Wort auf den Weg

Wer kann dann noch trösten?

»Wort auf den Weg« von Heidrun Hertig zu einem Vers aus Jesaja 66,13: Gott spricht : Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

Trost« und »trösten« sind Worte, die Emotionen, starke Gefühle in uns wachrufen. Bestimmt erinnern wir uns an Situationen, in denen wir Trost nötig hatten. Gab es jemanden, der uns da getröstet hat? Oder war keiner da und wir haben uns ganz allein und verlassen gefühlt? Hier merken wir schon: Trost ist ein sehr sensibles Thema, es geht tief hinein in unsere urmenschlichen Bedürfnisse.

Über dem Jahr 2016 steht mit der Jahreslosung die Verheißung, dass Gott uns trösten will. Schon im Januar gingen mir diese Worte nahe. Irgendwie spürte ich, wie sich dieses Versprechen des lebendigen Gottes wie ein Mantel über das ganze Jahr legen würde. Zu Recht, denn die Jahreslosung ist ja nicht nur für den Januar gedacht, sondern eben für das ganze Jahr. Seitdem erlebte ich so intensiv wie nie zuvor, dass mich diese Zusage Gottes durch die Monate begleitet. Ich redete mit Menschen ganz verschiedener Altersgruppen über diesen Vers. Es ergaben sich kostbare Gespräche, die sehr in die Tiefe gingen. Von Trauer und Ängsten, von Krankheitsnöten und Verlusten war die Rede und immer wurden wir beschenkt durch Gottes Zusage des Trostes.

Damals, als die Worte der Jahreslosung dem Volk Israel zugesprochen wurden, erlebten sie eine Zeit kriegerischer und terroristischer Übergriffe. Doch Gott verheißt, einzugreifen und Kraft und Trost zu geben. Jesaja 65 und 66 malt den neuen Himmel und die neue Erde in tröstlichen Farben den Leidenden vor Augen. Gott ist in der anbrechenden Heilszeit seinem Volk so umfassend und liebevoll zugewandt, wie eine Mutter. Er tröstet die verwundeten Seelen und baut sie wieder auf.

Die Mutter steht hier als ein Bild für Gottes Zuwendung. Es ist ein Geschenk fürs ganze Leben, wenn ein Kind schon frühzeitig Geborgenheit erfährt und eine Mutter (und auch einen Vater) hat, auf die es sich verlassen kann. Wie wohltuend ist es, wenn ich erleben darf, wie meine Mutter mir zuhört, mich in den Arm nimmt, für mich betet und mich tröstet, wenn ich traurig bin. Leider kennen das nicht alle Menschen. Manche haben ihre Mutter schon früh verloren oder hatten keine positive Beziehung zur Mutter.

Wenn Gott verheißt: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet, dann meint das sein Versprechen, dass wir, seine geliebten Kinder, durch ihn Geborgenheit und Annahme erfahren, die uns sicheren Lebenshalt bietet. Gottes Trost wird immer viel umfassender sein, als der einer Mutter. Denn so wertvoll mütterlicher Trost ist, es ist menschlicher Trost. Auch Mütter kommen an ihre Grenzen.

Angesichts des Todes versagt jeder menschliche Trost. Da helfen keine billigen Durchhalteparolen nach dem Motto: »Kopf hoch, es wird schon wieder. « Wenn wir an einem Sarg stehen, spüren wir, dass nichts mehr ist, wie es war und auch nie wieder so werden wird.

Wer kann dann noch trösten? Einzig und allein der lebendige Gott, der uns in Jesus ewiges Leben schenkt. Im Anblick der Endlichkeit unseres Lebens wird klar, dass nur der Trost, der vom Ewigen herkommt, echter Trost und keine billige Vertröstung sein kann. Er, der Unvergängliche, bietet uns seine Gemeinschaft an, er hält uns seine Hand hin und bietet den Trost, der wirklich tröstlich ist.

Heidrun Hertig

Foto: Ildar Sagdejev (Specious) - Own work / GFDL
Beitrag entnommen aus »unterwegs« 21/2016