Anneliese Weigt geb. Sievert, 1931-2016

Anneliese Weigt geb. Sievert, 1931-2016

Zum Tod von Anneliese Weigt

»Der Zeit immer voraus«

Die ehemalige Korea-Missionarin und spätere langjährige Vorsitzende des EmK-Frauenwerks, Anneliese Weigt, ist im Alter von 84 Jahren verstorben.

Am vergangenen Dienstag, den 15. November, verstarb Anneliese Weigt kurz vor ihrem 85. Geburtstag. Durch ihre 12-jährige Missionstätigkeit in Korea und 16 Jahre als Vorsitzende des Frauenwerks war die Verstorbene weit über die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) in Deutschland hinaus bekannt. Ungewöhnliche Wege und ein unermüdliches Engagement sind Kennzeichen des bewegenden Lebens von Anneliese Weigt. Sie war »der Zeit immer voraus«, fasst Martin Brusius, der sie zuletzt begleitende Pastor ihrer Mainzer EmK-Gemeinde, ihr Leben zusammen.

Opposition machen

Eigentlich schien der Weg der 1931 östlich von Cottbus in Forst in der Lausitz geborenen Anneliese Sievert vorgezeichnet. Als Tochter eines SED-Funktionärs war sie im östlichen Nachkriegsdeutschland selbst bereits mit einer Funktionärstätigkeit bei der kommunistischen FDJ aktiv. Der Besuch einer christlichen Jugendgruppe veränderte alles. Eigentlich ging sie nur hin, »um Opposition zu machen«, wie sie es in einem Zeitungsinterview schilderte, und um den jungen Leuten dort »den Glauben an das übernatürliche Wesen ›Gott‹ madig zu machen«. Stattdessen fand sie Gefallen am Glauben und begann 1952 mit 21 Jahren als damals sogenannte Prediger-Gehilfin in Frankfurt an der Oder und Guben den damals Frauen eigentlich noch versperrten Weg ins Predigtamt. Nach einem einjährigen Studienauftakt am Predigerseminar in Frankfurt am Main setzte sie ihre Ausbildung an der Bibelschule und dem Missionsseminar Berlin-Lichterfelde fort. Um für den Missionsdienst, die damals für Frauen einzige Möglichkeit einen quasi pastoralen Dienst auszuüben, gut vorbereitet zu sein, ergänzte sie ihre Qualifikation mit einer Ausbildung als Schwesternhelferin in Nürnberg und mit einem Sprachstudium in England.

Gemeinsame Erfahrungen in geteilten Ländern

Ihre Erfahrungen aus dem geteilten Deutschland und weil sie selbst im Osten Deutschlands aufgewachsen war, weckten in ihr den Wunsch, als Missionarin in das ebenfalls geteilte Korea ausgesandt zu werden. Dorthin reiste sie 1959 aus und wurde, nach einem einjährigen Sprachstudium im südkoreanischen Seoul, in der Grenzregion zu Nordkorea für 62 Gemeinden verantwortlich. Um ihrer pastoralen Tätigkeit in der Mission Rechnung zu tragen und sie darin auch formal zu stärken, wird sie im Mai 1966 während eines Heimataufenthaltes bei der in Berlin-Neukölln tagenden Nordwestdeutschen Jährlichen Konferenz zur Pastorin ordiniert. Während 12 Jahren leistete sie in Korea einen vielbeachteten und nachhaltigen Dienst. Im Bibel- und Missionsmuseum von Seoul ist auch ihr Name in einer hunderte Namen zählenden Wandinstallation eingraviert, in der die Christen in Korea den Einsatz und die Dienste der Missionare für ihr Land dankbar erinnern. Wegen Komplikationen nach einer Rückenoperation muss sie 1971 ihren Missionsdienst in Korea vorzeitig beenden.

Förderung eines neuen Selbstverständnisses von Frauen

Bald nach ihrer Rückkehr wird sie Ehefrau und Mutter von vier Töchtern, als sie den Witwer Alfred Weigt heiratet. Neben ihren familiären Aufgaben findet sie neue und erfüllende Aufgaben in der Kommission, die die Arbeit der EmK-Weltmission begleitet. Auch im damals noch so genannten »Frauendienst« engagiert sie sich und prägt die Arbeit während ihrer 16 Jahre als Vorsitzende nachhaltig. Zunächst von 1980 an im Frauendienst der EmK in Westdeutschland und dann in der vereinigten EmK von 1992 an bis 1996. In dieser Zeit verändert sich das Selbstverständnis der Frauen und der Frauenarbeit. Anneliese Weigt unterstützt und fördert diese Veränderung, was sich auch in der Namensänderung von »Frauendienst« zu »Frauenwerk« niederschlägt. »Weil nicht nur Frauen dienen«, wie sich eine Mitarbeiterin und Weggefährtin Weigts anerkennend »an diese bewegenden Zeiten« erinnert.

Neues Führungsmodell: Leitung zu zweit

Zudem erwirken die Frauen unter dem Einsatz der in Führungsaufgaben erfahrenen Koreamissionarin eine dauerhafte Mitarbeit im EmK-Kirchenvorstand. Die damals auch zulasten des Sitzes der Frauen geplante Verkleinerung des Kirchenvorstands, bleibt aufgrund einer auch von Männern mitgetragenen Intervention eine Reminiszenz der Geschichte. Die feste Verankerung von Frauen in der Mitarbeit des Kirchenvorstands ist seither nicht mehr wegzudenken. Anfang der neunziger Jahre ebenfalls neu, und heute in vielen kirchlichen und politischen Ämtern und Gremien längst akzeptiert, ist die damals in der neuen Ordnung des Frauenwerks vorgesehene »Doppelspitze« der gemeinsamen Leitung durch zwei Frauen, die miteinander diese Beauftragung wahrnehmen. Damit sollte Frauen, die durch Haushalt, Familie, Beruf und Ehrenamt mehrfach belastet sind, eine verantwortliche Mitarbeit in der Kirche ermöglicht werden.

Profiliert über die eigene Kirche hinaus

Neben ihren Aufgaben innerhalb der EmK in Deutschland war Anneliese Weigt auch im Deutschen Komitee und Redaktionsausschuss für den Weltgebetstag der Frauen tätig und hat sich in der Zusammenarbeit mit der Weltmission immer auch für die Förderung und Ausbildung von Frauen in anderen Teilen der Welt engagiert. Mit ihr verliert die EmK eine profilierte Frau, die über die Kirche in Deutschland hinaus in der Ökumene und in Fachkreisen hohes Ansehen genoss.

Der Autor

Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links

www.emk-frauen.de