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Patrick Philipp Streiff

Zur Person - Patrick Philipp Streiff: 59 Jahre alt, ist seit Anfang 2006 Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Mittel- und Südeuropa.

Donnerstag, 8. Januar 2015

Ein Netzwerk des Glaubens

35.000 Christen, 16 verschiedene Länder von Frankreich über Nordafrika und den Balkan bis nach Polen: Die Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa (MSE) der Evangelisch-methodistischen Kirche ist nicht nur flächenmäßig beeindruckend, sondern auch in dem, was die Gemeinden machen. Über die Merkmale und Herausforderungen sprach Volker Kiemle mit MSE-Bischof Patrick Streiff.

Herr Bischof Streiff, was verbindet eine EmK-Gemeinde in Zürich mit einer Gemeinde in Siebenbürgen?

Patrick Streif: Es gibt natürlich enorm große Unterschiede. Das Verbindende ist, dass wir seit 60 Jahren gemeinsam als Zentralkonferenz unterwegs sind und einen Bischof haben.

Wie groß ist das Bewusstsein, zusammenzugehören?

Patrick Streiff: Das Bewusstsein hängt davon ab, ob man gemeinsame Erfahrungen gemacht hat. Am stärksten geht das natürlich durch Gemeindepartnerschaften, oder wenn ein Pastor oder ein Laienmitglied bei einer Aktivität der Zentralkonferenz dabei war. Deshalb versuchen wir, vor allem auf der persönlichen Schiene Beziehungen aufzubauen. Letztlich lebt die Zentralkonferenz von diesen Beziehungen.

Was sind die großen Herausforderungen in nächster Zeit?

Patrick Streiff: Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen gehen in Mitteleuropa und auf dem Balkan noch rasanter als in Westeuropa. In den 1990er Jahren, direkt nach der Wende, gab es dort eine große Offenheit für das Evangelium. Heute sind die Menschen hauptsächlich damit beschäftigt, Arbeit zu finden oder einfach nur ihren Lebensunterhalt zu sichern. Die Fragen nach religiösen Werten sind stark hinter das Materielle zurückgetreten. Da ist von Christen viel stärker das authentische, persönliche Zeugnis gefragt.

Es gibt in Mittel- und Südosteuropa viele kleine EmK-Gemeinden. Was sind die Stärken dieser Gemeinden?

Patrick Streiff: Ich bin immer wieder überrascht und auch bewegt von der Glaubensstärke und dem Gottvertrauen der Menschen in diesen Gemeinden – gerade in diesem Umfeld, das sich rasant verändert. Damit verbunden ist ein beeindruckendes soziales Engagement für Menschen am Rand der Gesellschaft. Das zeigt sich etwa beim Dienst mit und für Roma, aber auch bei vielem anderen. Die Zentralkonferenz als Ganzes lebt stark aus einer lebendigen Solidarität und einer starken Erfahrung dieser Solidarität in ganz unterschiedlichen Zeiten. Es gibt kein äußerlich einendes Band, aber der innere Zusammenhalt ist sehr stark. Heute würde man diese Länder vermutlich nicht mehr in eine ZK vereinen. Aber es ist in diesen 60 Jahren so viel Solidarität gewachsen, dass die Zentralkonferenz ein Modell methodistischer Connexio ist.

Es gibt viele Gemeinden die sich sozial engagieren. Gibt es auch andere Schwerpunkte?

Patrick Streiff: Die Gemeinden sind in der Tat sehr sozial aktiv, auch aus einem ausgeprägt evangelistischen Antrieb. Insgesamt haben sich die Gemeinden in den vergangenen Jahren stärker nach außen geöffnet. Diese Möglichkeiten waren in kommunistischer Zeit ja so beschränkt, dass die Gemeinden das nach der Wende oft erst lernen mussten.

In einigen Ländern – etwa in Ungarn – sind die politischen Verhältnisse schwierig. Wie politisch ist die EmK dort?

Patrick Streiff: In den meisten Ländern ist die EmK über politische Verlautbarungen nicht aktiv. In Südosteuropa ist es ganz selten, dass etwa eine Jährliche Konferenz eine Resolution zu einer gesellschaftlichen Frage verabschiedet. Einerseits hängt das mit der Kleinheit zusammen – eine Resolution würde kaum wahrgenommen. In Westeuropa gibt es allerdings einige politisch aktive EmK-Glieder, bis hinauf in nationale Parlamente.

Wie verändert sich die politische Einstellung?

Patrick Streiff: Ein Erlebnis hatte ich im Sommer, als ich bei einem Familiencamp in Ungarn zu Gast war. Da ging es unter anderem um das gesellschaftliche Engagement der Kirche. Die Kirche in Ungarn kommt eher aus einem pietistischen Erbe und hat sich aus politischen Fragen bisher eher herausgehalten. In meinem Referat habe ich die Leute ermutigt, sich stärker politisch aktiv in der Gesellschaft zu engagieren – auch wenn das oft schwierig ist. Das hat doch einige Teilnehmer ins Nachdenken gebracht. Ich spürte: Das Engagement kann langsam auch wachsen.

Welche Veränderungen wünschen Sie sich in Ihrem Sprengel?

Patrick Streiff: Ich wünsche mir, dass wir von dem eher sternförmigen Arbeiten – alles geht von der Schweiz als der größten Kirche aus – hin zu einem Netzwerk kommen. Erste Schritte gibt es schon, wie beim Jubiläum »60 Jahre Zentralkonferenz«. Da haben wir Gemeinden aufgerufen, sich zu melden und sich an einem Sonntag paarweise auszutauschen. Da war etwa eine polnische mit einer makedonischen Gemeinde verbunden – das sind sehr positive Entwicklungen. Das andere ist, dass wir aus einem Einweg-Verkehr – die einen sind die Geber, die anderen die Empfänger – mehr zu einem gegenseitigen Austausch kommen. Da stand in der Vergangenheit das Finanzielle im Fokus, und das war eine Einbahnstraße. Wir beginnen jetzt stärker zu entdecken, gerade über die erwähnten Partnerschaften, wie ein gegenseitiges Geben und Nehmen funktionieren kann.

Was war in Ihrer Amtszeit das eindrücklichste Erlebnis?

Patrick Streiff: Es gibt eher eine ganze Kette von Erlebnissen – angefangen bei der Bischofswahl und Bischofsweihe, die starke geistliche Erlebnisse waren, bis hin zum ersten Gottesdienst bei einer armen Roma-Gemeinde in Mazedonien, der der fröhlichste Gottesdienst war, den ich erlebt habe. Oder wenn ich auf die Gemeinden in Albanien schaue: Dort ist der Superintendent der einzige Hauptamtliche, die Arbeit wird sonst von Laien getragen. Auch mein erster Besuch in Rumänien war eindrücklich: In Cluj traf ich junge Leute, die eine Gemeinde aufgebaut hatten. Als ich ihnen erzählte, wie wir als Methodisten arbeiten, gab es eine überraschende Übereinstimmung und sie hatten sehr schnell den Wunsch, sich der EmK anzuschließen. So entdecke ich immer wieder Spuren Gottes im Leben der Kirche. Das ist wie eine schöne Kette, die immer wieder ein neues Glied bekommt.

Zur Person - Patrick Philipp Streiff: 59 Jahre alt, ist seit Anfang 2006 Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Mittel- und Südeuropa. Zu seinem Sprengel gehören rund 35.000 Methodisten in 16 Ländern. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.umc-europe.org

Beitrag entnommen aus »unterwegs« 1/2015