Gedenkfeier für Bischof i.R. Hermann Sticher (1927-2014) in der Erlöserkirche der EmK in Reutlingen

Gedenkfeier für Bischof i.R. Hermann Sticher (1927-2014) in der Erlöserkirche der EmK in Reutlingen

Unermüdlicher Brückenbauer gewürdigt

In einer Gedenkfeier in der Erlöserkirche Reutlingen wurde des kurz vor Weihnachten verstorbenen Altbischofs der EmK, Hermann Sticher, gedacht.

Über 300 Menschen versammelten sich am gestrigen Donnerstag, dem 8. Januar, in der Erlöserkirche der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Reutlingen, um sich an das Wirken von Hermann Sticher zu erinnern. Der Bischof der EmK war am 19. Dezember im Alter von 87 Jahren verstorben.

Bischof Sticher habe sich eine »Heimkehrfeier« und keine Trauerfeier gewünscht, weil für ihn »Sterben - wie immer es sich auch gestalten mag – für mich Heimkehr zu meinem Vater im Himmel ist«. So erklärte Rosemarie Wenner, Bischöfin der EmK in Deutschland, die ungewöhnliche Bezeichnung der Feier. Ausdrücklich sollte es dabei nicht »um ihn und seine Verdienste, sondern um die Einladung zu einem Leben mit Christus« gehen. »Das hat auch seiner Lebenshaltung entsprochen«, betonte Wenner. So habe Sticher nicht viel über seine Krebskrankheit gesprochen, sondern »er interessierte sich für das, was sich in unseren Gemeinden und in der weltweiten Kirche ereignete«. Damit habe er immer die Hoffnung und Zuversicht gelebt, die im Predigttext über die »lebendige Hoffnung der Christen« aus dem 1. Petrusbrief, zum Ausdruck komme. Diese Hoffnung »ist nicht exklusiv für uns bestimmt«, betonte Bischöfin Wenner weiter. »Sie umspannt Raum und Zeit und verändert die Welt.«

»Die Welt wurde ein besserer Ort – auch seinetwegen«, fasste Bischöfin Mary Ann Svenson aus der Sicht des Internationalen Bischofsrats der EmK das Wirken ihres verstorbenen Bischofskollegen zusammen. Die aus Los Angeles angereiste EmK-Bischöfin beschrieb Sticher als »Zeuge für die Einheit und Gemeinschaft der Christen«. »Wir sind dankbar, dass er Brücken gebaut hat über willkürlich gezogene Grenzen.«

In den Nachrufen wurde besonders das ökumenische Engagement Stichers gewürdigt. Bernd Densky, Referent bei der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland, betonte, dass Bischof Sticher anlässlich der 40-Jahr-Feier der ACK im Jahr 1988 die Einheit und Gemeinschaft der Kirchen als ständigen Arbeitsauftrag beschrieben habe. »Je näher wir Christus sind, desto näher sind wir einander«, so habe Sticher damals seinen Vortrag beendet. Das habe er als Bischof der EmK und als Mitglied der ACK gelebt. In ähnlicher Weise zitierte Albrecht Haizmann als Nachrufredner für die ACK Baden-Württemberg aus Stichers Zeit als Vorsitzender der ACK Baden-Württemberg aus Berichten. »Nur wenn wir einander dienen, können wir miteinander dienen«, habe Bischof Sticher Aufgabe und Wirkung ökumenischer Arbeit zusammengefasst. Als Mitinitiator, Gründungsmitglied und erster Vorsitzender der 1973 gegründeten baden-württembergischen ACK habe Sticher aber auch betont, dass eine echte Ökumene nur möglich sei, wenn man »mit beiden Beinen in seiner eigenen Kirche steht«.

Hermann Sticher war am 19. Dezember im Alter von 87 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Die Beisetzung fand bereits am 23. Dezember unter der Leitung des Nürtinger EmK-Pastors Jürgen Hofmann statt. Die Predigt dort hielt ebenfalls Bischöfin Rosemarie Wenner. Hermann Sticher hinterlässt seine Frau, Lisa Sticher, und drei Söhne.

Klaus Ulrich Ruof

Foto: Volker Kiemle © 2014, Öffentlichkeitsarbeit der EmK