Gott findet einen Weg, allen Menschen ohne Ausnahme sein Heil anzubieten.

Gott findet einen Weg, allen Menschen ohne Ausnahme sein Heil anzubieten.

Wort auf den Weg

Gott findet einen Weg, allen Menschen ohne Ausnahme sein Heil anzubieten.

Armin Hanf mit Gedanken zu einem Vers aus 1. Petrus »In der Kraft des Geistes Gottes ging Christus auch zu den Geistern im Gefängnis und verkündete ihnen seinen Sieg.« (1. Petrus 3,19)

Als ich Jugendlicher war wurde in den Gemeinden heftig darüber diskutiert, ob wir das Apostolische Glaubensbekenntnis vollständig mitsprechen könnten oder nicht. Der Satz: »Jesus Christus – niedergefahren zur Hölle« gehörte für uns nicht zur biblischen Botschaft. Es war dann befreiend, als nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in Rom in den Jahren 1968 bis 1970 für den deutschsprachigen Raum eine neue Formulierung erarbeitet wurde, nämlich: »Jesus Christus – hinabgestiegen in das Reich des Todes.« Denn mit dem Wort »Hölle« sind meiner Meinung nach zu viele Missverständnisse verbunden. In den Evangelien werden im Griechischen drei verschiedene Begriffe verwendet, die in der Lutherübersetzung alle mit »Hölle« wiedergegeben werden. Im ersten Petrusbrief, auf den sich der Satz im Bekenntnis bezieht, steht eine vierte Vokabel, die eigentlich »Gefängnis« bedeutet. »In der Kraft des Geistes Gottes ging Christus auch zu den Geistern im Gefängnis und verkündete ihnen seinen Sieg« (1.Petrusbrief 3,19).

Warum ist Jesus »niedergefahren zur Hölle« oder »hinabgestiegen in das Reich des Todes«? Unerträglich empfinde ich die Vorstellung, Jesus würde den Verdammten Vorhaltungen machen, sie hätten sich das selbst eingebrockt mit ihrem »Nicht-an-Jesus-glauben-Wollen«! Gelten denn irgendwo oder irgendwann die Worte, die Jesus gesprochen hat, nicht mehr als Evangelium? Die Gute Nachricht von Jesus Christus, dem Mensch gewordenen Gottessohn, ist Frohbotschaft. Er sagt: Ich bin gekommen, um die Verlorenen zu suchen und zu retten (Lukas 19,10). Und die Gute Nachricht ist Trostbotschaft, wie es die Jahreslosung für 2016 unübertrefflich sagt: Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet (Jesaja 66,13). Ich bin davon überzeugt: Dieses Evangelium erreicht jeden Ort und es gilt jederzeit. Nun kommt es nicht nur daraufan, dass die Botschaft gut ist; sie soll auch angenommen werden. Ohren und Herz sind zu öffnen, damit Vertrauen, Dank und Freude bei den Angesprochenen geweckt werden können.

Schon die ersten Christen fragten, welches Schicksal denjenigen blühe, die lebten und gestorben sind, ehe Jesus in die Welt kam. Ein weiterer Vers aus dem ersten Petrusbrief zeigt uns dies: »So wurde sogar den schon Verstorbenen die Gute Nachricht verkündet damit sie auch die Möglichkeit erhalten, zum Leben bei Gott zu gelangen« (1.Petrus 4,6). Dieselbe Frage treibt bis heute gläubige Menschen um, wenn sie an die Mitmenschen denken, denen die Botschaft vom Heil durch den Glauben an Jesus Christus nie wichtig war oder nie verständlich und einladend nahe gebracht wurde. Und das besonders, wenn es sichum ihre eigenen Eltern, Kinder oder Ehepartner handelt. Auf diese Frage antwortet das Wort aus dem Petrusbrief und der Satz im Glaubensbekenntnis: Gott findet einen Weg, allen Menschen ohne Ausnahme sein Heil anzubieten. Nun fragen wir vielleicht noch: Gibt es denn keinen Unterschied zwischen denen, die zu Lebzeiten das Wort aus dem Mund von Jesus hören und annehmen und denen, die es erst jenseits des Todes erreicht? Doch, da bleibt ein Unterschied. Wir, die wir leben und die Gnade des Glaubens an Jesus empfangen haben, können ihm hier schon dankbar dienen. Die Gemeinschaft mit Jesus prägt unser Leben.

Armin Hanf
ist Pastor im Ruhestand und lebt in Kassel.

Foto: pixelio.de; pexels.com / CC0
Entnommen aus »unterwegs« 23/2016