Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Evangelisch-methodistischen Kirche im Raum Böblingen wurde über die Zukunft der Kirchen diskutiert.

Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Evangelisch-methodistischen Kirche im Raum Böblingen diskutierten über die Zukunft der Kirchen (von links): Erster Bürgermeister Ulrich Schwarz aus Böblingen, Bürgermeister Wilfried Dölker aus Holzgerlingen, Landessynodale Tabea Dölker und Dekan Bernd Liebendörfer von der Evangelischen Kirche, Moderator Marcus Mockler, EmK-Pressereferent Klaus Ulrich Ruof und Pfarrer Anton Feil von der Katholischen Kirche.

Auf unterschiedlichen Wegen den Menschen dienen

»Die Zukunft der Kirche und die Rolle der Freikirchen« war das Thema einer Podiumsdiskussion in Holzgerlingen anlässlich des 150-jährigen Jubiläums.

Vor 150 Jahren hielt der Missionsgehilfe Johannes Schmidli die erste methodistische Versammlung im 30 Kilometer südlich von Stuttgart gelegenen Holzgerlingen. Ein halbes Jahr später konnte bereits Gliederaufnahme gefeiert werden. Damit wurde Holzgerlingen zur ersten konstituierten Gemeinde der Evangelischen Gemeinschaft in Europa – ein Vorgängerzweig der heutigen Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Am 21. Februar erfolgte der offizielle Festakt zum 150-jährigen Jubiläum im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Gästen und Wegbegleitern aus Politik und Kirche. Gegenstand der Diskussion war das Thema »Die Zukunft der Kirche und die Rolle der Freikirchen«. Darüber diskutierten Tabea Dölker, Mitglied der Evangelischen Landessynode in Württemberg und der Synode der EKD, Dekan Bernd Liebendörfer von der Evangelischen Kirche, Pfarrer Anton Feil von der Katholischen Kirche, Pastor Klaus Ulrich Ruof, Pressereferent der Evangelisch-methodistischen Kirche, Bürgermeister Wilfried Dölker aus Holzgerlingen und Erster Bürgermeister Ulrich Schwarz aus Böblingen. »Bei verschiedenen Veranstaltungen in unserem Jubiläumsreigen haben wir uns an den Beginn auf der Schönbuchlichtung erinnert«, sagte Pastor Robert Hoffmann als Hausherr bei der Begrüßung in der Holzgerlinger Auferstehungskirche, »heute Abend möchten wir nicht in die Vergangenheit schauen, sondern über die Zukunft der Kirchen und über unser Miteinander ins Gespräch kommen.« Er übergab das Mikrofon zur Moderation an Journalist Marcus Mockler, Leitender Redakteur des Evangelischen Pressedienstes Südwest.

Einig waren sich die Gesprächsteilnehmer darüber, dass sich die Kirchenlandschaft wie auch die Gesellschaft immer mehr aufgliedert. »Macht das den Bürgermeistern nicht viel mehr Arbeit?«, wollte der Moderator von den Vertretern der Politik wissen. »Meine Beobachtung ist, dass die Kirchen bunter und vielfältiger werden«, sagte Bürgermeister Ulrich Schwarz, »und das hat auch Vorteile: Jede Gemeinschaft hat ihre Stärken, deshalb profitiert die Stadt von der Vielfalt an sozialen Angeboten wie Diakonie, Caritas, Sozialstationen, Waldheimen und vielem mehr.« Bürgermeister Wilfried Dölker konnte das nur unterstreichen: »Gerade in der aktuellen Situation bin ich dankbar, dass sich bei der ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuung so viele Christen engagieren.«

Die Gesprächsteilnehmer fanden etliche Beispiele für gemeinsames und ergänzendes Engagement. Vielleicht belebe eine freundliche Konkurrenz ja das Geschäft und wirke inspirierend. Trotzdem bleibe eine gewisse Spannung, allein schon durch die unterschiedliche organisatorische Größe der Kirchen: Die EmK hat deutschlandweit so viele Mitglieder wie Dekan Bernd Liebendörfer in seinem Böblinger Kirchenbezirk, rechnete Mockler vor. »Wie stellt sich die EmK zu einer freundlichen Übernahme?«, will der Moderator ganz konkret vom methodistischen Pressereferenten Klaus Ulrich Ruof wissen. Seine Antwort, »Sie meinen, die EmK übernimmt die EKD?«, löste fröhliches Gelächter unter den über 100 interessierten Besuchern aus. Ruof sieht für die Methodisten eine ganz klare Aufgabe im Miteinander der Kirchen: »Als EmK können wir an manchen Stellen Brückenbauer sein, weil wir sowohl gute Beziehungen zu den Landeskirchen als auch einen Draht zu kleineren oder neueren Gruppierungen haben.« Pfarrer Anton Feil, kommissarischer Dekan der katholischen Kirche im Raum Böblingen-Sindelfingen betonte, dass die Kirchen viel mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes hätten: »Wir beziehen uns alle auf Jesus Christus, wir teilen Taufe, Bibel und viele Gebets- und Liederschätze.« Auch Dekan Liebendörfer schätzt das gute Miteinander und wünscht sich, dass die Christen noch häufiger gemeinsam in der Öffentlichkeit auftreten: »Das macht uns glaubwürdig, zum Beispiel beim ökumenischen Stadtfestgottesdienst in Böblingen.«

Tabea Dölker, Mitglied der württembergischen Landessynode und langjähriges EKD-Ratsmitglied betonte, dass Christen ihren Glauben mehr zeigen und darüber informieren sollen. Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist ihr wichtig: »Ich genieße den Kontakt mit den Methodisten, sowohl vor Ort in Holzgerlingen beim ökumenischen Frauenfrühstück als auch bei offiziellen Gesprächen auf Bundesebene.« Als Fazit formulierte Hans-Martin Niethammer, leitender Pastor der EmK im Bezirk Böblingen, den Wunsch nach einem »friedlich-fröhlichen Wettbewerb« unter den Kirchen, wer den Menschen besser dienen könne. »Ich bin froh, dass die Kirchen unterschiedlich sind, weil wir es so leichter haben, auf unterschiedlichen Wegen die Menschen zu erreichen und Gottes Spur zu folgen.«

Christine Haag-Merz

Foto: privat