Walter August Siering (1929-2016)

Walter August Siering (1929-2016)

Trauer

»Mut, auch kritische Fragen zu stellen«

Der ehemalige Superintendent und spätere Direktor des Stuttgarter Christlichen Verlagshauses, Walter August Siering, ist tot. Er wurde 86 Jahre alt.

Walter August Siering verstarb am vergangenen Sonntag (2. Oktober 2016) in Bremen im Alter von 86 Jahren. Während seiner Zeit als Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) war er unter anderem Superintendent in Berlin in der damaligen Nordwestdeutschen Konferenz der EmK und Direktor des Christlichen Verlagshauses in Stuttgart.

Als Sohn eines Pastors wurde Walter A. Siering 1929 im hessischen Kirchhain geboren und besuchte Volksschule und Oberschule in Flatow (Posen-Westpreußen). Als Jugendlicher war er begeisterter Segelflieger und wurde noch zum Ende des Zweiten Weltkriegs zur vormilitärischen Ausbildung auf die Insel Rügen einberufen. Nach seiner Flucht aus russischer Gefangenschaft und Übersiedelung nach Westdeutschland machte er eine Lehre als Textilchemielaborant. Mit der Entscheidung, Pastor der damaligen Evangelischen Gemeinschaft, einer der beiden Vorgängerkirchen der EmK, zu werden, begann er 1950 die Ausbildung mit einem Praktikum in Lübeck. Von 1951 an studierte er in Reutlingen und in Dayton (US-Bundesstaat Ohio)Theologie. Nach Gemeindediensten in Hamm (Westfalen), Duisburg, Gelsenkirchen und Solingen war er von 1976 an acht Jahre Superintendent im zur Bundesrepublik Deutschland gehörenden Westteil Berlins. Nach einem nur zweijährigen Gemeindedienst in Bremen übernahm er 1986 als Direktor des Christlichen Verlagshauses die Verantwortung für die Verlagsarbeit der Evangelisch-methodistischen Kirche in einer wirtschaftlich schwierigen Phase. Diese Aufgabe hatte er nur zögerlich übernommen. Mit großer Erleichterung konnte er sieben Jahre später mit seinem Eintritt in den Ruhestand das Christliche Verlagshaus „mit schwarzen Zahlen“ in die Hände des Nachfolgers übergeben. Den Ruhestand verbrachte er mit seiner Frau nach Stationen in Freudenstadt und Braunschweig seit 2003 in Bremen. Zuletzt lebte Walter A. Siering nach einer im Jahr 2003 diagnostizierten Alzheimer-Erkrankung in einer Wohngemeinschaft für an Alzheimer erkrankte Menschen. Dort verstarb er am vergangenen Sonntag, genau zwei Wochen vor seinem 87. Geburtstag. Walter August Siering hinterlässt seine Frau, Martha Siering, und fünf erwachsene Kinder.

»Walter August Siering hatte einen scharfen Blick für Dinge und Verhältnisse, die nicht stimmten, und auch den Mut, kritische Fragen zu stellen«, beschreibt Walter Klaiber die Stärken des Verstorbenen. Der im Ruhestand in Tübingen lebende vormalige Bischof der EmK in Deutschland beschreibt Sierings Wirken als »von einer großen Treue und Loyalität zu seiner Kirche geprägt«. Ihm zugedachte Aufgaben habe Siering auch dann übernommen, wenn das mit erheblichen Nachteilen für ihn selbst und seine Familie verbunden gewesen sei. »Ich habe Walter August Siering sehr geschätzt und oft seinen Rat gesucht und denke an ihn mit großer Dankbarkeit«, schließt Bischof Klaiber seinen kleinen Rückblick auf die Begegnungen mit dem Verstorbenen.

Klaus Ulrich Ruof

Foto: privat