Åsa Nausner ist Vorstandsmitglied der »General Commission on Religion and Race« der weltweiten EmK.

Åsa Nausner ist Vorstandsmitglied der »General Commission on Religion and Race« der weltweiten EmK.

Wort auf den Weg

Vorurteile überwinden

Åsa Nausner mit Gedanken zu einem Vers aus der Apostelgeschichte. »Petrus aber sprach: O nein, Herr, ich habe noch nie etwas Verbotenes und Unreines gegessen.«

Als ich zwanzig Jahre alt war, war ich ein halbes Jahr in Simbabwe mit einem kirchlichen Austauschprojekt. Ich wollte die Welt kennenlernen und Neues entdecken. Meine Kleingruppe schwedischer Jugendlicher wurde bei einer simbabwischen Pastorenfamilie einquartiert. Die Mutter sagte: »Jetzt seid ihr meine Kinder, weil Eure Mütter weit weg sind.« Es war in den 80er Jahren nach dem Bürgerkrieg, als Rhodesien Simbabwe wurde und es immer noch ein bisschen unruhig im Lande war. Es gab damals kein Internet. Ich habe nur drei Mal in sechs Monaten mit meiner Mutter in Schweden telefoniert. Es war gut, für sechs Monate sozusagen adoptiert zu werden. Aber vieles war anders. Maisbrei statt Kartoffeln zum Mittag, jeden Mittag. Es schmeckte am Anfang ungewohnt. Es gab einige Herausforderungen, die mich an meine Grenzen brachten. Einen Nachmittag im Wald, als wir Feuerholz einsammelten, kamen afrikanische Jugendliche mit glücklichen Gesichtern und mit Händen voller kriechender schwarzer dicker Würmer, die Delikatesse der Jahreszeit. Am Herd wurden sie geröstet, gesalzen und wie Chips gegessen. Ich muss zugeben, dass es für mich ekelig war. Ich habe die Augen zugemacht und nur ein kleines Stück gekostet. Immerhin.

Petrus muss sich überwinden

Bevor der Jude Petrus den Römer Kornelius trifft (Apostelgeschichte 10), hat er ein besonderes Erlebnis beim Gebet. Petrus »... sah den Himmel aufgetan und etwas wie ein großes leinenes Tuch herabkommen, an vier Zipfeln niedergelassen auf die Erde«. Darin waren allerlei vierfüßige und kriechende Tiere der Erde und Vögel des Himmels. Und es geschah eine Stimme zu ihm: Steh auf, Petrus, schlachte und iss! Petrus aber sprach: O nein, Herr, ich habe noch nie etwas Verbotenes und Unreines gegessen.« Dreimal hört er Gottes Stimme und traut sich doch nicht. Es ist schwierig, Neues zu probieren und alte Muster zu brechen. Es geht aber nicht nur um das Essen. Petrus wird bei Kornelius eingeladen, andere Männer zu treffen und mit ihnen zu sprechen. Er ist auf unsicherem Boden. Er ist zu Gast bei Fremden und spürt seine Vorurteile, die wie so oft die Anderen schlechter dastehen lassen. Er lernt aber etwas durch diesen Besuch, er trifft Freunde, und er weiß sich von Gott durch alles hindurch getragen. »Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll. Darum habe ich mich nicht geweigert zu kommen, als ich geholt wurde. Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm« (Apolstelgeschichte 10,28b-34).

Was Petrus erlebt ist wichtig bis heute. Seine Erfahrungen sprechen zu mir. Sie wollen mein Denken ändern. Sie wollen meine Neigung zur unmotivierten Ausgrenzung von Menschen mit anderen Sitten prüfen. Diese Art von Selbstreflexion in Petrus, dem jüdischen Mann, finde ich vorbildlich und befreiend. Die Fremden können zu Freunden werden. Geben wir ihnen und Gott eine Chance.

Åsa Nausner

Foto: wikimedia.org / Thomas Falk / CC BY 3.0