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Mittwoch, 17. Februar 2016

»Soweit ihr Gelegenheit habt, tut Gutes an jedermann«

Karl Heinz Voigt mit Gedanken zu Worten von John Wesley, mit denen dieser die Methodisten unserer Tage in die Nachfolge Christi ruft.

Liebe Methodisten in Deutschland, hört mir zu: »Soweit ihr Gelegenheit habt, tut Gutes an jedermann: an Nachbarn und Fremden, an Freunden und Feinden, und zwar auf jede mögliche Weise; nicht nur dem Leibe nach, indem ihr die Hungrigen speist, die Nackten bekleidet, die Kranken und Gefangenen besucht (Matthäus 25,35f.), sondern noch vielmehr bemüht euch, in der Kraft, die Gott gibt (1. Petrus 4,11), den Seelen Gutes zu tun; die, welche im geistlichen Tode schlafen, aufzuwecken; die Erweckten zur Versöhnung zu führen, damit sie, durch den Glauben gerecht geworden, Frieden mit Gott haben (Römer 5,1); und die, welche Frieden mit Gott gefunden haben, zur Liebe und guten Werken anzuspornen (Hebräer 10,24).«

John Wesleys Worte, mit denen er die Methodisten in ihrer Nachfolge Christi kennzeichnet, klingen zu uns ins 21. Jahrhundert herüber. Sie locken uns mit dem Rückgriff auf Bibelworte heraus, unsere Herzen und Hände zu öffnen. Im Grunde ist es eine Einladung, ein weitgespanntes Netz der Liebe zu knüpfen. Soll »jedermann « ein Knotenpunkt im Netz des zu verschenkenden Guten sein?

Wer ehrlich ist, muss es sich eingestehen: Das schaffen wir nicht. Ich ertappe mich immer bei der Auswahl zwischen »hier ja« und »dort nein«. Aber Nachbarn und Fremde sollen Gutes erfahren. Sollten wir die hohen Ideale herunterschrauben, weil wir sie nicht erfüllen können? Wird der zu erklimmende Berg auch kleiner, wenn der Wanderer den Gipfel nicht erreicht?

Ich bin froh, dass in unserer Gemeinde neue Nachbarn eingeladen wurden. Bei alten Nachbarn waren wir erstmals Gäste. Was haben sich für uns dadurch neue Bilder erschlossen und wertvolle Einblicke ergeben! Wir sind nicht nur den Geflüchteten und verängstigten Menschen begegnet, sondern hörten, wie unglaublich einsatzfreudig eine Behördenmitarbeiterin eigene Zeitgrenzen überwindet und sich für die Traumatisierten einsetzt. Da wird das Netz derer, denen man Gutes zutraut, gleich viel enger. Und man empfängt selbst Trost. Es gibt nicht nur Bilder von dem Verhungern ausgesetzter Familien in zerstörten syrischen Städten, die kein Geld hatten, eine Flucht zu organisieren. Nicht nur Bilder von Flüchtlingen, die unter dramatischen Umständen wieder festen Boden unter den Füßen haben, sondern auch von Menschen, die sie hier mit offenen Armen empfangen. Wenn man zu Hause am Mittagstisch Berichte von Gemeinden aus dem Iran und ihren Ängsten hört, dann wird das Beten und Handeln der alten Mönchsregel neu erweckt.

Gesandt zu den Hungrigen, Nackten, Kranken

Es ist typisch für unseren Kirchenvater John Wesley, dass er uns zu den Hungrigen, Nackten, Kranken, Gefangenen, Geflüchteten, Geängstigten, Heimatlosen und Verzweifelten sendet. Es passt zu seinem Denken und Handeln, dass er die Hilfe nicht an Bedingungen bindet. Aber mit gleicher Deutlichkeit wünscht er, dass wir die Kraft, die Gott für das Herz und die Seele bereit hält, auch weitergeben. Sie soll solche, die »geistlich tot« sind, aufwecken und ihnen den Weg zum Glauben zeigen. Die Kraft Gottes weist den schweren Weg zur Versöhnung mitten in der Zerrissenheit zu dem Frieden, den Christus in der gründlichen Erneuerung der ganzen Existenz schenken kann und will. John Wesley ermutigt uns zu Schritten, die möglich und heute nötiger sind denn je. Das heißt für uns: Erwartet, dass Gott durch euch handeln will, auch wenn heute der Weg, um den Frieden von Gott anzunehmen, vermutlich länger ist als er je war. Aber es gibt ihn! »Erwartet, dass Gott durch euch handeln will.

Karl Heinz Voigt

Foto: DFID - UK Department for International Development
Beitrag entnommen aus »unterwegs« 4/2016