Auf das Wesentliche besinnen – Mareike Bloedt mit Gedanken zu einem Vers aus Jakobus: »Seht, wie der Bauer auf die köstliche Frucht seines Ackers wartet: Er übt sich in Geduld – so lange, bis Frühregen und Spätregen gefallen sind.« (Jakobus 5,7)

Auf das Wesentliche besinnen – Mareike Bloedt mit Gedanken zu einem Vers aus Jakobus: »Seht, wie der Bauer auf die köstliche Frucht seines Ackers wartet: Er übt sich in Geduld – so lange, bis Frühregen und Spätregen gefallen sind.« (Jakobus 5,7)

Wort auf den Weg

Auf das Wesentliche besinnen

Auf das Wesentliche besinnen – Mareike Bloedt mit Gedanken zu einem Vers aus Jakobus: »Seht, wie der Bauer auf die köstliche Frucht seines Ackers wartet: Er übt sich in Geduld – so lange, bis Frühregen und Spätregen gefallen sind.« (Jakobus 5,7)

Geduld ist nicht mein Ding. Für mich ist es eine große Herausforderung, auf etwas zu warten. Ich frage mich, wie es wohl Maria erging, nachdem der Engel ihr die frohe Botschaft mitgeteilt hatte. Neun Monate musste sie warten, bis ihr Kind zur Welt kam. Sie bekam – wie jede schwangere Frau – neun Monate geschenkt, um sich auf den Neuankömmling einzustellen. Neun Monate – das ist nicht nur eine Geduldsprüfung, sondern Zeit, um sich einzustimmen und sich vorzubereiten auf die große Veränderung, die dieses neue Leben mit sich bringen wird.

Für Maria war es eine besonders große Herausforderung, denn sie wusste, dass sie den Sohn Gottes zur Welt bringen würde. Als der Engel ihr die Botschaft überbrachte, war sie erschrocken und erfreut zugleich. Was sollte nun geschehen und was sollte das für ihr und das Leben anderer bedeuten? Neun Monate hatte sie Zeit zu überlegen, zu meditieren und sich darauf einzustellen, dass ihr Leben sich von Grund auf verändern wird. Für Maria war diese Wartezeit eine Bereicherung. Auch wir bekommen, so wie Maria, jedes Jahr aufs Neue eine Zeit des Wartens geschenkt: den Advent. Wir bekommen Zeit geschenkt, um uns auf Weihnachten einzustimmen. Doch häufig ist der Advent eine der stressigsten Zeiten im Jahr. Wir hetzen von einem Termin zum anderen; eine Adventsfeier folgt der nächsten. Ich glaube: Wir vergessen in diesem Trubel manchmal, dass der Advent eine Zeit des Wartens ist.

Im Jakobusbrief lesen wir: »Übt euch in Geduld, Brüder und Schwestern, bis der Herr wiederkommt! Seht, wie der Bauer auf die köstliche Frucht seines Ackers wartet: Er übt sich in Geduld – so lange, bis Frühregen und Spätregen gefallen sind. So sollt auch ihr euch in Geduld üben und eure Herzen stärken. Das Kommen des Herrn steht nahe bevor« (Jakobus 5,7–8 nach der Basisbibel).

Jakobus will uns mit diesen Worten zum Warten und zur Geduld ermutigen: Der Bauer braucht Geduld, damit seine Saat gedeihen kann. Erst nach dem Regen kann er die Früchte seiner Arbeit ernten. Genauso müssen die Nachfolger Jesu damals wie heute geduldig sein, bis der Herr wiederkommt. Deshalb ruft Jakobus seinen Lesern zu: Seid geduldig! Stärkt eure Herzen! Das Warten ist nicht umsonst. Es lohnt sich.

Ich finde, dass dieses Bibelwort gut in die Adventszeit passt, denn auch in dieser Zeit werden wir dazu aufgefordert, geduldig zu sein – bis der Herr kommt. Doch es kommt nicht nur darauf an, sich in Geduld zu üben, bis Weihnachten kommt, sondern auch darauf, unsere Herzen zu stärken. Aber wodurch stärken wir unsere Herzen? Was hilft uns, nicht mutlos zu werden? Ein Spaziergang im Wald? Das Gespräch mit anderen, oder das Lesen in der Bibel und die Zeit des Betens?

Ich stärke mein Herz durch all das, was mich Gott näher bringt, was mich zur Ruhe kommen lässt. In diesen Worten lerne ich: Warten ist etwas Gutes. Der Vergleich im Bibelwort regt mich dazu an, einfach mal einen Gang runterzuschalten. Gerade in der Adventszeit gönne ich mir deshalb hin und wieder Auszeiten, um mich auf das Wesentliche dieser Zeit zu besinnen: darauf, dass Gott Mensch wird. Er kommt in die Krippe als schwaches unbeholfenes Kind. Er will bei uns sein und macht sich dafür ganz klein. Das ist Weihnachten und darauf warte ich gerne.

Mareike Bloedt
Pastorin im Bezirk Stuttgart-Mitte

Foto: wikimedia.org / CSIRO / CC BY 3.0
Entnommen aus: »unterwegs« 24/2016