreicht werden können.« Laut George Monbiots, einem britischen Umweltaktivisten, ist der Vertrag »im Vergleich zu dem, was hätte sein können, ein Wunder, im Vergleich zu dem, was hätte sein müssen, ein Desaster.« Mit dem Vertrag werde nicht automatisch ein Zustand von Gerechtigkeit hergestellt und auch nicht der Klimawandel gestoppt. Es liege jetzt an den Zivilgesellschaften der einzelnen Länder, die Regierungen der Welt immer wieder an das zu erinnern, wozu sie sich verpflichtet haben, und Konzepte zum Erreichen der gesteckten Ziele zu erarbeiten und vorzuleben.

Auf die Frage, was die Kirchen dazu beitragen könnten, erklärt Obergfell, dass die Kirchen konkret nach Wegen suchen könnten, wie eine Unterstützung des Ausstiegs aus Kohle und fossilen Energieträgern, bis spätestens 2050 aussehen könne. Investitionen in fossile Energieträger abziehen und in regenerative Energien investieren sei ein Signal dafür, »dass die Förderung von fossiler Energie unverantwortlich ist«. So blieben Kohle, Öl und Gas im Boden und ermöglichten die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad. Die Klimaverhandlungen in Paris hätten laut Obergfell aber auch deutlich gemacht, »dass trotz großer Anstrengungen ein ›weiter-so‹ der wachstumsgetriebenen Gesellschaft nicht mehr möglich ist«. Die industrialisierten Länder hätten ihr »Treibhausgas-Budget« schon längst ausgereizt. Eine faire Verteilung sei nur zu erreichen, »wenn wir unser Konsumverhalten und unsere Lebensweise ändern«. Die Kirche könne dazu einen Beitrag leisten, indem sie eine »Ethik des Genug« vorantreibe. »Es geht um die Frage, wie wir es schaffen, dass alle Menschen ein würdiges Leben führen können, ohne die Ressourcen zukünftiger Generationen zu verbrauchen?«

Klaus Ulrich Ruof nach einem Bericht von Daniel Obergfell

Foto: privat

Weitere Informationen: www.emk-gfs.de

Blog von Brot für die Welt: info.brot-fuer-die-welt.de/event/klimakonferenz-paris-2015