Wofür ich Martin Luther heute dankbar bin – Marco Alferink mit Gedanken zu einem Vers aus dem Matthäus-Evangelium: »Jesus fing an zu predigen: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbei gekommen!« (Matthäus 4,17)

Wofür ich Martin Luther heute dankbar bin – Marco Alferink mit Gedanken zu einem Vers aus dem Matthäus-Evangelium: »Jesus fing an zu predigen: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbei gekommen!« (Matthäus 4,17)

Wort auf den Weg

Wofür ich Martin Luther heute dankbar bin

Marco Alferink mit Gedanken zu einem Vers aus dem Matthäus-Evangelium: »Jesus fing an zu predigen: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbei gekommen!« (Matthäus 4,17)

Da unser Herr und Meister spricht »Tut Buße« (Matthäus 4,17), hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll.« So lautet die erste der berühmten 95 Thesen Dr. Martin Luthers, mit denen die Reformation vor 499 Jahren ihren Anfang nahm. Wenn ich mich frage, wofür ich Martin Luther heute dankbar bin, dann hilft mir dieser Satz auf die Sprünge. Denn am Anfang der Reformation steht die Einladung, zu fragen, wie Jesus Christus das Leben der Gläubigen prägen will. Dabei treibt Luther eher die Sorge um, dass Menschen zu wenig von Reue bestimmt sind als zu viel. Deshalb heißt es am Ende seiner 95 Thesen: Man soll die Christen ermutigen, dass sie ihrem Haupt Christus durch Strafen, Tod und Hölle nachzufolgen trachten und dass die lieber darauf trauen, durch viele Trübsale ins Himmelreich einzugehen, als sich in falscher geistlicher Sicherheit zu beruhigen.«

Mich fasziniert diese Ernsthaftigkeit Luthers bei der Frage der Buße; sie setzt viel Freiheit und Fröhlichkeit bei den Gläubigen frei. Denn Buße tun, bedeutet für Martin Luther eine gründliche Absage an alles, was mir im Verhältnis zu Gott falsche Sicherheiten vermittelt. Am Anfang der Reformation geht es dabei vor allem um die Ablassbriefe, die den Gläubigen zur Zeit Luthers durch ihre Kirche angeboten werden, um sich damit angeblich vor Gottes Strafen zu schützen. In Wahrheit gilt aber – so Luther in der 36. These: »Jeder Christ, der wirklich bereut, hat Anspruch auf völligen Erlass von Strafe und Schuld, auch ohne Ablassbrief.« Damit macht Luther klar: Wenn du der Gnade Gottes – wie sie Jesus Christus verbürgt – wirklich traust, dann kann dein Leben von Innen heraus erneuert werden. Aus dieser Grundhaltung heraus stellt Luther auch andere Gewissheiten seiner Zeit in Frage. So zum Beispiel die Auffassung, als wäre das Leben eines Mönchs oder einer Nonne zwangsläufig »heiliger« als das eines verheiraten Menschen. Luther brach mit dieser Auffassung in aller Konsequenz, indem er als ehemaliger Mönch und Priester die ehemalige Nonne Katharina von Bora heiratete – ohne damit sein Christsein weniger ernst zu nehmen. Luther und seine Frau Katharina machen mir durch ihr fröhliches Familienleben klar: Es muss kein Gegensatz sein, das Leben in all seiner Fülle zu genießen und gleichzeitig ein treuer Christ zu sein.

Schon zuvor stößt Luther mit seinen Thesen auf viel Widerstand. Dennoch kann äußerer Druck ihn nicht dazu bewegen, seine Aussagen zurückzunehmen. Stattdessen weiß Luther sich durch sein Gewissen gegenüber Gott gebunden, wie dieser sich durch die Heilige Schrift zu erkennen gibt. Gerade diese Bindung scheint mir der Schlüssel zur Freiheit eines Christenmenschen, von der Luther ausführlich spricht.

Auf diese Weise hilft Luther mir, neu zu fragen, wo ich mich von falschen Sicherheiten leiten lasse – und wo ich die Stimme meines Gewissens überhöre. Er macht mir Mut, zu fragen: Wo kann mein Leben wahrhaftiger und freier werden, wenn ich mehr als bisher auf die Vergebung durch Jesus Christus vertraue, seine Leitung und Kraft? Wo immer ich diese Frage zulasse, kann auch mein Leben heilsam erneuert werden!

Marco Alferink

Fotos: Paul Jeffrey / UMNS
Entnommen aus »unterwegs« 22/2016