Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK)

Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK)

Ökumene

Gemeinsam aus der Reformation lernen

Unter dem Titel »Versöhnt miteinander« ruft die ACK dazu auf, Impulse der Reformation aufzunehmen und wechselseitig voneinander zu lernen.

Bei ihrer Mitgliederversammlung Ende September in Augsburg verabschiedete die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) unter dem Titel »Versöhnt miteinander« ein Wort anlässlich der 500-Jahr-Feiern der Reformation im kommenden Jahr. Mit einem feierlichen Gottesdienst und einem sich anschließenden Festakt präsentierte die ACK in Augsburg ihr Wort zur Reformation der Öffentlichkeit. In diesem Wort wird dazu aufgerufen, die Impulse der Reformation aufzunehmen und wechselseitig voneinander zu lernen. Außerdem werden Perspektiven und Zugänge auf die Feier des Reformationsjubiläums als Christusfest entworfen. In verschiedenen Schritten regt das Papier dazu an, das Jahr 2017 ökumenisch zu betrachten, gemeinsam Impulse der Reformation aufzunehmen, die Folgen der Kirchenspaltung zu bedenken und im gemeinsamen Lernen die Zukunft ökumenisch zu gestalten. »Gemeinsam leben wir in dem Bewusstsein, dass die Gaben des Geistes Gottes, die in einer christlichen Kirche bewahrt worden sind und gegenwärtig gelebt werden, auch andere Kirchen bereichern können«, heißt es in dem Wort. Gemeinsam könne man die durch die Reformation wieder in den Mittelpunkt gerückten biblischen Einsichten ökumenisch feiern. Dazu gehörten die Wertschätzung der Bibel als der gemeinsamen Basis des Glaubens, die Ausrichtung des christlichen Glaubens an der Gnade Gottes sowie die Überzeugung von dem in Glaube und Taufe begründeten Priestertum aller an Christus Glaubenden. Dies sei untrennbar vom Gedenken an die zahlreichen Opfer religiös motivierter Gewalt: »Kriege, Vertreibungen und Hinrichtungen wurden im Namen Gottes gerechtfertigt«, beklagen die Kirchen in dem Wort. Daher wolle man sich gemeinsam um die Heilung der leidvollen Erinnerungen bemühen.

Unersetzlicher Blick der Ökumene auf die Reformation

»Das Wort ist unersetzlich und eine wichtige Ergänzung zu den Bemühungen der beiden großen Kirchen in Deutschland, weil es die multilaterale Perspektive der Gaben berücksichtigt«, sagte Bischof Karl-Heinz Wiesemann (Speyer), Vorsitzender der ACK in Deutschland. Es sei nicht selbstverständlich, dass man in der Vielfalt der Mitgliedskirchen der ACK gemeinsam die konfliktreiche Geschichte der Reformation bedenke und gemeinsam in die Zukunft blicke. »Wir können gemeinsam dankbar auf die Reformation schauen, weil wir von der Reformation gelernt und profitiert haben«, so Wiesemann. Er ermutigte dazu, auch auf regionaler und lokaler Ebene in den ACKs gemeinsam auf das Jahr 2017 zuzugehen und dieses zu gestalten. In dem Festakt übergab Bischof Wiesemann dafür symbolisch das Wort an den Vorsitzenden der ACK in Bayern, Prälat Bertram Meier (Augsburg). Meier sah das Wort als »Steilvorlage für die regionalen und lokalen ACKs« an. Eine Ökumene der Defizite sei kein Weg, unterstrich Meier. Vielmehr bestehe die Ökumene in einer »Tugend der Empathie«, in der man »auch in den Sandalen der anderen Kirche laufen« müsse.

Freiheit gibt es nur in Beziehung – Studientag der ACK

Ausgehend von den Grundanliegen der Reformation hat sich die Mitgliederversammlung bei einem gemeinsamen Studientag mit den Geschäftsführern der regionalen ACKs mit dem Thema »Freiheit« beschäftigt. Der Freiburger katholische Moraltheologe Eberhard Schockenhoff würdigte Martin Luthers Freiheitsverständnis, das für ein Verständnis der Freiheit im christlichen Glauben prägend geworden sei. Selbsttätigkeit und Freiheit des Menschen würden nicht seiner Abhängigkeit von Gott widersprechen, sagte Schockenhoff. »Je abhängiger von Gott, umso mehr ist der Mensch in seiner Freiheit.« Diese Abhängigkeit der Freiheit von Beziehungen unterstrich die evangelische Dogmatikerin Elisabeth Gräb-Schmidt (Tübingen). Luthers Freiheitsverständnis habe herausgestellt, dass die Selbstbestimmung des Menschen durch den Glauben an Gott befördert werde. »Christen sollen die Freiheit so gebrauchen, dass sie sich als verantwortliche Wesen begreifen.« Die baptistische Kirchengeschichtlerin Andrea Strübind aus Oldenburg verwies darauf, dass es vor allem die täuferischen und unabhängigen Kirchen waren, die aus den Freiheitsimpulsen der Reformation auch politische Forderungen für Toleranz ableiteten. »Die kirchliche und staatliche Toleranz sollte auch anderen Religionen sowie Ungläubigen gelten«, stellte Strübind dar. Die orthodoxe Sicht auf die Freiheit vermittelte der orthodoxe Systematiker Daniel Munteanu (Bamberg/Targoviste). »Freiheit bedeutet Offenheit für das Feuer des Geistes Gottes, das Anerkennen der Einzigartigkeit jedes einzelnen Menschen, eine Hochschätzung des einzelnen Menschen, denn er ist fähig, das Licht des göttlichen Geistes zu empfangen«, sagte Munteanu. Daraus seien Konsequenzen für das eigene Handeln abzuleiten, die immer auch die Freiheit des anderen im Blick behalten müssen. »Freiheit gibt es nur in Beziehung«, fasste Bischof Wiesemann die Diskussion zusammen. Freiheit müsse immer einen kritischen Blick auf sich selbst behalten und brauche Grenzen, um sich als wirklich Freiheit entfalten zu können.

Evangelische Allianz als neue Beobachterin

Als neue ständige Beobachterin der Arbeit der ACK in Deutschland nahm erstmals die Evangelische Allianz teil. Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, bedankte sich bei der Mitgliederversammlung und stellte die Arbeit und das hohe ökumenische Interesse der Allianz vor.

Klaus Ulrich Ruof

Foto: Logo der ACK

Weitere Informationen

Die Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen ist das oberste, beschlussfassende Leitungsorgan der ACK. Sie besteht aus den 50 Delegierten der Mitglieder, Gastmitglieder sowie ständigen Beobachter, die von den Kirchen für die Dauer von fünf Jahren benannt werden. Die Mitgliederversammlung der ACK tagt in der Regel zweimal jährlich, im Frühjahr und im Herbst.

www.oekumene-ack.de

Link zum Dokument »Versöhnt miteinander«