Prof. Dr. Manfred Marquardt signiert die neu aufgelegten Wesley-Predigten bei der Süddeutschen Jährlichen Konferenz in Baiersbronn (Schwarzwald).

Prof. Dr. Manfred Marquardt signiert die neu aufgelegten Wesley-Predigten bei der Süddeutschen Jährlichen Konferenz in Baiersbronn (Schwarzwald).

Wahrhaftig sein in der Liebe

Die neu aufgelegten Wesley-Predigten helfen, über den Methodismus Rechenschaft abzulegen, im Stile Wesleys zu diskutieren und ebenslang zu lernen.

»Wer die Wesley-Predigten heute studiert, hat die Chance, dem eigenen Glaubens- und Lebenszeugnis eine evangelische, zeitübergreifende und darum zeitgemäße Grundierung zu geben.« Davon ist Manfred Marquardt überzeugt, der dieses jetzt wieder gedruckt vorliegende Standardwerk für den deutschen Methodismus komplett überarbeitet und neu übersetzt hat.

Bei der Buchvorstellung im Rahmen der Tagung der Süddeutschen Jährlichen Konferenz in der vergangenen Woche in Baiersbronn (emk.de berichtete) beschrieb der im Ruhestand in Reutlingen lebende Professor für Systematische Theologie und ehemalige Direktor des Theologischen Seminars der Evangelisch-methodistischen Kirche (jetzt Theologische Hochschule Reutlingen) die Bedeutung des Werkes. Innerhalb der methodistischen Bewegung seien Wesleys Lehrpredigten vorwiegend in der Grund- und Weiterbildung von Laienpredigern und Gemeindeleitern eingesetzt worden. Für die sich ausbreitende methodistische Bewegung hätten die Predigten in der englischen Gesellschaft aber auch dargestellt, was die Methodisten sein wollten und erstrebten. Dies sei, so Marquardt, »nicht in besserwisserischem oder herablassenden Ton« aus einer religiösen Überlegenheit geschehen, sondern kommunizierend und in gutem Sinne belehrend »als Mitteilung aus dem reichen Wissens- und Erfahrungsschatz des Predigers Wesley«.

Wer diese Predigten studiere, erkenne, warum Methodisten sich »nicht durch Abgrenzungen oder Ausgrenzungen« von anderen Christen distanzierten. Die Predigten dokumentierten, dass Methodisten »allein und mit anderen« das Evangelium verstehen, verkündigen und in die Tat umsetzen wollten – »klar und konsequent« sowie »theoretisch und praktisch«. Marquardt ist überzeugt, dass dieses Buch »gerade in unserer Zeit religiöser und weltanschaulicher Vielfalt« eine wichtige Funktion habe. Methodisten, besonders Verantwortungsträger in Gemeinden und Werken haben, müssten »mehr von Wesley wissen, als dass er ein unermüdlicher Prediger zu Pferde und ein sozial engagierter Christ und Pfarrer war«. Mit den Predigten in diesem Buch, könnten sie »den Reichtum der Gedanken und Erfahrungen, der Argumente und Anregungen aufnehmen«. Dann könne auch der Diskussionsstil Wesleys gelingen: »Wahrhaftig zu sein in Liebe«. Mit dieser Einstellung sei Wesley »unerschrocken« gewesen. Als gebildeter und kluger Mensch sei er bereit gewesen, ein Leben lang dazuzulernen und habe alle zum lebenslangen Lernen aufgefordert. Deshalb habe Wesley auch den Biblizismus damaliger frommer Prediger gerügt, »weil auch die Bibel ein Buch ist, das verstanden und nicht nur zitiert werden will«. In den Wesley-Predigten wehe »der Geist freier Liebe, der Liebe zu Gott und zu unseren Nächsten. Den gilt es einzufangen. Und das geht nicht ohne das geschriebene, gehörte und verstandene Wort.«

Klaus Ulrich Ruof