Bischof Bruce R. Ough, der Präsident des EmK-Bischofsrats

»Ihr seid Entdecker und Pfadfinder auf der Suche nach einem Weg für die Einheit der Kirche.« Das sagte Bischof Bruce R. Ough, der Präsident des EmK-Bischofsrats, den Bischöfinnen und Bischöfen der EmK bei der Ratstagung in Lake Junaluska (North Carolina, USA).

EmK-Bischofsrat

Drei Vorschläge für die Zukunft der EmK

Der Bischofsrat der EmK veröffentlicht drei Entwürfe für einen Weg in die Zukunft der weltweiten EmK und mahnt zu respektvollem Gespräch.

Der internationale Bischofsrat der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) traf sich zu seiner Herbstsitzung von Montag bis Freitag (6. bis 10. November) der zurückliegenden Woche in Lake Junaluska im US-Bundesstaat North Carolina im Südosten der USA. In geschlossener Sitzung wurde die Vorlage der international besetzten Kommission »Ein Weg in die Zukunft« beraten. Die Kommission hat den Auftrag, dem Bischofsrat Vorschläge zu unterbreiten, wie in den Auseinandersetzungen über Fragen zur menschlichen Sexualität, insbesondere die Ordination Homosexueller oder die Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften betreffend ein Weg gefunden werden kann, der die Einheit der weltweiten EmK trotz unterschiedlicher Sichtweisen bewahrt. Die jetzt vorgelegten Vorschläge mit drei groben Entwürfen, wie der Weg der Kirche in die Zukunft aussehen könnte, macht der Bischofsrat in Grundzügen der Öffentlichkeit zugänglich.

Drei Vorschläge mit unterschiedlichen Konsequenzen

Für die Erarbeitung der jetzt vorgelegten Entwürfe waren laut Presseerklärung des Bischofsrats die Werte Auftrag, Einheit, Freiraum und Kontextbezogenheit (»mission, unity, space and contextuality«) der kirchlichen Arbeit grundlegend. Einer der Entwürfe bestätigt den aktuellen Wortlaut der EmK-Kirchenordnung und legt großen Wert auf die zuverlässige Anwendung. Dabei sind besonders die Passagen der Kirchenordnung im Blick, die »homosexuelle Handlungsweisen als unvereinbar mit der christlichen Lehre« beschreiben und Feiern für gleichgeschlechtliche Paare untersagen. Ein weiterer Entwurf entfernt diese restriktive Sprache aus den Ordnungstexten und legt großen Wert auf die Möglichkeit, die Fragen zu Homosexualität im jeweiligen politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Kontext zu betrachten. In diesem Entwurf wird ausdrücklich betont, dass niemand gegen sein Gewissen gedrängt oder verpflichtet werden könne, gleichgeschlechtliche Menschen zu trauen oder zu ordinieren. Der dritte Entwurf basiert auf einem einheitlichen Kern, der aus einer gemeinsamen Grundordnung, gemeinsam verantworteten Arbeitsbereichen sowie dem Bischofsrat besteht. Aus diesem Kern entspringen verschiedene Zweige der Kirche mit je klar definierten gemeinsamen Werten wie Verbindlichkeit, Kontextualisierung und kirchliches Rechtswesen.

In der vom Bischofsrat vorgelegten Presseerklärung wird darauf verwiesen, dass in jedem der Entwürfe Werte und Überzeugungen zu finden seien, die sich sowohl im Bischofsrat als auch in der weltweiten Kirche erkennen ließen. Ebenfalls wird betont, dass der Prozess, in dem sich die Kommission und der Bischofsrat befänden, noch nicht abgeschlossen sei und zum jetzigen Zeitpunkt weder die Kommission noch der Bischofsrat einen der Entwürfe favorisierten.

Gestärktes Vertrauen stärkt die Einheit

Harald Rückert, seit Mai dieses Jahres als Bischof der EmK in Deutschland im Amt, war »sehr beeindruckt von der Gründlichkeit und Umsicht, mit der die Kommission gearbeitet hat“. Es sei spürbar gewesen, »dass die sehr unterschiedlichen Menschen dieser Kommission durch ernsthaftes geistliches Ringen gemeinsam einen Weg in die Zukunft beschritten haben«. Die Sitzung des Bischofsrats in dieser Angelegenheit seien von Zeiten gemeinsamen Gebets sowie täglichen Gottesdiensten und ehrlichem Zuhören und Verstehenwollen bestimmt gewesen. »Vertrauen ist gestärkt worden und damit auch die Einheit«, ist Rückerts Resümee im Rückblick auf diese Tage.

Achtungsvolles Gespräch für eine hoffnungsvolle Zukunft

Für Gespräche über die drei Entwürfe bittet Sandra Steiner-Ball, Bischöfin der im Osten der USA gelegenen West-Virginia-Konferenz und Moderatorin der Kommission, um »Herzen voller Frieden und Offenheit«. Die Vorschläge seien verknüpft mit Erfahrungen und Lebensgeschichten von Menschen der Kirche. Deshalb solle »achtungsvoll« über diese Entwürfe gesprochen werden. Denn, so Steiner Ball weiter, »wenn wir uns abfällig darüber äußern, reden wir abfällig über die Erfahrung oder das Gewissen einzelner Menschen«. Der Präsident des Bischofsrats, Bischof Bruce R. Ough, bittet die Menschen in der EmK um Gebet. »Beten Sie für die Arbeit der Kommission und für die Bischöfe, Gottes Willen für die Zukunft der EmK zu erkennen«, damit es »eine hoffnungsvolle Zukunft« werde.

Nichts Böses tun, Gutes tun, in der Liebe Gottes bleiben

In einem bischöflichen Schreiben an alle Gemeinden der EmK weist der Präsident des Bischofsrats darauf hin, dass in den zurückliegenden Monaten negative Verhaltensweisen zu beobachten gewesen seien, die zu aggressiven und heftigen Ausbrüchen von Hass, Vorurteilen und Wut gegen andere eskalierten. Angesichts solcher Auswüchse bittet er darum, »unsere Differenzen mit Glaubwürdigkeit und in respektvollen Gesprächen anzusprechen, die unser Verständnis von Gott und voneinander bereichern«. Als Bischöfe und Bischöfinnen hätten sie ihre gegenseitige Verpflichtung erneuert, die Kirche in ihrer jeweiligen Region so zu führen, dass »inmitten von Uneinigkeit und Unsicherheit über unsere Zukunft als Kirche« dem wesleyanischen Motto »nichts Böses tun, Gutes tun und in der Liebe Gottes bleiben« mit Leben erfüllt werde, »um einander zu lieben, wie Christus uns geliebt hat« (Johannes 12,34).

Weitere drei Kommissionstreffen geplant

Die Weiterarbeit an den Entwürfen sieht vor, dass sowohl aus dem Bischofsrat als auch aus allen Jährlichen Konferenzen der weltweiten EmK Rückmeldungen an die Kommission erwünscht sind und aufgenommen werden. Die Kommission wird sich Anfang nächsten Jahres weitere dreimal treffen um dem im Mai 2018 tagenden Bischofsrat einen Schlussbericht mit Empfehlungen vorzulegen. Für seine endgültige Empfehlung an die Generalkonferenz ist der Bischofsrat nicht an den Kommissionsvorschlag gebunden, sondern kann Änderungen vornehmen oder selbst Alternativen vorschlagen. Die vom 23. bis 26. Februar 2019 in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri tagende außerordentliche Generalkonferenz wird sich abschließend mit dem von der Kommission erarbeiteten und vom Bischofsrat vorgelegten Vorschlag befassen und dazu eine Entscheidung treffen. Die nächste ordentliche Tagung der Generalkonferenz findet vom 5. bis 15. Mai 2020 in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota im Norden der USA statt.

Neues Leitungsteam des Bischofsrats ab 2018 gewählt

Turnusgemäß hat der Bischofsrat außerdem sein Leitungsteam neu gewählt. Ab Mai nächsten Jahres wird der aktuelle Vizepräsident Kenneth H. Carter, Bischof der Florida-Konferenz, Bruce Ough als Ratspräsident ablösen. Cynthia Fierro Harvey, Bischöfin der Louisiana-Konferenz im Süden der USA, wurde als Vizepräsidentin gewählt und ist damit designierte Ratspräsidentin ab 2020. Zum Sekretär des Bischofsrats wurde Mande Muyombo, Bischof der Nord Katanga Konferenz in der Demokratischen Republik Kongo, gewählt.

Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Brief des Bischofsrats an die Gemeinden der EmK (PDF, englisch)
Pressemittleilung des Bischofsrats (englisch)
Homepage der Kommission »Ein Weg in die Zukunft«  (englisch)

Grundlagendokumente der Kommission »Ein Weg in die Zukunft«:

Foto: Heather Hahn, UMNS