Aus Seenot gerettete Flüchtlinge aus Afrika auf dem Weg nach Lampedusa, Italien

Aus Seenot gerettete Flüchtlinge aus Afrika auf dem Weg nach Lampedusa, Italien

Italien: Humanitäre Korridore für Flüchtlinge

Kirchliche Organisationen vereinbarten mit der italienischen Regierung eine sichere Anreise von Flüchtlingen aus dem Nahen Osten und Nordafrika.

Der Staat stellt Visa, aber kein Geld bereit, die protestantischen und katholischen Organisationen sorgen für die Reise, die Unterkunft und die Integrationsmöglichkeiten der Flüchtlinge. Das vereinbarten am 16. Dezember Vertreter der Evangelisch-waldensischen Kirche, der Vereinigung der evangelischen Kirchen in Italien, der Gemeinschaft Sant‘Egidio und der italienischen Regierung. »Es ist ein Beispiel für Kirchen, kirchliche Organisationen, Regierungen und die internationale Gemeinschaft für die Zusammenarbeit im Interesse der Menschlichkeit«, hofft Olav Fykse Tveit, der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen.

Bedürftige werden bevorzugt

Nach Meldungen von Mitte Dezember waren im Mittelmeer im zurückliegenden Jahr etwa 3.700 Flüchtlinge gestorben oder wurden vermisst. Ab Anfang 2016 sollen etwa 1.000 Flüchtlinge per Flugzeug oder Schiff aus Nordafrika und dem Nahen Osten nach Italien reisen. Das Bündnis aus den kirchlichen Organisationen wird Büros im Libanon und in Marokko, später wahrscheinlich auch in Äthiopien, eröffnen. Die Chance für die gefahrlose Anreise sollen vor allem alleinerziehende Frauen, Kinder und andere bedürftige Menschen erhalten. Die von den italienischen Botschaften ausgestellten Visa werden nur für Italien gelten. Die kirchlichen Organisationen bezahlen die Anreise und sorgen für die Unterkunft, für Hilfe im Asylverfahren, für Bildungsmöglichkeiten und für Italienisch-Kurse. Sie haben viel Erfahrung mit Flüchtlingsarbeit.

Reinhold Parrinello

Foto: Vito Manzari from Martina Franca (TA), Italy | Wikimedia Commons CC-BY-2.0

Weitere Informationen

Evangelisch-waldensische Kirche (Chiesa Evangelica Valdese, CEV): Die CEV ist seit 1979 ein Zusammenschluss der italienischen Waldenser (etwa 30.000 Kirchenglieder) und  Methodisten (etwa 5.000 Kirchenglieder). Eine gemeinsame Synode und ein gemeinsames Theologisches Seminar fördern die Zusammenarbeit. Die Kirche ist Mitglied der FCEI (Erklärung siehe unten) und anderer ökumenischer Organisationen sowie im Weltrat methodistischer Kirchen und in der Weltgemeinschaft reformierter Kirchen.

Vereinigung der evangelischen Kirchen in Italien (Federazione delle chiese evangeliche in Italia, FCEI): Die FCEI wurde 1967 von Baptisten, Lutheranern, Methodisten und Waldensern gegründet. Heute gehören ihr sieben Mitgliedskirchen an.

Gemeinschaft Sant‘Egidio (Comunità di Sant‘Egidio): Die römisch-katholische Laienbewegung entstand 1968 als Initiative Jugendlicher in Rom. Heute gehören zu ihr etwa 60.000 Personen. Sie setzt sich in mehr als 70 Ländern für die Weitergabe des Evangeliums und im Dienst an den Armen ein. 1997 erhielt sie den Friedenspreis des Weltrates methodistischer Kirchen. Weitere Informationen der Gemeinschaft Sant'Egidio zu den humanitären Korridoren (deutsch).