Bischof Dr. Franz W. Schäfer (1921-2016)

Bischof Dr. Franz W. Schäfer (1921-2016)

Methodismus International

Schweizer EmK-Altbischof Franz W. Schäfer gestorben

Am vergangenen Donnerstag starb der Schweizer EmK-Bischof Franz W. Schäfer. Von 1966-1989 war er für Mittel- und Südeuropa und Nordafrika zuständig.

Bischof Franz Werner Schäfer verstarb am vergangenen Donnerstag (14. Juli 2016) in Zürich. Während 23 Jahren war Schäfer von 1966 bis 1989 als Bischof für Mittel- und Südeuropa und Nordafrika zuständig. Er wurde 95 Jahre alt.

Ein unscheinbarer Anfang

In Kontakt mit der methodistischen Kirche kam der 1921 in Basel geborene Franz Schäfer im Alter von zwölf Jahren. Weil die Familie väterlicherseits in Distanz zur Kirche lebte, nahme er damals nur zögernd die Einladung in die methodistische Sonntagsschule in Birsfelden in der Nähe von Basel an. Niemand ahnte damals, was dieser Junge für einen Weg vor sich hat.

Nach einer Lehre als Kürschner ermutigten ihn Personen aus seinem Umfeld, Pfarrer oder Lehrer zu werden. Daraufhin begann Schäfer 1939 ein Praktikumsjahr in der methodistischen Gemeinde in Bülach, zwischen Zürich und Schaffhausen gelegen. Wegen des Zweiten Weltkriegs war ihm das Studium in Deutschland am Theologischen Seminar für den deutschsprachigen Methodismus verwehrt. Deshalb absolvierte er von 1940 bis 1945 sein Theologiestudium am Seminar der Basler Mission. Zum Pfarrer der methodistischen Kirche wurde er 1949 ordiniert. Zehn Jahre später wurde er vom damaligen Bischof Ferdinand Sigg zum Distriktsvorsteher (Superintendenten) in der Methodistenkirche in der Schweiz berufen.

Nach dem überraschenden Tod von Bischof Sigg im Jahr 1965 wurde Franz Schäfer im September 1966 in Lausanne (Schweiz) zum Bischof gewählt, zunächst für eine Amtszeit von sechs Jahren. Die damals sich bereits anbahnende weltweite Vereinigung der Bischöflichen Methodistenkirche mit der Evangelischen Gemeinschaft zur Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK; englisch: United Methodist Church) hatte starke Auswirkungen für das Bischofsgebiet Schweiz und Frankreich. Schäfer, der sich zunächst als »Übergangsbischof« für die Kirchenvereinigung betrachtete, gelang es gegenüber den Vertretern der kleineren Evangelischen Gemeinschaft Vertrauen für einen gemeinsamen Weg als Evangelisch-methodistische Kirche aufzubauen. So wurde er 1973 auf Lebenszeit wiedergewählt.

Grenzgänger und Brückenbauer

Aufgrund der Vereinigung und der damit verbundenen strukturellen Veränderungen rückten die Herausforderungen der geografisch weiten, sich über zwei politische Blöcke erstreckende Zentralkonferenz zunächst in den Hintergrund. Im weiteren Verlauf seiner Dienstzeit während der Zeit des Kalten Krieges, zunehmender atomarer Bedrohung, ideologischer Verhärtung und zunehmendem Misstrauen zwischen Ost und West war Schäfers Einsatz als »Grenzgänger« gefordert. Sein Bischofsgebiet umfasste vier Länder in Westeuropa, zwei in Nordafrika und fünf im kommunistischen östlichen Mitteleuropa. Bei seinen oft wegen der politischen Umstände erschwerten Reisen war es ihm ein Anliegen, nicht Strukturen, Systeme oder Ideologien zu sehen, sondern die Menschen. Er begegnete ihnen authentisch, respektvoll und mit Wertschätzung. Das machte ihn über sprachliche, kulturelle, ideologische und religiöse Grenzen hinweg zu einem glaubwürdigen und verlässlichen Gegenüber. Als integrer Mensch weckte er Vertrauen, baute Brücken und förderte den Aufbau der Kirche. Dafür war er geschätzt und geachtet.

Im weltweiten Bereich der methodistischen Kirchenfamilie war Schäfer in verschiedenen Bereichen aktiv. So war er Präsident des Weltrats Methodistischer Kirchen, wirkte im Internationalen Missionswerk der EmK (General Board of Global Ministries) an der Erarbeitung eines neuen Missionsverständnisses mit und auf seine Initiative hin wurde die Europäische Kommission für Mission (European Commission on Mission, ECOM) zur Koordination der Missionsarbeit gegründet, die er über 20 Jahren hinweg als Präsident leitetet. Er stand hinter der Arbeit des Ökumenischen Rats der Kirchen, als dieser wegen des Anti-Rassismus-Programms in Kritik kam. Franz Schäfer betrachtete das Engagement über sein arbeitsintensives Bischofsgebiet hinaus als Chance, die eigene Kirche glaubwürdig zu vertreten.

Internationale Anerkennung

Als Anerkennung für seinen langjährigen Dienst am Aufbau der Kirche in Ost und West und für die ökumenische Zusammenarbeit der Kirchen in Osteuropa überreichte die Comenius-Fakultät der Universität Prag Bischof Schäfer 1985 den Titel eines Ehrendoktors der Theologie.

Im Frühjahr 1989 trat Bischof Schäfer in den Ruhestand und übergab die bischöfliche Verantwortung für die Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa an seinen Nachfolger Heinrich Bolleter. Auch im hohen Alter nahm er trotz köprerlicher Einschränkungen als inzwischen dienstältester Bischof der weltweiten EmK mit Interesse an der Entwicklung seiner Kirche Anteil. Er blieb den Menschen in einer von Güte und Freundlichkeit geprägten Art zugewandt. So prägte er unzählige Menschen in völlig unterschiedlichen Lebenssituationen und Ländern, baute Brücken und veränderte ein stückweit die Welt.

Am vergangenen Donnerstag verstarb Bischof Franz W. Schäfer im Alter von 95 Jahren. Ein öffentlicher Dankgottesdienst im Gedenken an Bischof Schäfer findet am 8. August 2016 um 14 Uhr im Fraumünster in Zürich statt.

Klaus Ulrich Ruof

Foto: EmK Schweiz

Weitere Informationen:

www.emk-schweiz.ch/nc/de/news-und-publikationen/