Rosemarie Wenner, Bischöfin der Evangelisch-methodisitischen Kirche in Deutschland

Rosemarie Wenner, Bischöfin der Evangelisch-methodisitischen Kirche in Deutschland

Bischöfin Wenner mahnt andere Migrationspolitik an

»Trauer und Sorge« äußert Bischöfin Wenner anlässlich der begonnenen Abschiebung von Flüchtlingen aus Griechenland in die Türkei.

»Dies sind besondere Tage für Europa« kommentiert Rosemarie Wenner, Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche für Deutschland, die jetzt begonnenen Maßnahmen zur Abschiebung von Flüchtlingen aus Griechenland in die Türkei. Die den Vertrag mit der Türkei aushandelnden Politiker hätten zwar versucht, ihrer Verantwortung für die Menschen in Europa nachzukommen, »aber ich nehme mit Trauer und Sorge wahr, was jetzt mit den Flüchtlingen geschieht«. Nach Wenners Überzeugung werde mit diesem Versuch, Europas Grenzen zu sichern, weder das Schleuserwesen noch das Flüchtlingselend eingedämmt. Die Flüchtlinge seien schon jetzt dabei, andere Routen nach Europa ausfindig zu machen. »Ihre Not ist so groß, dass sie ihr Leben aufs Spiel setzen, um vielleicht doch an einen Ort zu gelangen, wo sie menschenwürdig leben können«, ergreift Wenner das Wort für die Motivation der Flüchtlinge.

Eine andere Migrationspolitik ist nötig

Die Bischöfin mahnt eine »andere Art von Migrationspolitik« an, »die den humanitären und rechtlichen Standards gerecht werden, zu denen wir uns in Europa verpflichtet haben«. Eine daran sich ausrichtende Migrationspolitik müsse einen geregelten Zugang nach Europa bieten und die Integration der Ankommenden fördern. In diesem Zusammenhang weist Bischöfin Wenner auf Organisationen hin wie die »Kommission der Kirchen für Migranten in Europa« (Churches' Commission for Migrants in Europe, CCME) oder »Eurodiaconia«, die Lösungen vorschlagen, wie humanitäre und rechtliche Standards umgesetzt werden könnten. Dazu seien gemeinsame Standards zur Aufnahme von Schutzsuchenden nötig, ein geregelter Zugang zu Asylverfahren, die Aufstockung der Aufnahme von Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten sowie die Verteilung derer, die in den Ländern mit EU-Außengrenzen ankommen.

Fremdenfeindlichkeit entgegentreten

»Wir brauchen europaweit und vor Ort Zusammenarbeit, Gespräche, aber auch den Mut, Menschen entgegenzutreten, die durch Verallgemeinerungen und das Schüren von Ängsten Fremdenfeindlichkeit salonfähig machen«, betont Wenner. Ausdrücklich dankt die Bischöfin allen, die bereits angekommene Flüchtlinge begleiten und denen zur Seite stehen, die nicht bleiben könnten. Dadurch würden Ängste und Vorurteile abgebaut. »Zeichen der Solidarität sind immer noch nötig«, erklärt Wenner und regt an, das zusammen mit anderen im Herbst eingeführte »Band des Willkommens« noch stärker einzusetzen. Sie ist überzeugt, dass der Einsatz für »Menschen, die wir willkommen heißen« nicht nur diesen Menschen hilft: »Auch wir selbst werden Segen empfangen, wenn wir einander zum Nächsten werden.«

Klaus Ulrich Ruof

Weitere Informationen zum Thema:

Kommission der Kirchen für Migranten in Europa 

Eurodiaconia

 

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