Podiumsteilnehmer diskutieren beim »Thementag Homosexualität« in Berlin.

Podiumsteilnehmer diskutieren beim »Thementag Homosexualität« in Berlin. Moderiert von Von Pastorin Irene Kraft diskutierten Pastor Andreas Kraft, Claudia Kittsteiner, Bischöfin Rosemarie Wenner, Petra Löffler, Superintendent Christian Voller-Morgenstern und Pastorin Carolyn Kappauf (von rechts nach links).

Homosexualität und Kirche

Respekt, Respekt!

Die Gegensätze waren so groß wie die Erwartungen: 150 Methodisten diskutierten in Berlin über Homosexualität. Am Ende gab es versöhnliche Töne.

»Lasst uns aufeinander hören, einander respektieren und persönlich erzählen.« Das betonte Irene Kraft, designierte Superintendentin des Hamburger Distrikts und Moderatorin des ersten »Thementags Homosexualität« in Berlin-Tegel. Über 150 Menschen aus Berlin und Umgebung, aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen hatten sich auf den Weg gemacht, um sich zu Fragen unterschiedlicher sexueller Identitäten und des Umgangs damit in der Kirche auszutauschen. »Ich freue mich, dass in unserer Kirche viele Menschen trotz großer Differenzen den gemeinsamen Weg suchen und möchte sie unterstützen«, erklärte Bischöfin Rosemarie Wenner zum Auftakt. Dass trotz großer Gegensätze eine Atmosphäre des Zuhörens, gegenseitiger Respekt und Hoffnung auf gemeinsame Wege möglich sind, das sollte der weitere Verlauf des Tages zeigen.

»Wir brechen das Schweigen und brauchen das Gespräch«, erklärte Christian Voller-Morgenstern bei der Vorstellung der »Initiative für mehr Respekt und gegen Diskriminierung in der EmK«. Das Gespräch sei in Gang gekommen, wie dieser Tag zeige. Für die Initiative »Pro VLO« erklärte Frank Drutkowski, Pastor in Berlin-Lankwitz, dass »wir die Änderung der Kirchenordnung nicht für den richtigen Weg halten, das Gespräch anzuschieben«. Bei der Diskussion über dieses Thema gebe es »Leiden auf beiden Seiten«. Es gehe darum, »wie wir Wahrheit und Liebe miteinander verbinden«.

In den sich anschließenden Gesprächsgruppen und der Podiumsdiskussion traten die unterschiedlichen Sichtweisen deutlich zutage. So wurde einerseits dafür plädiert, homosexuelle Paare zu segnen und Homosexuellen auch den Weg ins geistliche Amt zu ermöglichen, während andere sich eng am Wortlaut biblischer Formulierungen zur Homosexualität orientieren und auf die Einhaltung der Kirchenordnung Wert legen. Trotz aller Unterschiede waren der gegenseitige Respekt und das achtungsvolle Zuhören gemäß des von Irene Kraft zu Anfang geäußerten Wunsches deutlich erkennbar. Beide Seiten waren sich einig, dass sie über ein wichtiges Anliegen ringen, und dass es allen gemeinsam darum gehe, zur Nachfolge einzuladen. »Diese Gesprächskultur sollten wir wertschätzen« sagte Kraft angesichts des gegenseitigen Respekts. Mit Blick auf die große Offenheit zur Diskussion über Fragen von Lehre und Praxis resümierte Bischöfin Wenner, dass »wir öfter über Lehrfragen miteinander reden sollten«.

Dieser erste »Thementag Homosexualität« war für die Suche nach einem gemeinsamen Weg ein hoffnungsvolles Zeichen. Ob die Spur weiterverfolgt wird, kann sich bereits am 7. März in Frankfurt am Main zeigen, wo der zweite Thementag stattfinden wird, zu dem dann Teilnehmer vor allem aus Süddeutschland erwartet werden.

Klaus Ulrich Ruof

Foto: © Volker Kiemle, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Die Dokumente im Wortlaut:

Initiative für mehr Respekt und gegen Diskriminierung in der EmK

Pro Respekt VLO!

Der Weg zu einem verträglichen Miteinander