Besuch beim Botschafter Dr. Heinz Peters (2. von links): Michael Wetzel, Werner Philipp und Joachim Blechschmidt.

Besuch beim Botschafter Dr. Heinz Peters (2. von links): Michael Wetzel, Werner Philipp und Joachim Blechschmidt.

Methodismus International

Zu Gast bei Methodisten in Uruguay

Ende Oktober besuchte eine Delegation der Ostdeutschen Jährlichen Kirche die methodistische Kirche in Uruguay. Dabei nahmen die Delegierten auch an einer Tagung zur Zukunft der dortigen Kirche teil.

Was bedeutet Kirchesein in Zeiten der Diktatur und des Klimawandels? Dieser Frage ging eine Tagung der methodistischen Kirche in Uruguay nach, an der auch Pastor Werner Phillipp, Michael Wetzel und der Konferenzlaienführer Joachim Blechschmidt als Vertreter der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz teilnahmen. Begleitet von Pastor Jorge Gerhard und Kirchenpräsident Oskar Bolioli besuchten die drei Teilnehmer Einrichtungen der Kirche, wie eine Behindertenwerkstatt, eine Kindertagesstätte, ein Kinderheim und Gemeinden.

Uruguay ist ein Land, das noch heute an den Folgen der Diktatur durch das Militärregime von 1973 bis 1985 leidet. Über das Schicksal der damals verschwundenen Menschen ist bis heute so gut wie nichts bekannt. Eine Aufarbeitung der Geschichte findet bis heute nicht statt, da die Diktatur praktisch nahtlos in die Demokratie überging und das Militär an einer Aufarbeitung der Geschehnisse nicht interessiert ist.

Zerstörung in der Kirche

Die Delegierten konnten sich am Denkmal für die Verschwundenen und im Gedächtnismuseum in Montevideo mit der Geschichte dieser furchtbaren Diktaturzeit beschäftigen. Auch die methodistische Kirche in Montevideo war damals betroffen: Ein Bombenanschlag auf die Hauptkirche im Stadtzentrum, wo die Eingangstür und Teile der Inneneinrichtung zerstört wurden, gehört auch in diese Zeit.

Bei der Beschäftigung mit der Diktatur in Uruguay zogen die Delegierten Parallelen zur Zeit der Diktaturen in Deutschland im 20. Jahrhundert. Die Brutalität, mit der man in den südamerikanischen Diktaturen gegen Andersdenkende vorging, sei viel größer gewesen, als bei uns in der DDR, schreibt Joachim Blechschmidt. »In Gesprächsgruppen konnten wir uns intensiv austauschen und es war ein großes Interesse zu spüren an dem, was wir aus Deutschland zu sagen hatten.«

Der zweite Tag der Konferenz beschäftigte sich mit den Fragen der Herausforderungen an die Kirchen in Zeiten des Klimawandels. Dr. Joachim Fünfgelt von »Brot für die Welt« aus Berlin referierte hierzu sehr deutlich, wie Deutschland in diesen Fragen eine Vorreiterstelle einnimmt und Ausführungen zu Energiewende, Atomausstieg, Mülltrennung wurden sehr interessiert aufgenommen. »Ich hatte den Eindruck, man blickt auf zu Deutschland wegen der vielen Maßnahmen im Umweltschutz«, sagt Blechschmidt. Es habe aber auch Kritik gegeben – vor allem gegenüber Weltkonzernen, die in den Staaten Lateinamerikas große landwirtschaftliche Flächen aufkaufen und diese für den Anbau von Pflanzen verwendet, mit denen man Biotreibstoffe herstellt. Das gehe zu Lasten der Anbauflächen für Lebensmittel, die in der Region dringend gebraucht werden.

Zum Programm gehörte auch eine Einladung beim Botschafter Deutschlands in Uruguay, Dr. Heinz Peters. Er erläuterte seine Sicht auf das Land und das Verhältnis Deutschlands zu Uruguay. Während unseres Aufenthaltes konnten die Delegierten die drei Jugendlichen aus Deutschland, die für ein Jahr im Rahmen des Weltwärts-Programmes in der Kirche in Uruguay tätig sind, an ihren Arbeitsorten erleben.

Der Besuch in Uruguay war der Auftakt einer von beiden Seiten angestrebten Partnerschaft zwischen den beiden Kirchen. Im abschließenden Gespräch mit Kirchenpräsident Bolioli kam zum Ausdruck, dass man sehr an einer Partnerschaft mit der OJK interessiert ist und die gerne ausbauen möchte. Eine Partnerschaft wie die Partnerschaft zur Western Pennsylvania Conference in den USA wäre denkbar und erstrebenswert. Im Jahr 2017 soll ein Gegenbesuch einer Delegation aus Uruguay erfolgen.

kie / pm

Foto: privat