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Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Samstag, 20. Februar 2016

Pragmatisch helfen

Warum gibt es so viele methodistische Kirchen? Dieser Frage begegnet Bischöfin Rosemarie Wenner immer wieder. Es ist nicht leicht, die Trennungen in der methodistischen Familie auszuhalten. Doch in der Arbeit, die vor Ort in den Gemeinden geschieht, lassen sich viele Gemeinsamkeiten finden. Dazu braucht es Möglichkeiten zur Begegnung und zum Austausch.

Erst als kürzlich eine Anmeldung aus Thessaloniki zu dem Seminar für Leiterinnen und Leiter in Migrantengemeinden auf meinem Schreibtisch landete, wurde ich gewahr, dass es in Griechenland Methodisten gibt. Bei der europäischen Tagung in Braunfels zum Thema Mission und Evangelisation lernte ich dann Pastor Michael Long kennen. Er gehört zur Freien Methodistischen Kirche in den USA und wurde mit seiner Frau, die aus Griechenland stammt, als Missionar ausgesandt.

Es gelang den beiden, in Thessaloniki eine Gemeinde und ein Gästehaus aufzubauen. Die Gottesdienste sind zweisprachig – griechisch und englisch. Gut methodistisch arbeitet die Gemeinde unter den Ärmsten. Derzeit sind dies Flüchtlinge, die an der Grenze zu Mazedonien darauf warten, Richtung Norden reisen zu können. »Die Menschen kommen vorbei und wir können sie ignorieren oder etwas tun. Wir haben uns entschieden zu helfen, soweit es uns möglich ist«, sagte Michael Long.

In diesem Pragmatismus entdecke ich Parallelen zu den methodistischen Anfängen. Wesley ermutigte seine Leute, dahin zu gehen, wo sie am nötigsten gebraucht wurden. Predigen und Helfen gehörten zusammen. Vor allem verstand Wesley etwas von »Hilfe zur Selbsthilfe «. Was ich aus Thessaloniki hörte, machte mich neugierig. Ich suchte im Internet nach den Freien Methodisten und fand vertraute Sätze. Das Motto »Gott lieben, die Menschen lieben, Menschen zu Jüngern Jesu machen«, könnte auch zu uns passen.

Warum gibt es so viele methodistische Kirchen? So mag mancher fragen. Wir sind doch ökumenisch gesinnt und suchen die Einheit der Christen. Doch die etablierten methodistischen Kirchen waren nicht immer willens, neue Aufbrüche zuzulassen und den unterschiedlichen Menschen Raum zu geben. In den USA etwa wurden Menschen wegen ihrer dunklen Hautfarbe aus der Kirche gedrängt. Und der methodistische Pastor William Booth bat um eine Dienstzuweisung in besondere soziale Aufgaben. Die methodistische Konferenz bestand aber darauf, dass er in eine normale Gemeinde ging. So gründete Booth die Heilsarmee, die bis heute nicht zum Weltrat Methodistischer Kirchen gehört.

Die Freie Methodistische Kirche, die es auch in Griechenland gibt, lebt genauso wie die Evangelisch-methodistische Kirche unter diesem Dach. In Europa, wo alle methodistischen Kirchen vergleichsweise klein sind, wachsen wir vor allem über konkrete Aufgaben zusammen. Das Seminar, bei dem ich von den Methodisten in Griechenland erfuhr, ist hierfür ein gutes Beispiel (siehe auch Seite 17). Wir organisieren es hier in Deutschland. Dieses Mal kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ursprünglich aus Chile, Mexiko, der Demokratischen Republik Kongo, Ghana, Nigeria, Simbabwe, dem Iran, den Philippinen, den USA und sogar von Ozeanien. Einige Europäer waren auch dabei. Sie arbeiten in Basel, Brüssel oder München mit Migrantinnen und Migranten. Jeden Tag gibt es neue Fragen zu lösen. Da hilft der Erfahrungsaustausch mit Menschen, die die gleiche Arbeit tun. Wir brauchen solche Plattformen, um miteinander eine Kirche zu bauen, in der Fremde und Einheimische zusammengehören. Wenn wir in der missionarischen Ausrichtung eins sind, können wir uns gegenseitig helfen, auch wenn wir unterschiedlichen Kirchen angehören.

Bischöfin Rosemarie Wenner

Foto: Gottfried Hamps / Öffentlichkeitsarbeit der EmK / Hintergrund: Wikipedia.org/Colin / CC BY-SA-3.0