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Auf den Spuren der Herrnhuter. Die Teilnehmer der Tagung für internationale Gemeinden und Migrantengemeinden besuchten von Braunfels aus das nur 80 Kilometer entfernt gelegene Herrnhaag. Auf der unweit von Herrnhaag gelegenen Ronneburg trafen sich im Jahr 1738 John Wesley und Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf zu einem Gespräch. Das Gruppenbild ist vor der Ronneburg aufgenommen.

Auf den Spuren der Herrnhuter. Die Teilnehmer der Tagung für internationale Gemeinden und Migrantengemeinden besuchten von Braunfels aus das nur 80 Kilometer entfernt gelegene Herrnhaag. Auf der unweit von Herrnhaag gelegenen Ronneburg trafen sich im Jahr 1738 John Wesley und Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf zu einem Gespräch. Das Gruppenbild ist vor der Ronneburg aufgenommen.

Samstag, 30. Januar 2016

Die Beratungsrichtung umkehren

Wie Migrantengemeinden ihre Chancen ergreifen und Europa mitgestalten können, stand im Mittelpunkt einer fünftägigen Fortbildung in Braunfels.

Von Sonntag bis Donnerstag (24. bis 28. Januar) trafen sich über 60 Mitarbeiter von internationalen und Migrantengemeinden aus ganz Europa im hessischen Braunfels. Die meisten dieser Leitungspersonen sind selbst nach Europa immigriert. Die jährlich stattfindende Tagung dient der Fortbildung und Zurüstung und stand in diesem Jahr unter dem Thema »Mission und Evangelisation«.

Im Rahmen der Vorträge und Workshops berichtete Alessandra Trotta, Präsidentin des methodistischen Werkes in der Union der Methodistischen und der Waldenserkirche, von ihren Erfahrungen. »Gemeinsam Kirche zu sein« ist das erklärte Ziel dieser Kirche. Um dieses Leitbild umzusetzen, bedenken die Gemeinden zwei Kernfragen. Die »Einheimischen« würden danach gefragt, ob sie ihre Gewohnheiten und überkommenen Bräuche zur Diskussion stellten. Die »Nicht-Einheimischen« würden gefragt, ob sie bereit seien, sich nicht nur um eingewanderte Landsleute zu kümmern und ob sie die Gesellschaft, in der sie leben, verstehen sowie deren Bedürfnisse, Ängste und Errungenschaften anerkennen wollten. Gemeinden, die sich diesen Fragen öffneten, böten »ein Leben, in dem es zugeht wie in einer Werkstatt. Wenn Leute in eine solche Gemeinde kommen, spüren sie den Geist, der dort herrscht«, beschrieb Trotta die Auswirkung dieses Zusammenlebens.

Mit der Frage, wie dem »stillen Abgang« der zweiten und dritten Generation in Migrantengemeinden begegnet werden könnte, beschäftigte sich Kirk Sims. Der amerikanische Pastor hat einige Jahre in Ghana gearbeitet und schließt gerade ein Forschungsprojekt zur Situation ghanaischer Christen im Mutterland und in Europa ab. Aus seiner Erfahrung in internationaler Gemeindearbeit beschrieb er die besondere Chance der oft im neuen Heimatland aufgewachsenen oder sogar dort schon geborenen nachwachsenden Generationen. Gerade sie könnten eine Brückenfunktion zwischen beiden Traditionen wahrnehmen. Sie wüssten um das Erbe, das die Elterngeneration aus der Heimat mitgebracht hätte und das deren Leben immer noch präge. Gleichzeitig seien sie mit dem Lebensstil der gesellschaftlichen Realität in Europa vertraut. Deshalb müssten Gelegenheiten geschaffen werden, viel mehr auf die Erfahrungen dieser jüngeren Generation zu hören. Dazu seien generationenübergreifende und interkulturelle Gruppen nötig sowie Gottesdienste, die in Länge, Musikstil, Sprache und Themen ihren Bedürfnissen entsprächen. Wenn die Beratungsrichtung umgekehrt werden könnte, also die Erfahrungen dieser Generation angehört und aufgegriffen würden, könnte die Lebenswirklichkeit der Jüngeren für die Gemeinden sehr hilfreich sein.

Erstmalig bei dieser Tagung dabei war der Pastor einer Gemeinde aus Griechenland. Der aus den USA stammende und seit vielen Jahren mit einer Griechin verheiratete Michael Long leitet im nordgriechischen Thessaloniki eine Gemeinde, die zur Freien Methodistischen Kirche gehört. Bei der Tagung und in einem Kurzinterview (Opens external link in new windowzum Video auf YouTube, engl.) durch den Sekretär der EmK-Weltmission, Frank Aichele, berichtete er darüber, wie seine kleine Gemeinde den an Thessaloniki vorbeiziehenden Flüchtlingen helfe. Mehrmals in der Woche seien sie an der nur 80 km entfernten Landesgrenze zu Mazedonien, um dort Flüchtlingen mit Essen, Kleidung und medizinischer Unterstützung zu helfen. Es sei eine überwältigende Arbeit, »die einfach über uns kam«, erklärt Long. Die sonntags von rund 50 Personen besuchte Gemeinde könne zwar keine Langzeithilfe anbieten, »aber wir tun, was wir können«.

»Wie wir mit Migranten und Migrantinnen zusammen Kirche sein können, wird angesichts der vielen Menschen, die nach Europa kommen, immer bedeutender«, erklärte Rosemarie Wenner, die Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland, am Rande der Tagung. Es sei unbedingt nötig, interkulturelle Erfahrungen zu machen. Dazu biete ein solches internationales Treffen ein Lernfeld und bereichernde geistliche Erfahrungen.

Klaus Ulrich Ruof

Foto: © Ullas Tankler