Interessierte Zuhörerschaft in der Aula der THR bei der Theologischen Woche in Reutlingen.

Interessierte Zuhörerschaft in der Aula der THR bei der Theologischen Woche in Reutlingen.

Theologische Woche

Paukenschlag zum Kongress-Abschluss

Der Abschluss der Theologischen Woche bot Gesprächsstoff: Einer der Redner stellte protestantische Lehrinhalte wie die Lehre von der Erbsünde in Frage.

Fünf Tage lang trafen sich Theologen und theologisch interessierte Laien unter dem Thema »Glauben leben in einer Welt religiöser Vielfalt« zur Theologischen Woche an der Theologischen Hochschule Reutlingen (THR). Am vergangenen Donnerstag ging der Kongress mit einem aufsehenerregenden Vortrag zu Ende. Darin stellte der aus Sri Lanka stammende methodistische Theologe Wesley Ariarajah wesentliche Lehrinhalte protestantischer Theologie zur Disposition. Ariarajah lehrt als Professor Ökumenische Theologie an der Drew Universität in Madison im US-amerikanischen Bundesstaat New Jersey. Zuvor war er in verschiedenen Funktionen beim Weltkirchenrat tätig. Mit der Begründung, Muslimen und Hindus sei die Lehre der Erbsünde ebenso wenig verständlich zu machen wie Juden, stellte er diese grundlegende protestantische Lehrposition radikal in Frage. Die Reaktion des Publikums ließ erkennen: Hier liegt Gesprächsstoff für weitere theologische Debatten.

Dialog beginnt in der persönlichen Begegnung

Die international besetzte Tagung hatte rund 150 Teilnehmer in die Theologische Hochschule nach Reutlingen gelockt. Dort waren 15 Vorträge von Referenten zu hören. Die Diskussionsgrundlage für die Begegnung mit religiöser Vielfalt legten am Montag eine religionssoziologische Analyse und eine systematisch-theologisch Reflexion der religiösen und kirchlichen Orientierungskräfte für die Gegenwart. Am Mittwoch deuteten Vertreter der sogenannten abrahamitischen Religionen – ein Jude, ein Christ und ein Muslim – eine biblische Geschichte, die den drei religiösen Traditionen gemeinsam ist. In einer Podiumsdiskussion unter der Leitung von Roland Gebauer, Rektor der THR und Professor für Neues Testament, führten sie an Hand dieser Geschichte einen Dialog der Religionen. Dabei wurde deutlich, dass es in unterschiedlichen Sachbereichen und zu verschiedenen historischen Zeiten immer wieder Gemeinsamkeiten, aber auch Feindschaften zwischen den Religionen gab. Einig war man sich darin, dass ein Dialog zwischen den Religionen heute unverzichtbar ist und dass der Dialog in der konkreten Begegnung zu beginnen hat. Der Schlusstag galt Überlegungen zu einem völlig neu gedachten Begriff christlicher Mission. Wesley Ariarajah plädierte dafür, die Abgrenzungen zwischen den Religionen zu überwinden, sofern nur gemeinsam die Bildung von Kindern, Frauenrechte und überhaupt die Rechte des einzelnen Menschen befördert würden.

Im Rahmen der Theologischen Woche fanden am Dienstag die Wallace-Chappell-Vorlesungen über Evangelisation erstmals außerhalb der USA statt. Schwerpunkt dieser Vorträge war die theologische Auseinandersetzung mit der sich von England her ausbreitenden Bewegung »Fresh Expressions of Church« (Abk.: »Fresh X«), die neue Ausdrucks- wie Angebotsformen von Kirche befürwortet und fördert.

Rahmenprogramm mit kulturellen Leckerbissen

Die Kongressteilnehmer konnten sich jederzeit mit Fragen an die Referenten, durch Beteiligung in Gesprächsgruppen und in thematischen Workshops ins inhaltliche Geschehen einbringen. Zudem gab es im Rahmenprogramm am Dienstagabend vom Christoph-Georgii-Trio Jazzimprovisationen zu alten Choralmelodien in der Hochschul-Aula und am Mittwoch im Reutlinger Kulturzentrum »franz.k« einen Kabarettabend mit Kerim Pamuk und Lutz von Rosenberg-Lipinsky. Beide Veranstaltungen lockten auch zusätzliche Gäste aus den umliegenden Gemeinden und der Öffentlichkeit an.

Klaus Ulrich Ruof

Foto: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Weitere Informationen: Die Theologische Hochschule Reutlingen (THR) ist als Einrichtung der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland, Österreich und der Schweiz die international ausgerichtete Studienstätte des deutschsprachigen Methodismus. Sie ist eine staatlich anerkannte Hochschule und verleiht die international anerkannten Studienabschlüsse Bachelor of Arts (B.A.) und Master of Arts (M.A.) in Theologie. www.th-reutlingen.de