Evangelische Allianz will Selbstverständnis klären

Kontroversen über die Bewertung von Homosexualität und die bevorstehende Wahl eines neuen Vorsitzenden prägen Beratungen der Evangelischen Allianz.

Der Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) traf sich am 8. und 9. März 2016 in Bad Blankenburg zur turnusmäßigen Frühjahrssitzung. Dabei stand die Kontroverse über die Bewertung praktizierter Homosexualität im Mittelpunkt. Diese war durch zwei Interviews Michael Dieners, des Vorsitzenden der DEA, mit der Zeitung »Die Welt« und mit dem Medienmagazin »pro« im Dezember letzten Jahres ausgelöst worden. Im Januar hatte sich daraufhin unter der Leitung von Ulrich Parzany ein »Netzwerk Bibel und Bekenntnis« als Gegenposition formiert. Sogar säkulare Medien hatten von dieser Kontroverse Notiz genommen und teilweise ausführlich berichtet.

Im Bewusstsein um unterschiedliche Positionen innerhalb der Evangelischen Allianz, hat der Hauptvorstand die Erklärung des Geschäftsführenden Vorstands vom 22. Dezember letzten Jahres bestätigt, in der auf eine Stellungnahme aus dem Jahr 2009 Bezug genommen wird. Unter dem Titel »Sucht der Stadt Bestes« heißt es dort, dass Vertretern einer anderen geschlechtlichen Orientierung »mit Respekt und Würde« begegnet wird. Allerdings werde »praktizierte Homosexualität – wie andere Formen der außerehelichen Sexualität – grundsätzlich als unvereinbar mit der für den christlichen Glauben maßgebenden biblischen Ethik angesehen«. Ausgelöst durch diese Kontroverse sehe der Hauptvorstand die Notwendigkeit, intensive Gespräche weiterzuführen. Darin sollen unter anderem Ergebnisse verschiedener Foren der letzten Jahre zum Thema Homosexualität einfließen.

Angesichts der aus unterschiedlichen Richtungen an die DEA herangetragenen Forderungen zu einer eindeutigen Positionierung und Stellungnahme sieht sich die DEA zudem gefordert, sich mit verschiedenen Verständnissen von Evangelischer Allianz in ihrer Bekenntnisorientierung, als Einheitsbewegung, Dach oder Netzwerk zu beschäftigen. Damit wird sich die Herbstsitzung des Hauptvorstands intensiv auseinandersetzen. Darüber hinaus ist in der Herbstsitzung auch ein neuer Vorsitzender zu wählen. Michael Diener, der dieses Amt dann fünf Jahre innehatte, steht als Vorsitzender nur bis Ende 2016 zur Verfügung. Dies hatte er mit Blick auf sein Hauptamt als Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes bereits im zurückliegenden Herbst für den Fall seiner Wahl in den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland intern angekündigt. Nach seiner im November 2015 erfolgten Wahl gab der Hauptvorstand nun offiziell bekannt, dass ein neuer Vorsitzender zu wählen ist.

Klaus Ulrich Ruof

Grafik: ead.de