Licht in der Dunkelheit

Licht in der Dunkelheit

»unterwegs«

Licht in der Dunkelheit

Wenn in der Adventszeit Kerzen mit ihrem Licht Stimmung verbreiten, atmen viele Menschen innerlich auf. Licht hebt die Stimmung.

Wie der Adventskranz bei uns die Vorfreude auf Weihnachten wachsen lässt, ist in Schweden das Luciafest ein fester Bestandteil der Adventszeit, der auch in Deutschland immer beliebter wird. Kalt und dunkel ist der Winter in Schweden. Für viele ist der Luciatag am 13. Dezember ein ersehnter Lichtblick. Dann wird die Dunkelheit von Kerzenprozessionen erhellt. An ihrer Spitze geht immer eine Lucia – ein Mädchen in weißem Gewand, mit rotem Tuch um die Taille. Auf dem Kopf trägt sie einen Kranz mit Kerzen. Obwohl dies kein offizieller Feiertag ist, wird er im ganzen Land gefeiert. Das Fest beginnt am Morgen in der Familie. Meistens übernimmt die älteste Tochter die Rolle der Lucia, weckt die Eltern und Geschwister mit Kostproben von Weihnachtsplätzchen. Bei Prozessionen wird Lucia von sechs weiteren Mädchen begleitet, die Kerzen in den Händen halten. Sie stimmen das Lied »Santa Lucia« an, das für Schweden die Weihnachtszeit so prägt wie »Stille Nacht« in Deutschland. Heute wird diese schwedische Tradition in anderen Ländern immer beliebter. Im Berliner Dom gehören Luciafeiern zum festen Bestandteil der Vorweihnachtszeit. Der Adventsmarkt in Nürtingen am Neckar wirbt damit, dass in der Dämmerung »die schwedische Lichterkönigin mit ihrem Gefolge durch die Kopfsteingasse zieht«.

Licht und soziales Engagement

Dieses Fest erinnert an die Heilige Lucia aus dem dritten Jahrhundert nach Christus. Sie soll aus der Familie eines reichen Römers stammen und erlebte um 300 nach Christus die Christenverfolgung unter Diokletian. Der Legende nach verweigerte sie sich einer Heirat, um ihr Keuschheitsgelübte halten zu können und wurde zur Märtyrerin. Das weiße Kleid symbolisiert ihre Unschuld, die rote Schleife erinnert an ihr Leiden. Sie kümmerte sich um Arme und Kranke und brachte verfolgten Christen Lebensmittel in ihre Verstecke. Um in der Dunkelheit beide Hände frei zu haben, soll sie einen Kerzenkranz auf dem Kopf getragen haben. Daran erinnert auch ihr Name Lucia, der so viel wie »die Leuchtende« heißt.

Im achtzehnten Jahrhundert entstand das Luciafest in Westschweden. Vor der Einführung des Gregorianischen Kalenders im Jahr 1752, war hier der 13. Dezember der kürzeste Tag im Jahr. Im Norden von Schweden geht die Sonne im Winter nicht auf, in Stockholm scheint sie wenige Stunden. Heute wird die Lichtsymbolik mit sozialem Engagement verbunden.

Jedes Dorf, jede Stadt wählt seine eigene Lucia, die am 13. Dezember Licht in die Dunkelheit bringt. Beliebt ist dieses Fest in Kindergärten und Schulen. Wochenlang üben die Kinder die traditionellen Lieder und lernen Gedichte, die in Seniorenzentren, Hospizen und anderen sozialen Einrichtungen vorgetragen werden.

Auf die Kritik, dass hauptsächlich Mädchen mit langen blonden Haaren zur Lucia gewählt werden, haben einige Kommunen reagiert. Das Aussehen allein sollte nicht im Vordergrund stehen. Zum Beispiel konnten die Wähler in Göteborg im Jahr 2013 nur Gesangsproben per Telefon abhören. Denn Singen soll Lucia können. In Malmö hieß die Lucia damals Caroline Johannesson. In einem Interview schilderte die 19-Jährige, warum sie sich beworben hatte: Sie sei Krankenpflegerin, arbeite in einem Hospiz und wolle Ärztin werden. Dabei sei sie selbst jahrelang krank gewesen, »ich war ein Pflegepaket«. Als Lucia wolle sie anderen Menschen Hoffnung geben.

Entnommen aus »unterwegs« 25/2016
Foto: wikipedia / gemeinfrei