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»Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi?« (1. Korinther 10,16)

Mittwoch, 2. März 2016

Das Abendmahl steht allen offen

Diederich Lüken mit Gedanken zu einem Vers aus dem 1. Korinther: »Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi?«

Das Abendmahl wurde von Gott eingesetzt. Das behauptete John Wesley in seinem Tagebuch am 27. Juni 1740. Das befremdet den heutigen christlichen Leser ein wenig: War es denn nicht Jesus selbst, der mit seinen Jüngern am letzten Abend vor seinem Prozess das Abendmahl einsetzte? Gewiss, so war es; doch im Leben und Handeln des Jesu von Nazareth lebte und handelte Gott unter den Menschen; und heute, wo wir Jesus nicht mehr leibhaftig bei uns haben, ist es noch genauso.

Das Abendmahl wurde eingesetzt, so Wesley weiter, um den Menschen die Gnade Gottes zu vermitteln. Diese Gnade hat nach Wesley eine dreifaltige Wirkung: Sie wirkt als vorlaufende, als rechtfertigende und als heiligende Gnade. Das methodistische Verständnis des Abendmahls hat sich also nach diesen drei Wirkungen der göttlichen Gnade auszurichten.

Mit der vorlaufenden Gnade meint Wesley, dass kein Mensch von sich aus die Möglichkeit hat, Gott zu suchen oder gar zu erkennen. In dem Augenblick, in dem ein Mensch sich trotzdem für die Frage nach Gott ernsthaft öffnet, begegnet er schon der Gnade Gottes, auch wenn er noch keine Lebenswende vollzogen hat. Wenn die Seele eines Menschen nach Gott dürstet, wie es im Psalm 42 heißt, wird sie schon bewegt von der vorlaufenden Gnade.

Das Abendmahl steht allen offen

Für das Verständnis des Abendmahls bedeutet das: Wer immer an einem Abendmahlsgottesdienst teilnimmt, sei er Methodist, Katholik oder Nichtchrist, sei er Kind oder Erwachsener, hat das Recht, auch an der Feier des Abendmahls teilzunehmen. Denn es ist Gott, der ihn in diesen Gottesdienst geführt hat, es ist seine vorlaufende Gnade, die ihm zuteil geworden ist. Deshalb steht in unserer Kirche das Abendmahl jedem offen, der daran teilnehmen möchte.

Allerdings hoffen wir, dass es nicht bei dieser vorlaufenden Gnade bleibt. Der Mensch braucht, wenn er Christ werden will, auch die rechtfertigende Gnade Gottes. Das heißt, dass er erkennt und es ergreift: Jesus Christus, dessen Leib und Blut ihm zeichenhaft im Abendmahl gereicht wurden, ist für ihn, den Sünder, gestorben, ohne sein Zutun und Verdienst. Er ist dadurch vor Gott gerechtfertigt, und zwar allein aus Gnade. Diese Gnade wird ihm in der Feier des Abendmahls angeboten; es ist nun an ihm, sie anzunehmen und Ja zu ihr zu sagen. Das ist die Lebenswende, die ihn zu einem Glied der Gemeinde Jesu Christi macht. Auch sie kann ihm nur von Gott geschenkt werden.

Die dritte Wirkung der Gnade, die uns im Abendmahl begegnet, betrifft den, der die rechtfertigende Gnade Gottes schon erlebt und bejaht hat. Es ist die heiligende Gnade. Damit meint Wesley, dass der Mensch, der von der rechtfertigenden Gnade ergriffen wird, sich nun aktiv von der Sünde abwendet und Gottes Willen zu tun bestrebt ist. Heiligung bedeutet in diesem Sinn, dass der Glaubende die biblischen Weisungen für das Leben mit Gott und in der Welt befolgt. Das betrifft seine Gedanken, Worte und Werke und äußert sich nicht nur in seiner privaten Frömmigkeit, sondern ebenso in seinem Engagement zum Beispiel für sozial Benachteiligte und für die Gerechtigkeit. Die Feier des Abendmahls vermittelt ihm dieses als Gnade, weil er es aus sich selbst heraus niemals entwickeln könnte – auch die Heiligung ist Geschenk Gottes.

Diederich Lüken

Foto: MEV/Atelier Arnold