Bischof Bruce Ough, der Präsident des EmK-Bischofsrats, spricht die Delegierten der Generalkonferenz der EmK in Portland, US-Bundesstaat Oregon, im Mai 2016 an.

Bischof Bruce Ough, der Präsident des EmK-Bischofsrats, spricht die Delegierten der Generalkonferenz der EmK in Portland, US-Bundesstaat Oregon, im Mai 2016 an.

Bischofsrat

Die EmK auf dem »Weg in die Zukunft«

Unter der Bezeichnung »Ein Weg in die Zukunft« setzt der EmK-Bischofsrat Planungen in Gang zur Klärung strittiger Fragen in der Kirche.

Angesichts andauernder und unüberbrückbarer Gegensätze in Fragen zur menschlichen Sexualität hatte die im Mai im US-amerikanischen Portland tagende Generalkonferenz einem Vorschlag des Bischofsrats zugestimmt, eine Sonderkommission einzusetzen (emk.de berichtete). Bei einem Treffen in Nashville (US-Bundesstaat Tennessee) setzte das Exekutiv-Komitee des internationalen Bischofsrats der EmK jetzt den Rahmen für die Besetzung und Arbeitsweise dieser Sonderkommission.

Unter der Bezeichnung »Ein Weg in die Zukunft« wird diese Kommission die Frage bearbeiten, wie die Einheit der Kirche angesichts großer Unterschiede im Umgang mit dem Thema Homosexualität gestaltet werden kann. Eventuell wird der Bischofsrat auch eine außerordentliche Tagung der Generalkonferenz einberufen. Mit dem Vorsitz und der geistlichen Leitung der Kommission wurden zwei Bischöfe und eine Bischöfin betraut. Aus den USA der Bischof der Florida-Konferenz und designierte Vorsitzende des Bischofsrats ab 2018, Ken Carter, und die Bischöfin der West Virginia-Konferenz, Sandra Steiner Ball, sowie aus Afrika der Bischof der Konferenz Zentral-Kongo, David Yemba. Bis Ende August sollen die Namen von 20 bis 25 Personen bekanntgegeben werden, die die Kommission bilden werden. Wenn möglich soll die Kommission im Oktober dieses Jahres ihre Arbeit aufnehmen.

Das Exekutiv-Komitee des Bischofsrats wies bei seiner Sitzung am 19. und 20. Juli darauf hin, dass sich seit der Tagung der Generalkonferenz im Mai »die Situation dramatisch verändert hat«. Mehrere Jährliche Konferenzen hatten zwischenzeitlich offiziell ihren Ungehorsam gegenüber den Vorschriften der Kirchenordnung im Hinblick auf das ordinierte Amt und Homosexualität (declaration of non-compliance) erklärt. Daneben hatte eine Gruppe von 40 Geistlichen und Laien für Oktober die Gründung eines »Wesleyanischen Bundes« (Wesleyan Covenant Association) zur »Wahrung des methodistischen Erbes« angekündigt. Zudem wurde mit Karen Oliveto, Pastorin an der Glide Memorial-Gemeinde der EmK im kalifornischen San Francisco, erstmals eine mit einer Frau verheiratete Lesbierin zur Bischöfin gewählt. »Das alles hat«, so das Exekutiv-Komitee, »tiefe Wunden in der EmK gerissen und schürt die Angst vor einer Spaltung.« Die Kirche befinde sich aus Sicht des Exekutiv-Komitees in einer »extrem zerbrechlichen« und »höchst angefochtenen« Lage.

Bereits kurz nach der Wahl von Karen Oliveto zur Bischöfin hatte der Präsident des Bischofsrats, Bruce Ough, eine Stellungnahme abgegeben. Darin bestätigte er, dass das Recht zur Wahl von Bischöfen oder Bischöfinnen allein bei den Zentralkonferenzen oder in den USA bei den Jurisdiktionalkonferenzen liege. Zur Wahl zugelassen seien unbescholtene Pastoren oder Pastorinnen. Da Karen Oliveto als neugewählte Bischöfin bekanntermaßen in einer lesbischen Beziehung lebe, beobachte der Bischofsrat die Lage sehr genau. Allerdings habe der Bischofsrat laut EmK-Verfassung kein Recht, in die Hoheit von Jährlichen Konferenzen, Zentralkonferenzen oder Jurisdiktionalkonferenzen einzugreifen. Dies gelte auch für Bischofswahlen. »Allerdings ist uns klar«, so Ough in seiner Stellungnahme, »dass der Bischofsrat aus Sicht der Kirche für die geistliche Leitung zuständig ist und dass von den Bischöfen und Bischöfinnen die Einhaltung der Versprechen erwartet wird, die sie bei der Einführung ins Bischofsamt abgeben.« Jetzt sei die Kirche in einer Situation, in der einige »diese Wahl als Verletzung des Kirchenrechts und als einen deutlichen Schritt hin zu einer Spaltung ansehen«. Gleichzeitig gebe es andere, »die die Wahl als Meilenstein zu einer inklusiveren Kirche feiern«. Andere wiederum würden in dieser Wahl »eine Störung, wenn nicht sogar eine mutwillige Beeinträchtigung« der Arbeit der Sonderkommission sehen, die vom Bischofsrat gerade eingerichtet wird.

Trotzdem setze der Bischofsrat seine Hoffnung weiterhin in Christus. Auch wenn die EmK derzeit uneins und zerbrechlich sei, könne sie »ein starkes Zeugnis der verändernden Liebe Gottes und der rettenden Gnade unseres Herrn Jesus Christus sein«. Kirche müsse, so der Bischofsratsvorsitzende, nicht konfliktfrei sein. Es gehe vielmehr darum, wie mit Konflikten umgegangen werde. Deshalb halte der Bischofsrat am eingeschlagenen »Weg in die Zukunft« und der Bildung der Sonderkommission fest. »Unsere Differenzen sind sichtbar und können nicht beschönigt werden, aber sie sind überbrückbar«, erklärt Bischof Ough. Dafür brauche es »regelmäßiges und leidenschaftliches Gebet für das Zeugnis und die Einheit der EmK«.

Christian Alsted, der Vorsitzende des Connectional Table, einer Art internationaler Kirchenvorstand der EmK, unterstützt die Stellungnahme des Bischofsratspräsidenten. Der für die Zentralkonferenz von Nordeuropa zuständige Bischof bittet darum, »die Entscheidung der Generalkonferenz als oberstes Organ der Kirche zu respektieren«. Der Sonderkommission solle für ihre Arbeit Zeit und Raum gewährt werden, »während wir beten, dass der Heilige Geist ihnen die nötige Weisheit und Einsicht schenkt«. Parallel dazu »sollten wir die Gelegenheit nutzen und unsere Ressourcen und unser Augenmerk auf die Bedürfnisse dieser Welt richten, in der Gott am Wirken ist«.

»Vor uns liegen große Aufgaben«, kommentiert die für die EmK in Deutschland zuständige Bischöfin Rosemarie Wenner die aktuelle Situation. Es sei aber möglich, einander den Raum für Vielfalt zu geben, »solange wir uns in der wichtigsten Aufgabe einig sind: Menschen in Jesu Nachfolge einladen, um die Welt zu verändern«. Sie bete dafür, »dass wir beieinander bleiben, um ein Zeichen zu setzen, dass unterschiedliche Meinungen uns nicht daran hindern, gemeinsam auf Christus zu hören und ihn zu bezeugen als den, der uns und die Welt mit Gott versöhnt«.

Klaus Ulrich Ruof

Foto: Mike DuBose, UMNS

Weitere Informationen

Statement von Bischof Bruce Ough (englisch): www.umc.org/news-and-media/cob-president-addresses-western-jurisdiction-episcopal-election-results

Statement des Exekutiv-Komitees (englisch): s3.amazonaws.com/Website_Properties/news-media/press-center/documents/The_Commission_On_A_Way_Forward.pdf